Posts Tagged ‘Uwe Kolbe’

Eine Privataudienz

19. Oktober 2017

Es liegt ein gewisser Reiz im Spiel mit Anachronismen und so kann man schon einmal hellhörig werden, wenn ein bekannter, etablierter Dichter wie Uwe Kolbe im Jahr 2017 einen Buch mit Psalmen veröffentlicht. Nach dem Lesen bleibt jedoch die Frage nach dem Warum? offen. Soviel scheint aber festzustehen: Ein Spiel mit Gott wagt Kolbe nicht.

Er habe in früheren Gedichten hin und wieder eine göttliche Instanz angesprochen, sagt Kolbe, diese sei aber unbestimmt gewesen und stets mit ironischer Rede verbunden. Mit anderen Worten, eine echte Annäherung fand im Gedicht nicht statt, denn Ironie und Glaube lassen sich nicht in Einklang bringen. Jetzt, mit 60 Jahren, traut sich Kolbe konkreter von Gott zu sprechen, ihn anzusprechen. Er tut das in Form von Psalmen, deren Adressat konsequenterweise ein alttestamentarischer Gott sein muss, der sich jedoch nicht mit Kolbes Erfahrung deckt. Vielmehr findet er das Göttliche im Naturerlebnis, wie er sagt. Ein Widerspruch, vielmehr eine Kluft, die hier entsteht und auch mit Rückgriff auf die Tradition der Psalmen nicht überbrückt werden kann.

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Nachzufolgen ist nicht genug

7. Juni 2016

Uwe Kolbe über Bertolt Brecht und die Nachgeborenen

Eigentlich ist es für mich als 1986-, und damit Nach-Nach-Geborenen fast unmöglich, Uwe Kolbes neues Buch über Bertolt Brecht angemessen zu besprechen. Es sei denn, ich wäre absolut sattelfest in Sachen DDR-Literatur, -betrieb und -geschichte. Ich bin es nicht, um das gleich vorweg zu nehmen. Und ich bin es auch nicht in Uwe Kolbes Werk, geschweige denn seiner Biografie. Ich interessiere mich einfach nur für Brecht. Ob ich damit wirklich zur Zielgruppe dieses Buches gehöre, kann ich auch nach dem Lesen nicht endgültig beantworten.

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Das liegt unter anderem daran, dass es in Kolbes Essay nur bedingt um Bertolt Brecht geht. Natürlich ist der große, vielleicht größte deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts zunächst der Protagonist dieses Textes. Kolbe liefert einen Abriss von Brechts Biografie, erzählt wie es zur Übersiedlung in die DDR, zur Gründung des Berliner Ensembles kam, wer seine Mitarbeiter waren und vor allem dass er, Brecht, ein gegen alle moralischen Bedenken überzeugter Stalinist war. Das heißt, Brecht hatte hinsichtlich der Verwirklichung des Kommunismus nach sowjetischem Vorbild keinerlei moralische Bedenken. Seine Rolle bei der Etablierung der DDR schätzt Kolbe als überaus gewichtig ein.

„Brecht, der große Brecht, war der Dichter von Weltrang, der erste namhafte Intellektuelle, der den sozialistischen Staat auf deutschen Boden legitimierte.“

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