Posts Tagged ‘Urheberrecht’

Anonymous bedroht Künstler

14. Mai 2012

Mit dem re-bloggen von Volker Strübings Abrechnung zu den Urheberrechtsansichten der Piratenpartei hatte ich sicher schon mal angedeutet, dass ich das Urheberrecht nicht für eine ausgemachte Höllenerfindung inkl. Freiheitsberaubung halte. Es gibt einige Gründe, wegen derer ich das Urheberrecht genauso wichtig und erhaltenswert finde wie dessen „Verwerter“. Der wichtigste Grund, auch das wurde von Strübing sehr richtig herausgestellt, ist, dass die Abschaffung der „Verwerter“-Instanz zwangsläufig dazu führen muss, dass Künstler zu Selbstvermarktern werden müssen, was ihrer künstlerischen Arbeit sicher nicht förderlich ist.

Dass die Ansichten zur Abschaffung oder Reformierung des Urheberrechts im Sinne der Piraten und anderer Netzaktivisten nicht nur realitätsfremd ist, sondern auch in hohem Maße gefährlich für Künstler und kulturelles Leben sein können, bewiesen jetzt Mitglieder von „Anonymous“. Die Gruppe scheint in ihrer (Nicht-)Organisation nicht nur wie ein Franchise-Terrornetzwerk aufgebaut zu sein, sondern sich allmählich auch Methoden zu bedienen, die mit der Wahrung der Rechtsordnung nicht mehr zu vereinen sind. Laut einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen, haben Hacker von Anonymous nun Daten (Adressen, Telefon- und Faxnummern etc.) vieler Unterzeichner des Appells „Wir sind die Urheber!“ im Netz veröffentlicht. Damit sollen offensichtlich andere Künstler eingeschüchtert werden sich dem Appell anzuschließen. Anoynmous spricht laut FAZ sogar von Verfolgung und Abhörung einiger Unterzeichner.

Nun ist es wahrscheinlich so, dass diese Aktion nicht von 100% der sich zu Anonymous zugehörig Fühlenden gutgeheißen wird. Allerdings finde ich diese Entwicklung schon erschreckend, denn hier bedienen sich selbsternannte Freiheitsaktivisten Methoden, die man sonst v.a. aus totalitären Regimen kennt. Ich frage mich, wie Anonymus die Wahrung der (Kunst-)Freiheit definiert, wenn dazu Künstler bedroht, eingeschüchtert und verfolgt werden. Das lässt mich an dunkle Kapitel in der Geschichte (nicht nur Deutschlands!) denken.

Einige Anonymous-Mitglieder haben mit dieser Aktion nicht nur einen gefährlichen Schritt gemacht, sondern auch ihre eigene Verlogenheit und Doppelmoral unter Beweis gestellt. Denn Datensensibel ist man offensichtlich nur, wenn es um die eigenen Daten geht.

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17. April 2012

bei der heterogenität der piraten ist es unheimlich schwer sich zu deren vorstellungen adäquat zu äußern. (volker strübing hat das ganz gut gemacht.) mag ja sein, dass das geltende urheberrecht geändert werden muss, aber die in volkers beitrag zitierten vorschläge sind teilweise einfach künstlerverachtend. immerhin das haben einige(!) piraten mit den etablierten politikern gemein: sie verkennen die lebenswirklichkeit vieler künstler. und: künstler ist nicht gleich künstler. auch das hat volker glücklicherweise deutlich gemacht – der literaturmarkt kann nicht zwingend mit dem film- und musikmarkt gleichgesetzt werden.

Schnipselfriedhof

Achtung: Noch hast Du die Möglichkeit, diesen Beitrag nicht zu lesen. Wenn Du es doch tust, möchte ich hinterher keine Beschwerden darüber hören, dass der Inhalt dem fetzigen Titel nicht gerecht werde, sondern insgesamt zu versöhnlich sei. Die Überschrift wurde ausschließlich in der Hoffnung gewählt, möglichst viele Leute neugierig zu machen – ganz im Sinne einiger Piraten, die die Hauptaufgabe und -qualifikation eines Künstlers darin zu sehen zu scheinen, auf sich selbst aufmerksam zu machen.

Ich habe mir einige Aussagen der „101 Piraten für ein neues Urheberrecht“ vorgenommen und kommentiert. Vorher aber noch kurz etwas zu mir und der Situation, aus der heraus ich die Diskussion betrachte: Ich bin Urheber (obwohl mir das ein bisschen zu sehr nach Möbelträger klingt), Autor, um genau zu sein. Seit 11 Jahren bin ich freischaffend. Viele Jahre habe ich meinen Lebensunterhalt mit 150 bis 180 Auftritten pro Jahr bestritten, in den letzten…

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