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Architekturen der Apokalypse (Teil IV)

8. April 2013

3. Die Offenbarung des Johannes

3.1 Inhalt

Das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, ist das einzige apokalyptische und durchgehend prophetische Buch des kanonischen Neuen Testaments. Darin berichtet ein Seher namens Johannes gemäß seinem göttlichen Auftrag (Apk 1, 10-11) die ihm zuteil gewordenen Visionen. Diese künden vom kommenden Weltgericht über die Feinde des Christentums, von der Zerstörung der satanischen Mächte durch die himmlischen Heerscharen und von der Errichtung bzw. Vollendung des Reiches Gottes auf Erden.

Die „Offenbarung Jesus Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll“ (Apk 1, 1) richtet sich an die sieben christlichen Gemeinden in Kleinasien. In einer Thronsaalvision, in der Johannes Jesus zwischen sieben Leuchtern wandeln sieht (Apk 1, 12-16), werden ihm sieben Sendschreiben an die Gemeinden diktiert. Darin werden die Anhänger der Gemeinden auf innere und äußere Bedrohungen hingewiesen. Die Sendschreiben dienen der Ermutigung und Ermahnung der Gemeindemitglieder und verdeutlichen, „dass der Gesamtinhalt des Buches von unmittelbarer Bedeutung für das Leben dieser Gemeinden ist und sich nicht nur auf das Ende der Zeit bezieht.“39

Mit einer weiteren Vision, in der Johannes den thronenden Gottvater umgeben von den vier Evangelisten und den 24 Ältesten erblickt, beginnt der Hauptteil der Offenbarung (Apk 4). Das Lamm Gottes bricht der Reihe nach die sieben Siegel des Buches, das den Untergang der Welt einläutet. Die Öffnung der ersten vier Siegel lässt die vier apokalyptischen Reiter erscheinen, die Elend, Angst und Schrecken über die Welt bringen (Apk 6, 1-8). Die Öffnung des fünften Siegels offenbart die Seelen der Märtyrer, die sich noch gedulden müssen, bis ihre Tode gerächt werden (Apk 6, 9-11). Die Öffnung des sechsten Siegels löst ein großes Erdbeben aus, verdunkelt die Sonne, färbt den Mond blutrot und lässt die Sterne vom Himmel fallen „wie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von starkem Wind bewegt wird“ (Apk 6, 12-14). Infolge dieser Erscheinungen wird die Angst der auf der Erde lebenden Menschen vor dem Zorn Gottes vorgeführt. Reue zeigen sie indes jedoch nicht.40 Vor der Öffnung des letzten Siegels kommt es zur Versiegelung der 144.000 Auserwählten, 12.000 aus jedem der zwölf Stämme Israels, die dem göttlichen Gericht am Jüngsten Tag entgehen (Apk 7, 1-8). Nach der Öffnung des siebten Siegels tritt zunächst eine Stille im Himmel ein, die etwa eine halbe Stunde andauert. Danach erscheinen sieben Engel mit sieben Posaunen, die so genannte „Drohgerichte“ über die Erde bringen.41

Das Blasen der ersten sechs Posaunen (Apk 8, 6-9, 21) ruft eine Reihe schrecklicher Ereignisse hervor, an deren Folgen ein Drittel der Menschheit stirbt. Diese sind Hagel, Feuer- und Blutregen, Berge, die brennend ins Meer stürzen, der Stern Wermut, der brennend wie eine Fackel von Himmel stürzt und das Meer und die Flüsse vergiftet, die teilweise Verfinsterung von Sonne, Mond und Sternen und eine Heuschreckenplage, die sich explizit nur gegen die Menschen richtet. Schließlich werden vier Engel losgelassen, die ein reitendes Heer anführen, um zu töten. Die Pferde dieses Heeres werden als gewaltige Schlachtrösser beschrieben, deren löwengleiche Häupter Feuer, Rauch und Schwefel speien. „Das Blasen der siebten Posaune fällt zusammen mit der Öffnung des himmlischen Heiligtums (Apk 11, 15-19). Wahrscheinlich deutet das auf den Tod Jesu und die Bildung der christlichen Gemeinde in Palästina hin.“42 Die Öffnung des göttlichen Tempels ist wiederum verbunden mit Erdbeben und Hagel, sowie Blitz und Donner.

Nach dem Blasen der sieben Posaunen treten die Mächte des Bösen nun deutlich in Erscheinung. In der kurzen Schilderung des Kampfes zwischen Erzengel Michael und dem Satan wird dieser als Drache und Schlange bezeichnet (Apk 12, 7-9). Zudem werden zwei Tiere beschrieben, die die Macht des Teufels repräsentieren. Das erste Tier steigt aus dem Meer und wird mit sieben Häuptern und zehn Hörnen, auf denen es zehn Kronen trägt, beschrieben. Das Tier, das einem Panther gleicht, aber Bärenfüße und einen Löwenrachen hat, ist übersät von gotteslästerlichen Namen. Das zweite Tier steigt aus der Erde herauf, hat zwei Hörner und redet wie ein Drache (Apk 13, 11). Mit seiner Macht verführt es die Menschen dazu ein Bild des Tieres anzubeten und sie sich Untertan zu machen. Daher wird das zweite Tier auch als „falscher Prophet“ bezeichnet. Die Anhänger des Tieres werden als Händler beschrieben, die man an einem Zeichen an der rechten Hand oder der Stirn erkennt. Das Zeichen zeigt die numerische Entsprechung des Namens des Tieres; sie lautet 666 (Apk 13, 15-18). Gegenüber den Anmaßungen der beiden Tiere formiert sich das Lamm Gottes wie ein Feldherr auf dem Berg Zion. Um sich herum scharrt es ein Heer von Getreuen.43

In der nächsten Vision vernimmt Johannes die Botschaften von drei Engeln, die am Himmel erscheinen (Apk 14, 6-11). Alle drei verkünden zukünftige Ereignisse. Der erste Engel verkündet ein ewiges Evangelium, der zweite den Fall der großen Stadt Babylon, der dritte kündet das grausame Gericht Gottes über diejenigen an, die das Bild des Tieres anbeten. Letzteres besteht abermals aus einer Qual durch Feuer und Schwefel. Nachdem die Engel ihre Botschaften verkündet haben, erscheinen sieben weitere Engel, die die sieben Schalen des Zorns tragen. Das Ausgießen der Schalen bringt die sieben letzten Plagen über die Menschheit (Apk 16). Auch hier werden bekannte Bilder teilweise wieder aufgegriffen. So wachsen den Anhängern des Tieres Geschwüre, das Meer und die Wasserströme werden zu Blut, der Euphrat trocknet aus und die Sonne lässt Menschen verbrennen. Zudem wird das Reich des Tieres verfinstert und seine Anhänger erleiden Schmerzen, die zu Gotteslästerungen führen, nicht aber zu Reue und Bekehrungen. Daraufhin veranlasst der Drache die Formation eines Heeres des Bösen, um sich für den Endkampf gegen Gott zu rüsten. Die siebte Schale wird schließlich ausgegossen, die die Stimme Gottes erschallen lässt. Es schlagen Blitze, Stimmen und Donner auf die Erde nieder. Ein Erdbeben von nie da gewesener Stärke lässt die Welt erschüttern und die Städte der Heiden einstürzen. Auch die Berge stürzen in sich zusammen und die Inseln versinken im Meer. Schließlich geht ein weiterer Hagel über die Menschen nieder, welcher sie Gotteslästerungen aussprechen lässt.

Den sieben letzten Plagen folgt die Beschreibung der Herrlichkeit der großen Hure Babylon, die auf dem Rücken des Tieres sitzend die Menschheit zu einem lasterhaften Leben verführt. Ihr Untergang wird ebenso detailliert beschrieben wie der Einfluss, den Babylon auf umliegende Reiche ausübt (Apk 17; 18). „Die Bedeutung ihres Falles wird unterstrichen durch den großen Trauergesang, den in Apk 18 ihre Verbündeten und Handelgenossen anstimmen und dem in Apk 19, 1-8 die himmlischen Scharen den Lobpreis Gottes zufügen.“44

Das Ende des Tieres und des falschen Propheten wird besiegelt durch Jesu Christi in Gestalt eines Reiters auf einem weißen Ross. Mit dem Schwert aus seinem Munde (Apk 19, 21), also der Macht seines wahren Wortes, werden das Tier, seine Bilder und seine Zeichen in einen feurigen Pfuhl von Schwefel, die Hölle, geworfen. Satan in Gestalt des Drachen wird für tausend Jahre gefesselt. In dieser Zeit regiert das Christentum, bis Satan schließlich für eine kurze Zeit erneut entfesselt wird. Er formiert ein neues Heer um sich herum, das schließlich in einem letzten Endscheidungskampf durch die Macht Gottes besiegt wird (Apk 20, 7-10). Auch hier werden erneut die Bilder vom Feuerregen und dem Pfuhl von Feuer und Schwefel verwendet.

Nach der Entscheidungsschlacht im Diesseits wird das jenseitige Weltgericht abgehalten, welches nur denjenigen Toten Einzug in das Himmelreich gewährt, deren Namen im Buch des Lebens zu finden sind. Wessen Name nicht darin geschrieben steht, wird ebenfalls in den feurigen Pfuhl geworfen (Apk 20, 11-15).

In den letzten beiden Kapiteln berichtet Johannes von seiner Vision des neuen Jerusalems. Die ewige Gottesstadt verbindet den neuen Himmel und die neue Erde. Gott wohnt fortan bei seinen Gläubigen, welche keine Repressalien mehr zu fürchten brauchen. Im Schlussabschnitt (Apk 22, 6-21) betont Johannes die Wahrhaftigkeit seiner Visionen und erinnert an seinen göttlichen Auftrag, der ihm durch einen Engel erteilt wurde. Eine Änderung der Schrift, gleich in welcher Form, ist daher unter Androhung göttlicher Strafe untersagt.

3.2 Autorschaft und Entstehungszeit

Die Autorschaft der Offenbarung ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Der Verfasser wiederholt im Text jedoch mehrfach seinen Namen, den er mit Johannes angibt (Apk 1, 1. 4. 9; 22, 8). Vor allem unter frühchristlichen Schriftstellern war die Ansicht weit verbreitet, dass Johannesevangelium, Johannesbriefe und Johannesapokalypse von derselben Person stammen. „Diese Identifizierung ist jedoch fragwürdig, denn der Verfasser der Apk bezeichnet sich in der Briefüberschrift in 1, 4 nicht als Apostel; für ihn sind die zwölf Apostel Gründerfiguren der Vergangenheit (18, 20; 21, 14).“45 Die Annahme, es handle sich bei dem Namen Johannes um ein Pseudonym, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Dabei ist ein solcher Modus für frühjüdische Apokalypsen, in denen der Verfasser in der ersten Person spricht und somit als Zeuge von Offenbarungsvisionen auftritt, durchaus typisch.46 Aufgrund der Tatsache, dass Johannes in frühjüdischer Zeit ein sehr weit verbreiteter Name war, wird die Pseudonym-These von der Forschung jedoch weitgehend abgelehnt.47 Heute geht man in erster Linie davon aus, dass der Verfasser der Johannes-Offenbarung ein ansonsten unbekannter Judenchrist aus Palästina ist.48 Für eine Herkunft aus dem jüdischen Kulturraum spricht:

„das auffällige und für das Buch charakteristische semitisierende Griechisch; es lässt auf Aramäisch und vielleicht Hebräisch als Muttersprache des Verfassers schließen. Für seine jüdische Herkunft spricht weiterhin seine augenscheinliche Vertrautheit mit dem Jerusalemer Tempel und seinem Kult (Apk 8, 3-4; 11, 1-2. 19), die zentrale Rolle Palästinas im eschatologischen Schema des Verfassers (Apk 11, 2. 8; 16, 16; 20, 9), seine zahlreichen Anspielungen auf den hebräischen Text des Alten Testaments und seine Vertrautheit mit den auch in anderen jüdischen Apokalypsen begegnenden eschatologischen Traditionen.“49

Den Selbstaussagen im Text zufolge befand sich der Verfasser zum Zeitpunkt der Visionen bzw. der Niederschrift auf der Insel Patmos unter dem Zustand der Bedrängung (Apk 1, 9). Dieser Umstand verschaffte ihm den heute auch gebräuchlichen Namen Johannes von Patmos.

Neben der Frage der Autorschaft wurde auch die nach der Entstehungszeit der Johannesapokalypse lange Zeit kontrovers diskutiert.50 Im 19. Jahrhundert glaubte die Mehrheit der Theologen, dass der Text im Zuge der Christenverfolgungen unter Nero entstand. Demzufolge müsste die Abfassung in den Jahren zwischen 64 n. Chr. und 70 n. Chr. erfolgt sein.51

„Diese Sichtweise gründete sich hauptsächlich auf der rätselhaften Liste von sieben Königen in 17, 9-11 und auf der Annahme, der sechste König, „der lebendig ist“, sei der zur Zeit der Niederschrift der Apk herrschende Kaiser. Mit Caesar beginnend wäre Nero (54-68 n. Chr.) der sechste König; beginnt man die Reihe mit Augustus, wäre es Galba (Juni 68 bis Januar 69 n. Chr.).“52

David Aune weist bezüglich dieser These auf die Vielzahl verwirrender Zählungen und Deutungen hin, die unter anderen dazu beigetragen haben dürften die Datierung erneut zu überdenken.53 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zu einem deutlichen Meinungsumschwung, der die Entstehung der Johannes-Offenbarung „in die Endphase der Herrschaft von Kaiser Domitian verlegt.“54 Der Text entstand demnach ca. 95 n. Chr. „im Gefolge einer vermuteten domitianischen Verfolgung“.55 Ob unter Kaiser Domitian tatsächlich systematische Christenverfolgungen stattgefunden haben, ist jedoch nicht zweifelsfrei belegbar. Ein solcher Umstand wird von der gegenwärtigen theologischen Forschung sogar weitgehend ausgeschlossen.56 „Für eine Datierung um ca. 95 n. Chr. spricht [hingegen] der Gebrauch des symbolischen Namens Babylon als Chiffre für Rom (14, 6; 16, 19; 17, 4; 18, 2. 10. 21), die sonst nur in nach 70 n. Chr. entstandenen Texten verwendet wird (1Petr 5, 13; 4Esr 3, 1-2. 28-31; 2Bar 10, 1-3; 11, 1; 67, 7; SibOr 5, 143. 159) […].“57

Folgt man Hellholms Ansicht, dass Offenbarungsschreiben sich stets auf Ereignisse der Weltgeschichte beziehen, spielen Fragen nach der Datierung der Johannesapokalypse eine wichtige Rolle für deren Verständnis.58 Eine eindeutige Datierung oder zumindest die Eingrenzung des möglichen Entstehungszeitraums lassen eine realhistorische Kontextualisierung der Schrift zu. Nur so können die Situation, auf die sich Johannes bezieht, und die Intention seines Textes einigermaßen verlässlich analysiert und interpretiert werden.

3.3 Der historische Kontext

Für den Theologen Klaus Wengst ist eine Datierung der Johannes-Offenbarung grundsätzlich zwischen 70 und 135 n. Chr. möglich. Eine genauere Ansetzung hält er für die Interpretation des Textes nicht für nötig.59 Entscheidend ist lediglich, dass sich die von Johannes beschriebene Bedrängnissituation auf den Machtapparat des römischen Reiches bzw. dessen Einfluss auf die Provinz Asia und anderer annektierter Gebiete bezieht. Rom gilt für Johannes als Verursacher „zurückliegender und weiter zu erwartender Leiden von Messiasgläubigen“.60 Als Ursprung dieser Leiden kann die Kreuzigung Christi angesehen werden, welche nach römischem Recht und nach römischer Methode vollzogen wurde.

Ausschlaggebend für die Christenverfolgungen im Römischen Reich ist die Tatsache, dass der römische Kaiser einen Kult erhielt, der einer Verehrung als Gottheit gleichkam.61 Die Identifikation mit Iuppiter, der obersten Gottheit der römischen Mythologie, war bei Domitian besonders stark ausgeprägt. So ließ er sich etwa als erster Kaiser mit dem Blitzbündel des Iuppiter in der Hand auf Sesterzen abbilden. Zudem veranstaltete er im fünfjährigen Rhythmus Festspiele zu Ehren des Gottes, dessen Abbild er auf einem goldenen Siegeskranz auf dem Kopf trug.62 „Entsprechend pries ihn die zeitgenössische Dichtung. Statius [gemeint ist der römische Dichter Publius Papinius Statius der von ca. 40 bis ca. 96 n. Chr. lebte – Cln.] stellte ihn bei der Beschreibung seines Reiterstandbildes auf dem Forum in Analogie zu Juppiter dar und bezeichnete ihn dabei als ‚die gegenwärtige Gestalt Gottes’ bzw. als ‚Gott in seiner Abwesenheit’ (forma dei praesens).“63 Der Kaiserkult manifestierte sich jedoch nicht allein im Zentrum des Reiches. Über die Stadtgrenzen Roms hinaus, in allen Provinzen des Reiches gab es öffentliche Festakte, bei denen das Volk mit Lorbeerkränzen geschmückt einen Eid auf den Kaiser ablegte.64

Wer sich, wie die Anhänger Christi, der öffentlichen Verehrung des Kaisers entzog, galt ihm gegenüber als illoyal. Der Umstand, dass der Arbeitstag damals von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang reichte, zwang die Gläubigen ihre Treffen während der Dunkelheit abzuhalten. Dadurch nahmen Argwohn und der Verdacht der Kriminalität auch seitens der Mitbürger ihnen gegenüber rasch zu.65 Wengst schildert mit Berufung auf die Briefe Plinius d. J. an Trajan, dass Christen, die sich trotz Androhung der Todesstrafe öffentlich zu ihrem Messiasglauben bekannten, sofort hingerichtet wurden.66 Die Rolle dieser Märtyrer kommt in der Offenbarung mehrfach zur Sprache (Apk 6, 9-11; 12, 17; 20, 4), namentlich wird jedoch nur Antipas genannt (Apk 2, 13), der der Gemeinde Pergamon entstammte.

Aus den Plinius-Briefen gehen jedoch auch Freisprüche für diejenigen hervor, die einen Loyalitätstest gegenüber dem römischen Kaiser bestehen. Dieser sah religiöse Handlungen vor Götterstatuen und dem Bildnis des Kaisers, sowie Lästerungen gegen Christus vor.67 „[Plinius] war sich sicher, dass ‚wirkliche Christen’ sich dazu nicht zwingen ließen.“68 Doch auch wenn Freisprüche in den Christenprozessen möglich waren, verweist Wengst auf die „viele[n] anonyme[n] Opfer römischer Gewaltherrschaft.“69 Für ihn steht fest, „dass die Visionen des Johannes nicht die Ausgeburten einer wilden Fantasie, sondern von tatsächlicher Erfahrung gesättigt sind.“70

Der Forschung ist heute bekannt, dass nicht alle römischen Kaiser der Jahre 70 n. Chr. bis 135 n. Chr. systematische Christenverfolgungen anordneten. So durften Christen unter Hadrian (Regierungszeit 117 n. Chr. bis 138 n. Chr.) beispielsweise nur dann angeklagt werden, wenn sie im Verdacht standen ein Verbrechen begangen zu haben. Das bloße Bekenntnis zum christlichen Glauben war jedoch nicht strafbar.71 Es ist dennoch deutlich geworden, dass es in der Zeit vor Hadrians Regentschaft und besonders unter der Herrschaft Domitians und Trajans lebensgefährlich sein konnte seinen Messiasglauben öffentlich zu bekennen. Oftmals reichten Anzeigen bzw. Denunziationen Christ zu sein aus, um in einen Prozess verwickelt zu werden.72

38 Kaiser 1991, S. 18.
39 Piper 32000, S. 823.
40 Vgl. ebd.
41 Vgl. ebd.
42 Vgl. ebd.
43 Vgl. ebd., S. 824.
44 Piper 32000, S. 824.
45 Aune 2001, S. 540.
46 Vgl. ebd.
47 Vgl. ebd.
48 Vgl. ebd., S. 541; Piper 2000, S. 829.
49 Aune 2001, S. 540.
50 Für den detaillierten Nachvollzug verschiedener Datierungsthesen siehe: Aune 2001, S. 541f.; Wengst 2010, S. 59 – 70.
51 Vgl. Aune 2001, S. 541f.
52 Ebd., S. 542.
53 Vgl. Ebd.
54 Ebd.
55 Ebd.
56 Vgl. Ebd.; Wengst 2010, S. 66f.
57 Aune 2001, S. 542.
58 Siehe Anm. 13.
59 Vgl. Wengst 2010, S. 64f.; In den von Wengst beschränkten Zeitraum fallen die Regentschaften der Kaiser Vespasian (69-79), Titus (79-81), Domitian (81-96), Nerva (96-98), Trajan (98-117) und Hadrian (117-138).
60 Ebd., S. 59.
61 Vgl. ebd., S. 62.; Siehe hierzu auch: Price, Simon R.F. – Rituals and power: the Roman imperial cult in Asia Minor. Cambridge u.a.: Cambridge University Press, 1998 und Clauss, Manfred – Kaiser und Gott: Herrscherkult im römischen Reich. Stuttgart/Leipzig: Teubner, 1999.
62 Wengst 2010, S. 67.
63 Ebd.
64 Vgl. ebd., S. 62f.
65 Vgl. ebd., S. 63.
66 Ebd., S. 60.
67 Vgl. ebd.
68 Ebd.
69 Ebd., S. 61.
70 Ebd.
71 Vgl. http://www.basiswissen-christentum.de/de/themen/christenverfolgung.html − letzter Zugriff: 17.08.2001.
72 Wengst 2010, S. 64.


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