Posts Tagged ‘Selbstporträit’

Selbst als Vincent

12. Januar 2016

Ab sofort u.a. Gedichte über/als (Selbst-)Portraits. Über Verkleidung, Inszenierung, Flucht und (Selbst-)Modifikation. Über Selbst- und Fremdwahrnehmung. Über das Ikonische. Über Masken.

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Selbst als Vincent

besoffen und mit Zwiebelatem

taumeln zwei nervöse Augen

die nach Licht & Farbe stechen

 

die Funken schüren

in veraschten Tabakresten

 

die Krallen wetzen

am wärmenden Verband

mit Blut und Pelz geflickt

 

die letzte Sitzgelegenheit

verbrannt um den Genuss

einer klaren Winternacht

 

im Freien

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Bowie in Berlin// Blick in die Werkstatt

17. Dezember 2015

Letzte Nacht habe ich im WDR Hörspielspeicher das hier gefunden: „Ich habe mich noch nie so frei gefühlt“ – David Bowie in Berlin.

Nun weiß ich natürlich, dass Bowies Berliner Jahre längst zu den Mythen um ihn, aber auch um West-Berlin zählen und ich dahingehend wohl kaum etwas Neues zu bloggen habe. Zumal ich über David Bowie nicht mehr weiß, als mir MTV, VH-1, 3sat und arte beigebracht haben.

Wie auch immer. Das gefundene Hörspiel, das viele O-Töne von Bowies Berliner Zeitgenossen, darunter selbstverständlich auch Iggy Pop, bereithält, hat mir gut gefallen, da es weniger auf Personenkult, denn auf Atmosphäre setzt. Und das meint natürlich vor allem diese spezielle Westberliner Atmo der 1970er, die selbst von denen, die dabei waren nur schwer in Worte zu fassen ist.

Die Einflüsse und Eindrücke, die zum Entstehen des Albums „Heroes“ beigetragen haben, kamen jedoch nicht nur aus der depressiven Gegenwart der geteilten Stadt, sondern offenbar auch aus dem Interesse für die Geschichte Berlins, das Ende der 1920er/Anfang der 1930er bekanntlich das heißeste Parkett Europas war, weil hier Tag und Nacht auf dem Vulkan getanzt wurde.

In diesem Zusammenhang zog es David Bowie und Iggy Pop auch merhfach ins Brücke-Museum, in dem sie ein Gemälde von Erich Heckel nachhaltig beeindruckte. Es ist das Bild mit dem für die Musiker sicher betörenden Titel Roquairol (1917), das die komplexe Schauspielerfigur aus Jean Pauls Roman Titan (1800/1803) zeigt.

Auffällig an dieser Darstellung ist natürlich die ungewöhnliche, wie charakteristsche Arm- und Handhaltung der Figur. Sowohl Iggy Pop, als auch David Bowie spielten auf den Coverfotografien ihrer „Berliner Alben“ darauf an.

Iggy Pop – The Idiot (1977)

David Bowie – „Heroes“ (1977)

Interessant fand ich diese, für mich neue Information deswegen, weil ich gewissermaßen als „Fan“ von Egon Schiele eine Vorliebe für ungewöhnliche Handhaltungen in Portraits habe. (nerdy, I know it.) Ausgelöst wurde sie durch eine Portraitzeichnung Schieles von Carl Otten (den Schiele mehrfach zeichnete). Zu sehen in Kurt Pinthus legendärer Anthologie Menschheitsdämmerung (1919/1920). (Zahlreiche weitere Beispiele von Schiele-Portraits mit außergewöhnlichen Händen finden sich u.a. hier. – Die Portraitfotografien, die Schiele selbst zeigen, sind zudem oft von expressiven Handhaltungen geprägt.)

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Meine, seit der Schulzeit anhaltende Begeisterung für den Expressionismus bzw. die gesamte sog. „Klassische Moderne“ ist zum Teil sicher auch auf diese Zeichnung zurückzuführen. Seit dem das selfie, das es natürlich lange vor der Erfindung des Smartphones gab, als kulturelles, soziologischen und ästhetisches Phänomen wahrgenommen wird, interessiere ich mich auch wieder vermehrt für die Bildsprache von (Selbst-)Portraits und versuche deren zentrale Begriffe Selbst- und Fremdwahrnehmung, sowie Selbst- und Fremdinszenierung in Gedichten auszuloten bzw. für diese nutzbar zu machen. (Dazu bald mehr, falls Interesse besteht.) Seit dem mich das Bowie-Hörspiel an die Expressivität von Händen erinnert hat, werde ich diesen Aspekt in meinem Portraiprojekt unbedingt berücksichtigen.

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(So etwas wie ein) Selbstportrait

23. November 2014

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