Posts Tagged ‘Spacerock’

The Live Sessions

17. Februar 2015

Ja, es kam schon vor, dass wir hin und wieder mal nen Auftritt hatten. Aber denkt jetzt nicht gleich an Konzerthallen oder sowas. Nee, ich denk da eher an Supermarkt-Parkplätze und Baumarkteröffnungen. Wirklich, ich verarsche euch nicht. Der Bruder unseres Gitarristen kannte einen, der einen kannte, ihr wisst wie das läuft. Und dieser Bekannte war wohl gerade irgendwie aufgestiegen oder wie auch immer man das nennen soll und hatte jetzt jedenfalls bis an seine Lebensende einen Provinzsupermarkt zu leiten. Das Ding musste natürlich eröffnet werden und dazu braucht es Musik. Ihr versteht schon worauf das hinausläuft. Wollt ihr nicht, könnt ihr nicht, könnt ihr mich mal und außerdem gibt es 250 Schleifen also packten wir das Schlagzeug und die Verstärker in einen rostigen Transporter und fuhren da hin. Leck mich am Fuß war das ne Scheißidee. Wenn wir uns zwischenzeitlich jemals wie Musiker gefühlt haben sollten, war das spätestens jetzt dahin. Ich meine, standen wir am Anfang von etwas oder hatten wir jeden noch so abwegigen Tagtraum endgültig begraben, indem wir unsere Karriere von hinten begannen und wie ein abgehalfterter Schlagersänger bei ner Markteröffnung spielten. Na, vielleicht lernen wir ja einen von denen dort kennen und drehen dann das ganz große Ding. Aber lachen wollte darüber keiner so richtig.

Wir hatten unseren Kram auf der wackeligen Bühne aus Europaletten aufgebaut und ich sage euch am liebsten hätte ich den ganz Scheiß wieder zusammengesammelt und Fickt Euch! wird da drüben jetzt ernsthaft ne Hüpfburg aufgeblasen? Ich hielt dann wirklich aus einem Reflex heraus Ausschau nach einem Typen, der so hätte aussehen können, als ob er aus dem Stand die Biene Maja schmettern will. So einer war dann doch nicht da, aber es gab tatsächlich sowas wie nen support act für uns. Kein Scheiß, die bauten sich vor unserer Bühne auf und fuchtelten barfuß auf Matten stehend mit Armen und Beinen herum und das ganze nannte sich dann Tae Bo und war so n asiatischer Mist, der Europäern das Gefühl gab der Erleuchtung nah zu sein, aber ich konnte allmählich nicht mehr vor Lachen und hielt mich an der Schulter unseres Bassisten fest. Alter! Type O als Vorband, das glaubt uns keiner. Und die fuchtelten und fuchtelten und mir hat’s dann gereicht, also hab ich mir n Bier geholt, oder zwei, und mich in die Hüpfburg gekracht und so ein Winzling neben mir flog auf die Fresse und hat geheult und so ne luschige Mutter wollte mir einen erzählen ist dann aber doch abgezogen mit dem Knirps und ich hab versucht meine innere Mitte zu finden und gekichert.

2015-17-2--13-14-48

Dann Auftritt und erst jetzt fiel uns auf, dass wir gar keinen Bandnamen hatten, was uns aber auch kein Stück gekümmert hat, also hat der künftige Marktleiter uns unbeholfen mit unseren richtigen Namen angekündigt, also mit denen, die er wusste. Blablabla und die anderen, grins war dann wohl unser Name und ich murmelte noch Helge and the Firefuckers ins Mikro, was zum Glück niemand verstand. Und dann gings los, zappzarapp zwei, drei Songs hintereinander und da ging den Typen schon auf, dass das wohl keine so gute Idee war uns hier spielen zu lassen, weil so n gepflegter Spacerock oder was auch immer das war, was wir da veranstalteten doch nicht so geeignet war um ein Familienpublikum am Samstagnachmittag in praller Sonne zu bespaßen, also belief sich die Zahl des effektiven Publikums auf Null. Das war so sinnlos, dass ich nach drei Stücken von der Palette stieg und mir n Bier geholt habe, während die anderen versuchten weiterzuspielen.

Es war ne ganze Stunde vereinbart, aber ich wusste, dass wir die nie und nimmer durchstehen würden. Wir haben dann ne längere Pause gemacht und uns mit dem Marktleiter und irgendwie auch untereinander gestritten und Freiluftprobe hin oder her, ich wollte da nur noch weg. Jedenfalls haben wir uns dann dazu bequatschen lassen ein paar Coverversionen von bekannten Rocksongs zu spielen und uns wieder auf die Europaletten gestellt. Ich häng mir also die Klampfe um und will gerade die ersten Akkorde von Fly away schmettern, als der komplette Sound der Anlage verreckt. Aber ganz ehrlich, gewundert hat es mich nicht, als unser Schlagzeuger auf irgend so einen Wanst zeigte, der seine Cola über den Steckdosenverteiler gekippt hat und Kurzschluss und kurz und gut Schluss war.

Werbeanzeigen

%d Bloggern gefällt das: