Posts Tagged ‘Nick Cave and the Bad Seeds’

Der Wiedergänger

13. November 2017

Einem Farmerjungen wird die Enge der winterlichen Einöde zu bedrückend. Bei Nacht beschließt er, sein zu Hause zu verlassen, auch wenn er den Vater in Zorn, die Mutter in Kummer zurücklässt. Nach sieben Tagen des Reitens stirbt das Pferd des Jungens. Zu Fuß erreicht er eine nahe gelegene Stadt, doch Fremde sind hier nicht willkommen. Es fällt nur ein einziger Schuss, aber der ist folgenreich. Der Junge schleppt sich an ein Flussufer und beklagt sich bei seinem Schöpfer. Herr, soll das mein Schicksal sein? Zu sterben, weil ich die Welt sehen wollte, die du geschaffen hast?

Reinhard Kleists Graphic Novel Nick Cave – Mercy on me beginnt dramatisch und mit rasantem Tempo. Doch das ist nur bedingt die Schuld des Autors. Kleist, der mit seinen biografischen Büchern über Johnny Cash, H.P. Lovecraft oder Fidel Castro längst zur ersten Liga internationaler Comiczeichner gehört, orientiert sich in seinem neuesten Werk stark an den Songs seines Protagonisten. Sie sind es, die dem Comic ihre erzählerische Struktur geben, womit sich Kleist ein Stück weit Cave ausliefert, so wie der Farmerjunge in The Hammer Song seinem Schöpfer ausgeliefert ist.

Nick Cave der Musiker, Schriftsteller, Filmemacher ist nicht einfach zu begreifen. Dabei lässt sich sein Leben relativ einfach nacherzählen. Geboren und aufgewachsen im ländlichen Australien, gründete er als Teenager seine erste Band The Boys Next Door, die sich später in The Birthday Party umbenannten. Er verlebte eine intensive Sturm-und-Drang-Zeit in London und West-Berlin, die nicht nur von legendären Punkkonzerten, sondern auch von Heroin und zunehmender künstlerischer Orientierungslosigkeit geprägt war.

[Die ganze Besprechung auf fixpoetry.com]

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60

22. September 2017

It’s his 21915th day on earth. Happy Birthday! A big black cloud come over Germany soon! I will attend two shows on the forthcoming tour. *excited*

 

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Cave/Handke/Wenders

25. Januar 2017

Gestern erst hatte ich mit Freunden ein Gespräch u.a. darüber geführt, wie popkulturelle Mechanismen funktionieren und wie spannend es ist Verweise und Verlinkungen aufgezeigt zu bekommen und natürlich selbst zu entdecken oder herzustellen. So hatte ich z.B. mal über die Verbindung NIN-Nirvana qua David Bowie nachgedacht.

Heute die Entdeckung, dass ein unwahrscheinliches Film-Trio mit einer gemeinsamen Arbeit zurück ins Kino kommt. Genau 30 Jahre nachdem Regisseur Wim Wenders, nach einem Drehbuch von Peter Handke, Nick Cave in Der Himmel über Berlin auftreten lies…

… kommt mit Die schönen Tage von Aranjuez ein von Wim Wenders adaptiertes Handke-Stück in die Kinos. U.a. mit Nick Cave als Darsteller. Kollaborationen gibt’s, die gibt’s gar nicht. Oder man rechnet zumindest nicht damit. Umso erstaunter bin ich.

Fehlt eigentlich nur noch Bruno Ganz.

Neue Musik 2016

11. Oktober 2016

Mitte des Jahres hatten viele von uns den Eindruck, dass sich die Großen dieser Welt alle auf einmal verabschieden. Auf der Totentafel für 2016 stehen auffällig viele Künstler, Schriftsteller, Schauspieler und Musiker. Vor allem die Tode von David Bowie und Lemmy (in den letzten Tagen des alten Jahres gestorben) waren ein ziemlicher Schock für mich.

Aber irgendwie habe ich in diesen Wochen den Eindruck, dass das musikalische Jahr so eine Art Wiedergutmachung und Heilung betreibt. Die prominenten Todesmeldungen wurden weniger, die angekündigten Neuerscheinungen immer mehr.

Sicher ist das ein absurder Gedanke aber nach dem Schock um Lemmy und der Trauer um Bowie freue ich mich dieser Tage sehr über neue Alben von:

  • Leonard Cohen
  • Nick Cave & The Bad Seeds
  • Trent Reznor & Atticus Ross
  • White Lies
  • Phillip Boa & The Voodooclub
  • Aphex Twin
  • Kate Tempest
  • Beginner
  • Marissa Nadler
  • Arpen

Eine absurde, verrückte, brutale Welt

4. April 2016

Nach dem Album Push The Sky Away (2013), dem Film 20.000 Day On Earth (2014) und dem Buch The Sick Bag Song (2015) endet vorerst eine der produktivsten Phasen im Schaffen von Nick Cave. Was mich während dieser Zeit besonders interessiert hat, war die Formenvielfalt (Musik, Film, Text) bei gleichzeitiger Kohärenz des Inhalts, die wiederum eine lose verknüpfte Erzählwelt bildet. In The Sick Bag Song schlägt sich dieser Prozess sowohl ihnhaltlich, als auch formal nieder. Komprimiert und ufert aus…

Ziemlich weit am Anfang von Iain Forsyths und Jane Pollards Film 20.000 Days on Earth sieht man Nick Cave am Schreibtisch sitzen. Das Klackern der Schreibmaschine stottert erst ein wenig, wird dann immer rhythmischer, bis schließlich Caves warme Stimme aus dem off einsetzt. „Ich erschaffe eine Welt. Eine Welt voller Monster, Helden, Guter und Böser. Es ist eine absurde, verrückte, brutale Welt, in der Menschen vor Wut rasen und Gott tatsächlich existiert.“ 2013 war das, als der Australier mit seiner Band The Bad Seeds gerade am Album Push the Sky away arbeitete, das noch im selben Jahr erschien. Im Januar 2014 feierte 20.000 Days on Earth Premiere. 2015 schließlich erschien mit The Sick Bag Song ein Buch, das den Abschluss einer der wohl kreativsten Phasen in Nick Caves Künstlerbiographie bildet. Nun erschien The Sick Bag Song mit dem Untertitel Das Spucktütenlied auf Deutsch.

Entstanden ist das Buch aus Notizen, die Cave auf der Nordamerika-Tournee der Bad Seeds im Sommer 2014 anfertigte. Aufgeschrieben auf den Kotzbeuteln der Airlines, mit denen die Band unterwegs war. Der Übersetzer Eike Schönfeld wählt die etwas salonfähigere Bezeichnung Spucktüten. Cave hielt darauf Beobachtungen und Erlebnisse des Touralltags, Gedichte, Songtexte, kleine Szenen, Träume und Telefonate fest. Alles nach Datum und jeweiligen Konzertort geordnet und sogar mit Datumsstempel versehen. Die beschrifteten Tüten sind als Faksimiles abgedruckt und bilden sozusagen den gestalterischen Höhepunkt des Buches.

Die ganze Besprechung auch fixpoetry.com

https://vimeo.com/122744455 [Der Trailer zum Buch. Lässt sich bei WordPress leider nicht einbetten.]


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