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1992

25. Februar 2013

1992 wünschten sich die ersten den Sozialismus schon wieder zurück. Ich war damals sechs Jahre alt und wusste nichts vom Sozialismus. Dennoch war mein Unverständnis, darüber Erich Honecker bei einem Berlinausflug mit meinen Eltern nicht begegnet zu sein, groß.

1992 wurde ich in Thüringen eingeschult. Ich war ein Streber, der sich auf die Schule freute. Rückblickend wundert mich das überhaupt nicht. Es hat auch damals niemanden gewundert, weil ich ein vorlautes, neunmalkluges Kind war. Immer etwas aufgedreht und unendlich neugierig.

1992 wuchs auf den Dörfern der neuen Bundesländer etwas heran. Eine Generation junger Menschen zwischen zwei Systemen. Wertkonservativ erzogen nach den vom Sozialismus geprägten Vorstellungen der Eltern und Grundschullehrer. Ausgestattet mit allen in diesem Alter erdenklichen Annehmlichkeiten des Kapitalismus.

1992 gab es Game Boys, Sat-TV und Kellog’s Frosties zum Frühstück. Es gab Comichelden, Actionfiguren und Hanuta. Es gab Lego, mit dem ich mir meine eigene Welt baute in der Piraten gegen Ritter kämpften.

1992 gab es auch Hausschlachtung. Es gab Kachelöfen statt Zentralheizung und Nachbarschaftshilfe beim Kohlenschippen. Es gab Sportfeste, die sich mit den Spartakiadeerzählungen meines Vaters deckten. Es gab Baumbuden und Molchefangen. Es gab Fußball, Fußball, Fußball.

1992 war das. Da bin ich aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Thüringen als Kind zweier Systeme. Ich habe es geliebt und heute weiß ich auch warum. Es war Sozialismus light. Alle für einen, aber mein Game Boy nur mir.

1992 war ein behütetes Paradies. Es machte mich zu einem Menschen mit ausgeprägtem Moralverständnis. Viel zu naiv für diese Welt.

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