Posts Tagged ‘Proberaum’

The Piercing Sessions

18. April 2015

Leute, ich sag euch… als Musiker lebste auch echt gefährlich. Also nicht wirklich, natürlich. Aber irgendwie doch. Ihr versteht schon. Muss halt jeder selbst wissen wie weit er geht, oder? Ich meine, ich kann mich auch nicht um alles kümmern. Jedenfalls hatten wir einmal diese total schräge Probensession, bei der wirklich alles schief ging. Das fing schonmal damit an, dass unser Bassist am Nachmittag Feuer machen sollte, damit der Raum abends warm ist. Versteht ihr? Kohleofen und so. Hatten wir ihm ein paar Tage vorher gesagt. Denk dran, Alter! Und? Hat er natürlich nicht gemacht. Wir also abends rein in die Hütte und Leckt mich am Arsch war das ne Kälte. Ich hab natürlich sofort Feuer gemacht und den ganzen Abend nachgelegt was das Zeug hielt. Ich sag euch… Na jedenfalls haben wir dann mit Eispfoten versucht zu proben. Haben mit Fingerübungen angefangen, wie im Gitarrenlehrbuch aus’m Quellekatalog. Kein Scheiß. Ich kam mir vor wie Musikschule Fröhlich reloaded. e-a-d-g-h-and-fuckin‘-e-again! Es wurde dann auch langsam wärmer in der Bude und wir mussten ständig alle Instrumente nachstimmen. Nach zwei Stunden waren wir dann soweit. Ich zähl‘ an, hau voller Ungeduld rein und mir fliegen zwei Saiten um die Ohren. Ach, leckt mich doch. Ich zieh also neue Saiten auf. Ihr wisst schon. Dauert alles seine Zeit… Und die Jungs labern nur rum und keiner probt und den ein oder anderen klugen Spruch gab’s auch von den Mädels.

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Naja, irgendwann ging’s dann endlich los und wir standen nur noch im T-Shirt da, weil der Ofen echt Ballett machte. Und nach zwei Songs guck ich so zu unser’m Drummer und der kranke Typ sitzt echt nur noch in Unterhemd und Buxe da und trieft wie ein Irrer. Und als ich ihn gerade auslachen wollte, guck ich so zum Ofen und denk mir, ach… vergesst’s. Wir hatten den ganzen Abend nachgelegt und jetzt glühte die obere Ofenplatte rot und der Rauchabzug war kochheiß und ich dachte die ganze Zeit, dass das ein Verstärker ist, der so unregelmäßig drummt und dröhnt. Himmelherrgott. Wir waren alle total durch und dachten uns, jetzt isses eh Wurscht. Also stellten wir die Klampfen hin und schmissen uns auf die Sofas und rissen Witze über Saunaclubs, weil auch die Mädels jetzt nur noch im BH dasaßen, was ich jetzt nicht als sooo unangenehm empfand. Und da es grade so romantisch wurde und ich mir dachte, dass das heute echt zu wenig Musik war, die dabei rum kam, schnappte ich mir die alte Akustikklampfe, die rumstand und das weichste aller weichen Pleks, um halb im Scherz, halb im Ernst was Schmusiges anzustimmen. Und was mach ich Depp? Steck mir das Plek aus alter Gewohnheit erstmal in den Schnabel und schneid mir allen erstens mit dem Ding in die Zungenspitze und es war mir so peinlich, aber ich dachte zuerst daran, dass ich meiner Aussicht auf… ihr wisst schon… untenrum… mit’m Mund und so… jetzt eher geschadet habe. Naja, und ich Depp streck auch noch die Zunge raus und allen ist sofort klar, dass ich, zu blöd zum Plekschleck, mich geschnitten hab und hatte dann plötzlich doch die Aufmerksamkeit der Mädels. Und ob man das nicht irgendwie stillen kann und zum Arzt fahren und so. Aber ich hab nur gesagt „Wird schon, aber tackern werd ich’s jetzt nicht.“ Und kaum sag ich das, hör ich aus der anderen Ecke vom Probenraum ein lautes „Leck mich!“ und ich ahnte schon, dass wir heute wohl doch noch zum Arzt mussten, weil unser Basser auf seinem Trip keine bessere Idee hatte als sich ne aufgebogene Büroklammer am glühenden Ofen heiß zu machen und sich damit versuchte die Nippel zu piercen. Leute ich sag euch… an diesem Abend wusste ich, dass wir nicht mal angehende Profis waren.

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The Rehearsal Sessions

20. Februar 2015

Nein, man kann wirklich nicht sagen, dass wir unsere Musik außerhalb des Proberaums sonderlich ernst genommen hätten. Aber innerhalb dieser vier Wände war natürlich alles anders. Gerade weil wir uns nichts draus machten, waren die Sessions im Proberaum heilig. Keine Ahnung, ob ihr das versteht. Jedenfalls waren wir im Kern vier Leute, also ganz klassisch mit Drums, Bass, Lead- und Rhythmusgitarre. Und eigentlich waren die Rollen verteilt aber anfangs hat jeder irgendwie mal alles gespielt. Und geklungen haben wir wie die Post-Rock-Version von Nirvana im Vorprogramm von den Doors. Zumindest haben wir das gedacht. Nur mit dem Gesinge hatten wir es nicht so und darum standen bei uns eigentlich immer zwei Elvismikros rum, in die jeder mal reingemurmelt oder gebrüllt oder geschmettert hat wann immer ihm oder ihr danach war. Nur unser Drummer war da außen vor, aber ehrlich, das war auch gut so. Ihr habt den ja nicht singen hören, aber ehrlich, der klang wie ne gefolterte Gans, die an ner Überdosis Helium jämmerlich zu Grunde ging. Hm, ja… so könnte man das alles zusammenfassen.

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The Nova Sessions

22. Januar 2015

Wir verbrachten damals viel Zeit im Proberaum, weil er einen Kohleofen hatte, der gut durchzog, was ich von meiner Bude nicht sagen konnte. Ihr kennt die Klischees… kaltes Dachgeschoss, morsche Dielen, ein Arschloch, das einem sein Arschloch vermiete um darin zu wohnen, ohne vorher wenigstens einmal durchzuwischen. Also hingen wir im Proberaum herum, aber sicher nicht, weil wir glaubten, dass wir einmal Rockstars werden könnten, wenn wir es nur wirklich wollten und hart arbeiteten für unseren Traum. Scheiße nein, daran dachte wirklich niemand von uns und so isses dann auch nicht gekommen. Sicher hätten wir uns auch in der Kneipe unseres Vertrauens treffen können, aber der Besitzer war ziemlich engärschig wenn es darum ging eigene Mucke zu spielen und überhaupt war das nicht so ein Laden in dem du dich bis zum Morgen aufhalten konntest mit nur zwei Bier und nem Schnaps auf dem Deckel. Wo lebt ihr? Montmartre? Chelsea Hotel? Ach, bitte. Wenn du in Paris ein Bier trinken willst, musst du nen Kredit aufnehmen und im Chelsea blätterten schon zu Cohens Zeiten die Tapeten ab. Wie man es schaffte dort anschreiben zu lassen, kann einem heute keiner mehr sagen. Wir waren keine Romantiker, hingen nicht bis zum Morgen in Bars, weil uns schlicht das Geld fehlte. Wir zogen nicht um die Häuser, lebten nicht in Paris, New York, nicht mal in Berlin in irgendsoeiner verfickten Hundescheißestraße in der du das Kotzen kriegst, weil alles nach Scheiße stinkt und du dir nicht immer sicher sein kannst, dass das nur an den Kötern liegt, von denen mindestens drei auf einen Berliner kommen mussten. Was für ein Drecksloch. Nachdem ich das erste Mal in Berlin war, konnte ich ewig keine Berliner mehr essen, weil ich immer dachte, dass Hundescheiße herausspritzen würde, wenn ich fest hineinbiss.

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Ein Drecksloch war auch der Proberaum, aber der war wenigstens warm und er roch nur nach Insektenspray und Gras. Dort konnte man sich wirklich wohlfühlen, falls einem danach war sentimental zu werden. Nur in die Sofapolster sollte man nicht allzu tief abtauchen, weil dort immer jemand ein Stück Pizza oder was weiß ich was verlor und meist nur halbherzig danach suchte, um den Fraß wiederzubekommen. Das war mit dem Gras natürlich was anderes. Ich weiß noch, wie wir einmal krank vor Sorge die Polster aufschnitten, weil auf einmal 20 Gramm weg waren. 20! Könnt ihr das glauben? Wir zückten die Messer und Zack! Ratsch, ratsch, siehe da… ein paar verkrustete Chinanudeln und eine Scheibe Salami so hart wie die Make-Up-Kruste auf der Fresse der Amtstussi. Was soll’s… man lebt ja nicht vom Moos allein. Was auch immer das heißen soll. Und weil wir anständige Leute waren hingen wir eben nicht nur den ganzen Tag rum, sondern machten Musik, schrieben Texte, auch Gedichte, ja lacht nur, und einer von uns malte und zeichnete sogar. Und nicht mal schlecht. Die Bilder hättet ihr sehen sollen! Das war natürlich kein da Vinci oder so ne Hackfresse, sondern eher so’n Picasso, also doch Hackfressen irgendwie, wenn ihr versteht… Glaubt bloß nicht, ich kenn die ganzen Spinner nicht. Selbst Alex, der alte Droogie hat Ludwig van gehört. Ich hab meine Hausaufgaben gemacht – ihr könnt mir gar nichts. Und da die Fronten jetzt geklärt sind, dürfte ja wohl alles klar sein. Scheiße ja, dann waren wir eben ne Band oder sowas, aber wen hat das schon interessiert? Uns jedenfalls nicht.


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