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Punkrock-Echo

7. April 2017

Gestern war ich ein glücklicher Mensch, weil der Mainstream den Mainstream kritisiert hat. Das ist schöner, als wenn der Underground den Mainstream kritisiert, weil das erstens irgendwie normal ist und zweitens das Echo größer ist. Tja, Echo… den und die gesamte deutsche Popmusikindustrie hat Jan Böhmermann schön auf links gezogen. Und mein Stammtisch-Ich, für das ich mich ein bisschen schäme, aber dass sich nicht verleugnen lässt, jauchzte: Endlich sachts ma einer!

(Es folgen 22 sehr sehr gute Minuten. Und 11 Sekunden.)

Gut. Da denkt man sich jetzt vielleicht schulterzucked: „Weiß doch jeder, dass das 0815 Konservenmucke ist und ECHO, Grammy und Co. nichtswürdige Masturbation des Musikbetriebes.“ Stimmt. Aber es nervt mich als Musikliebhaber schon ziemlich; noch mehr aber die Tatsache, dass diese Legion gewordenen Hanswürste und -würstinnen als reale „Pop-Poeten“ mit deeper message vermarktet und von der Presseöffentlichkeit auch so bezeichnet/angesehen werden, sodass diese „Künstler“ es am Ende selbst glauben. From the bottom of my heart where the Schatulle with the crappy poplyric-Brüchstücken liegt, aus denen ich euch mal schnell nen Hit zum Nachdenken zusammenbastel. Voll real und deep und echt erfahren.

Pop-Poeten. Und Julia Engelmann ist Dichterin. Klar.

Was die 5 Schimpansen aus dem Gelsenkirchener Zoo zusammengeschustert haben, gibt es übrigens hier in voller Länge.

Darauf antwortet bei der Echo-Verleihung ausgerechnet der in allen möglichen Bereichen des Lebens von Fußball bis Welthungerhilfe auf Realness pochende Oberpunkrocker der Nation, der ja eigentlich nur indirekt mit der aktuellen Böhmermann-Aktion zu tun hat. Aber Campino hat ja auch noch ne Rechnung mit Böhmermann offen, ne?

Anders kann ich mir nicht erklären, warum ausgerechnet er den Weichspülpopheinzen und -heinzinnen zur Seite springt. (Weil diese Hosen mittlerweile selbst die peinlichsten Larrys des Deutschrock sind – okay.)

„Der Toten-Hosen-Sänger Campino hat Fernsehsatiriker Jan Böhmermann bei der Echo-Verleihung heftig kritisiert. «Lieber uncool sein als ein cooles Arschloch, das sich nicht konstruktiv einbringen kann», sagte Campino am Donnerstagabend in Berlin. Er sprach auch von «Böhmermannschem Zeitgeistgeplapper».“ (dpa)

Also dazu fällt mir spontan nur eine Gesichtspalme und diese Simpsons-Szene ein. Ein echter Klassiker.

182648Und was Campino unter „sich einbringen“ versteht, hat man ja bei diesem peinlichen Band Aid Projekt gesehen. Wie ist eigentlich der aktuelle Stand der Ebolakranken in Afrika, lieber Campino? Do? You? Know? How life is go-ing theeeere?

Btw.: Leonard Cohen war für einen Blecho nominiert – den viele bei der Verleihung anwesende bis zu seinem Tod wahrscheinlich nicht mal kannten –  als bester Künstler international. Zusammen mit u.a. Robbie Williams, der wahrscheinlich einfach nur gerade in Berlin war. Gewonnen hat Cohen dann (natürlich?) nicht, sondern Rag ’n‘ Bone Man. Die anderen Nominierten in der Kategorie: Shawn Mendes (who? Wikipedia: kanadischer Songwriter. soso.) und Drake. Dazu fällt mir nichts mehr ein.

Wider das postfaktische Zeitalter

25. November 2016

Mit dem Einzug der verschiedenen AfD-Fraktionen in ihre jeweiligen Landtage habe ich zumindest eine Hoffnung verbunden: Jetzt, da die AfD von ihren Wählern dazu verpflichtet wurde parlamentarische Arbeit zu leisten, schauen Anhänger und Gegner der Partei hoffentlich genau hin wie sie diese Aufgaben angehen. Leider kam mir die Berichterstattung über die genaue Arbeit der AfD-Fraktionen vor allem im TV viel zu kurz. Im sog. „postfaktischen Zeitalter“ ist es nur logisch die AfD, Pegida und ihre Anhänger mit hochkochenden Emotionen als homophobe Rassisten zu bezeichnen, zielführend ist es allerdings nicht. Nicht nur, dass dadurch ein konstruktiver und vor allem demokratischer Diskurs von vorn herein ausgeschlossen wird; solche Beleidigungen und emotionalen Gefechte verengen auch den Blick auf die „sonstigen Inhalte“ für die die AfD steht und mit denen ihre Hauptwählerschaft v.a. in den neuen Bundesländern nicht ernsthaft einverstanden sein kann.

Gregor Gysi war, soweit ich es überblicke, der erste und bisher einzige Politiker, der öffentlichkeitswirksam darauf aufmerksam machte, dass die AfD nicht auf das Thema der Asylsuchenden reduziert werden dürfe. Der sog. „kleine Mann“, „das Volk“, von mir aus auch „das Pack“, wie sich manche „besorgten Bürger“ in Sachsen mittlerweile kindsköpfig und trotzig selbst nennen, all die AfD-Wähler vom Erwerbslosen bis hin zum eigentlich abgesicherten Mittelschichtler müssen sich wirklich fragen lassen, wie sie zu den wirtschaftlichen und sozialen Vorstellungen der AfD stehen.

Zudem wird die AfD meiner Ansicht nach viel zu wenig auf ihren Namen festgenagelt, der ja das Wort „Alternative“ prominent beinhaltet. Und damit will ich nicht auf meine Meinung anspielen, der zufolge die AfD keine Alternative ist und auch keine anzubieten hat, sondern auf den Fakt, die Tatsache, dass André Poggenburg (Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt) in einer Rede vor dem Landtag in Sachsen-Anhalt sagte: „Die AfD ist ja nun in der sehr schönen Lage Oppositionsführer zu sein und muss eben keinen Ausblick geben.“ (Nachzusehen im folgenden Video.)

Mit anderen Worten… die Alternative muss keine Alternativen haben. – Da fällt es wirklich schwer sich noch weiterhin auf einem sachlichen Level zu begegnen. Aber es hilft einfach nichts der AfD, Pegida und ihren Anhängern mit gegensätzlichen Meinungen zu kommen oder gar Fakten zu präsentieren, die die Meinungen von AfD, Pegida und Co. eindeutig widerlegen. Daher halte ich es mittlerweile für einzig sinnvoll die AfD mit den Fakten zu konfrontieren, die sie selbst schafft, nämlich mit den Anfragen und Gesetzesentwürfen, die sie an die jeweiligen Landesregierungen stellt bzw. in die jeweiligen Landtage einbringt. So geschehen im Neo Magazin Royale vom 24.11.2016.

Ich finde es war längst überfällig sich öffentlich und im Detail mit dem zu beschäftigen, was die AfD für ihre Wähler in den jeweiligen Landesparlamenten „leistet“. Dass erst Jan Böhmermann und das Neo Magazin kommen mussten, um ein umfassendes Dossier dieser Arbeit zu erstellen, finde ich schade. Aber immerhin, nun hat es ja jemand gemacht und allzu spät ist es, im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl, auch noch nicht.

Dossier/Präsentation: QUALITÄTSKONTROLLE AfD.

Vielleicht geben solche Arbeiten, wie die der NMR-Redaktion ja den Anstoß zu einer größeren Diskussion über die Ziele und Kompetenzen der AfD. Somit bestünde zumindest die Chance ihren Wählern vor Augen zu führen, dass hier eben keine Alternative zur Wahl steht, sondern ein Haufen großmäuliger Populisten, die keinerlei progressive Arbeit in ihren Parlamenten zu stande bringt.


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