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Felix Flaucher † 23.8.2017

24. August 2017

Ich weiß noch wie ich 2001 von irgendeinem zusammengekratzten Taschengeld eine meiner ersten Gothic-CDs gekauft habe, die nicht von Subway To Sally oder irgendeinem Mittelaltergedöns stammte. Eine CD, die mich von ihr aus rückwärts bis in die 80er hörend zu den Wurzeln einer mir heute sehr tot erscheinenden Szene führte. Phoenix from the Flames von Silke Bischoff war die letzte Initialzündung, die ich gebraucht hatte um zu wissen, dass ich ein echter Gruftie war. Scheiß auf Punk und HipHop und was an meiner Schule noch so alles an Einstiegsdrogen in die Persönlichkeitsbildung im Umlauf war. Gothic war das Coolste. Nicht nur, weil alle anderen das scheiße fanden, sondern weil ich mich in dieser Jugendkultur aufgehoben und verstanden gefühlt habe. Das war auch das Verdienst von Felix Flaucher und Frank Schwer, die mich mit kalten Synths und viel Melancholie ziemlich genau dort abholten, wo ich stand. An der Dorfbushalte mit verständnislosem Blick auf den Acker.

Das Taschengeld für die CD musste ich übrigens deshalb zusammenkratzen, weil zu diesem Zeitpunkt so ziemlich alles für mein erstes WGT-Ticket draufgegangen war. Meine Eltern ließen mich fahren. Ich war der glücklichste Junggruftie der Welt. Und tatsächlich war der Auftritt von Silke Bischoff meine erstes WGT-Konzert überhaupt. Mit üblen Tonproblemen in der agra, sodass sie zuerst die akustischen Zugaben gespielt haben und dann aus Zeitmangel nur das halbe Elektroset. Aber die Stimmung bei Felix, Frank und Publikum war trotzdem klasse. Das Duo ist vergleichsweise selten live aufgetreten und alle waren froh die beiden überhaupt auf der Bühne zu sehen. Das werde ich nie vergessen.

Es war dann in den 00er-Jahren lange, lange still um die Band, die sich in 18 Summers umbenennen musste. 2012, ich war der Szene längst entwachsen, spielen sie ein Konzert in der Moritzbastei. Das war unglaublich! Ich hatte das Plakat zunächst für einen Gag gehalten. Meine Gruftiejugendliebe Silke Bischoff lebte noch! Und wie – was für ein großartiger Abend das war.

Dann wurde es wieder still. Ab und zu ein posting bei Facebook. Alte YouTube-Videos, Fotos von hier und dort und Anfang des Jahres tatsächlich die Ankündigung eines neuen Albums! Klasse! Denn auch wenn mir die Szene mittlerweile doch arg am Arsch vorbei geht – die Musik bleibt immer. Zu viele Erinnerungen, die daran hängen. Zu viel Herzblut, immer noch.

Und gestern Morgen diese Meldung, die mich aus dem Bett schnellen ließ.

Felix Flaucher ist tot. Und ich kann es immer noch nicht wirklich glauben. Aber diese Stimme, diese Musik, die bleibt für immer tief, tief in mir. Danke für alles.

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Gastbeiträge #1 und #2 – Zwei oder drei Worte zum Leipziger Bier

9. März 2014

Im Übrigen bin ich auch Hobbybrauer. Über das Brauen und Bierkultur ließe sich eine ganze Menge bloggen. Da ich die Novastation aber nicht ganz und gar zu einem virtuellen Kramladen machen will, habe ich das hier bisher unterlassen. Stattdessen habe ich jetzt einen Gastbeitrag für das Germanistinnenwerk geschrieben. Es handelt sich dabei um einen Kommentar zu einer Sonderseite der Leipziger Volkszeitung, die mehr schlecht als recht über die Leipziger Brautradition berichtete. Das kommentierten auch die Jungs von BIER IN LEIPZIG.

Das Blog Germanistinnenwerk kann ich Film-, Literatur- und Leipzigliebhabern auch generell empfehlen. 🙂

EDIT: Außerdem habe ich hier über die Indiebrew UG geschrieben, die in Leipzig das so genannte Industriebier und das Totengräber Schattenbier vertreibt – nicht braut.

Werbung für’s Historische

18. März 2013

Auf ihrem Blog Germanistinnenwerk“ schreibt die fabulöse Anne seit einiger Zeit auch über stadtgeschichtliche Dinge – Leipzig betreffend. Ich finde, das kann man sich ruhig mal angucken und durchlesen. Vor allem, wenn man in der Messe-, Helden-, Buch- und Neu-Berlin-Stadt lebt.

 

Früher war alles besser

27. September 2011

Aufgenommen per Handy (leider) in einem wunderschönen alten Haus in Leipzig-Plagwitz. Juni 2o11.

Akademikerarmut

18. September 2011

Leipzig-Gohlis, Juli 2o11.

Clara & Parker

20. Juli 2011

Friede sei mit euch!

20. Wave-Gotik-Treffen – Eine kurze Bilanz

14. Juni 2011

Bands gesehen:

Henke spielt Goethes Erben – eine fantastische Reise in die Vergangenheit meiner Gruftie-Jugendtage. Das Konzert war überraschend gut. Hervorragend eigentlich. (1. Highlight)

Jo Quail – kannte ich vorher nicht. Eine sympathische Dame macht Instrumentalmusik mit einem E-Cello nach dem Matt Howden-Prinzip (Sieben). Mit einer Loopstation wird live Tonspur für Tonspur aufgenommen, sodass am Ende ein kompletter Song steht. Mit nur einem Instrument aufgenommen. Klingt aber, als spiele eine ganze Band. Super.

Sieben – kann mich nicht enttäuschen. Der Hauptgrund für mich aufs WGT zu gehen. Matt Howden mit Stimme und Violine steckt für mich jedes pompöse Orchester locker in die Tasche. Ein Profi, ein Könner, einer der handvoll Künstler auf dem WGT die musikalische Qualität ersten Ranges zu bieten haben. Mit Worten nicht hoch genug zu loben. (2. Highlight)

Deine Lakaien – gehen immer, enttäuschen selten. Zum 20. WGT- und 25. Bandjubiläum gab es ein Set mit einigen alten Perlen und natürlich neuen Stücken. Für Ernst Horn gilt das Gleiche wie für Matt Howden. Alexander Veljanovs Stimme ist neben Peter Heppner vielleicht das beste, was es in Deutschland zu hören gibt. Schönes Konzert.

Empyrium – kannte ich nur vom Namen her, wurde mir aber sehr empfohlen. Die Band gab es von 1994 bis 2002, jetzt wieder seit 2010 (sagt Wikipedia). Auf dem WGT gab es die Live-Premiere. Eine ordentliche Mischung aus Metal und Dark Folk. Hat sich gelohnt, auch wenn ich keinen weiteren Bezug zu dieser Band habe.

Ef – mag ich auf Platte sehr. Waren live aber einfach nur viel, viel, viel zu laut, zu anstrengend, die Musiker zu unsympathisch. Schade. Aber irre, dass es zum WGT einen Post-Rock-Block gab.

Spiritual Front – lieferten mit ihren zweiten Album „Rotten Roma Casino“ die Enttäuschung 2010 ab. Musikalisch folgte dem steilsten Aufstieg in der Szene seit Jahren der tiefe Fall. Live können sie zwar noch überzeugen, aber dann muss alles passen. Ich habe vom Schlagzeug nur Becken, von den Gitarren nur übersteuertes Geschrammel und einen viel zu lauten Gesang gehört. Daraufhin ergriffen wir nach den ersten Liedern die Flucht und fragten uns ernsthaft wer auf die bescheuerte Idee kam Konzerte im Felsenkeller stattfinden zu lassen.

16 Pad Noise Terrorist – FUCK YEAH!

Killing Joke – ist eine Band für die ich zehn Jahre zu jung bin. War aber ganz cool so… Alt-Rock… im Sinne von Old-Rock… nicht Alternative-Rock.

Fields of the Nephilim – stellen kein Risiko dar. Der alte Mann mit dem Hut voller Staub kommt, singt und geht. Und alles ist wie immer. Eine der größten Szenelegenden bieten noch immer grundsoliden Gothic-Rock, den man gut hören kann. Man kann es aber auch bleiben lassen. Gleiches gilt für die Konzerte.

In the Nursery – war okay, aber irgendwie nicht mehr. Zu viele Synths, zu wenige Trommeln und die Sängerin passt einfach nicht in diese Band/in diese Musik.

Lustmord – gilt gemeinhin als Erfinder des Dark Ambient. Ein Mann, ein Macbook, sphärisch-zappendüstere Klangcollagen und ein ansprechendes Videodesign im Hintergrund. Live nicht spektakulär anzusehen, aber das ist Dark Ambient ja nie. Die Musik ist großartig.

Chris & Cosey – waren für mich die Überraschung des WGT und ein mehr als würdiger Festivalabschluss. Da haben bzw. hatten Kirlian Camera also ihre Inspiration her. Und so müssten sie vielleicht auch klingen um heute noch relevant zu sein. Experimenteller Elektro-Pop-Rock trifft auf Industrialversatzstücke der ersten Stunde. (3. Highlight)

Bands verpasst:

18 Summers – waren neben Sieben der zweite Hauptgrund zum Festival zu gehen. Das erste Konzert seit 2003 glaube ich. Naja und bei einem Festival mit 278 Bands in vier Tagen habe ich natürlich das Glück, dass sich die einzigen beiden die ich wirklich sehen will überschneiden. Shit happens.

C.3.3. – hat irgendwas mit Test Dept. zu tun. Keine Ahnung. Hat zeitlich nicht gepasst.

Marita Schreck – wollte ich schon immer mal sehen. Aber Abhängen im Agra/Heidnisches Dorf war dann doch eher meiner Stimmung entsprechend.

N.U. Unruh (Einstürzende Neubauten) – Keine Ahnung, warum ich da nicht war. Lag wahrscheinlich einfach nur an der Faulheit nach Empyrium vom Volkspalast in den Anker zu fahren. Für WGT-Verhältnisse ist der ja am Arsch der Welt.

Rome – spielten nach Spiritual Front. Wollte ich eigentlich unbedingt sehen. Aber nicht in einem Schuppen mit derart schlechtem Sound. Das hat vor allem eine Band die Neoklassik spielt nicht verdient. Spätere Berichte gaben mir Recht. Als Rome spielten setzte eine Exodus aus dem Felsenkeller ein. Vorausschauend wie ich bin, war ich da schon längst auf dem Berg Sinaii.

Dornenreich – Ja, Schade. Aber ich glaube unplugged gefallen die mir eh besser.

Fundstücke/Beobachtungen:

Spiritual Fronts „Rotten Roma Casino“ (Limited Edition: CD + DVD) wird im Agra für 9,50€ verramscht. Die Platte ist noch kein Jahr alt.

Gefälschte Eintrittsbändchen werden von Jahr zu Jahr dilletantischer gefälscht. Siehe Germanistinnenwerk.

Fetish-Outfits auf der Agra nehmen ab.

Cyber-Goth nimmt ab.

Steampunk kommt.

Klassisch-viktorianische Outfits überdauern alles.

Den Ausstellerschwund in der Agra-Markthalle versucht man durch breitere Gänge zu kaschieren. Netter Versuch, aber Senkung der Standmieten würden dem jämmerlichen Anblick wohl eher entgegenwirken.

Nicht-Lustig.de hat einen Stand in der Agra-Markthalle.

Die LVB denkt endlich mit.

Sorry Berlin…

23. Mai 2011

…aber da kannst du einfach nicht mithalten.

Nach einem durchtanzten Wochenende (Freitag Berlin, Samstag Leipzig) fuhren wir erschöpft und glücklich am Sonntagmorgen in den Tag. Durchs Rosental. Dort bot sich uns mitten in einer 500.000 Einwohner zählenden Stadt – die Natur. Und zwar so, wie ich sie zuletzt beim campen im Wald erlebt habe. Darum, auch darum, wird man mich an Händen und Füßen gefesselt aus der Stadt schleifen müssen, bevor ich sie freiwillig verlasse. (Oder einen pervers überbezahlten Job in Freiburg/Breißgau verschaffen.)

Das ist Löwenzahn. Bearbeitet natürlich.

Eigentlich habe ich auch noch eine Aufnahme der tierisch lauten Frösche aus dem Tümpel im Rosental gemacht. Leider funktioniert es irgendwie nicht Audiodateien in WordPress einzufügen. Obwohl es geschrieben steht. Wer kann helfen?


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