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Fear Inoculum

30. August 2019

Nach 13 Jahren Stille ist einer der größen Mythen der modernen Rockmusik in sich zusammengefallen und hat sich gleichsam manifestiert in einem – glaubt es oder nicht – neuen TOOL Album, von dem nicht einmal Prophezeihungen dreier Weiser aus dem Morgenland mich jemals hätten überzeugen können, dass es jemals geschrieben, aufgenommen, geschweige denn veröffentlicht werden wird.

Selbst als ich die Band diesen Juni in Amsterdam zum ersten Mal live gesehen habe und sie zwei neue Tracks im Set hatten, sagte etwas in mir, dass ich skeptisch bleiben sollte. 13 Jahre des Wartens… man verliert den Glauben.

(Die Inchtabokatables haben es nach 11 Jahren Bandpause ja nicht mal geschafft ein einiziges Konzert zu spielen, um die Geduld derjenigen zu belohnen, die tatsächlich gewartet und gehofft haben. Stattdessen verkündetet man nebenbei „nochmal 11 Jahre Pause“… aber nochmal 11 Jahre warte ich nicht.)

Nun ist das neue Album da. Es heißt FEAR INOCULUM. Ich hab es einmal komplett und frei von Ablenkungen durchgehört und will meine ersten Eindrücke wiedergeben. (Urteile und Kritik finde ich nach dem einmaligen Hören auch angesichts der langen Zeit zwischen dem letzten und dem neuesten Album einfach lächerlich.)

  1. Das sind nicht Lateralus-TOOL, das sind nicht 10.000 Days-TOOL. Nach 13 Jahren hat die wahrscheinlich bedeutendste (aktive) Progressive Rock Band eine hörbare Entwicklung gemacht. Der Sound ist unverkennbar und doch anders, als auf den Vorgängeralben.
  2. Die Band nimmt sich scheinbar (noch mehr) Zeit die Stücke zu entwicklen. Alles wirkt etwas ruhiger, runtergefahrener, bedachter als zuvor. Früher Höhepunkte, wie etwa einen schreienden Maynard oder ein explodierendes Riff gibt es selten bis gar nicht. Stattdessen findet die „Action“ innerhalb der Tracks eher im letzten Drittel statt.
  3. Maynard James Keanan ist nicht der „Star“ der Platte. Sein Gesang ist zwar nach wie vor wahnsinnig intensiv, aber nicht so dramatisch, wie auf den beiden Vorgängern. Der „Star“ auf Fear Inoculum ist, wenn man so will Danny Carey. Ich meine… ich hab keinen Überblick über alle Rock-Drummer, die derzeit aktiv sind, aber was der Mann hier abgeliefert hat gehört zu den beeindruckendsten Drumsets, die ich je gehört habe. Irgenwo im Netz hatte ich mal gelesen: „Wie macht der Typ das mit nur je 2 Armen und Beinen?“ Ich weiß auch nicht. Das ist einfach großes Kino
  4. Kurz zu einzelnen Tracks: der gleichnamige Titeltrack ist ein beindruckender opener, der mir bereits in den letzten Tagen und Wochen viel Freude gemacht hat. 7empest ist sicher das „Biest“ auf dem Album, das am meisten nach vorne geht. Mein persönlicher „Favorit“ – wie gesagt, nach einmal hören – ist Descending.

Tja, man wird die neue LP auf allen möglichen Plattformen im Netz diskutieren, da bin ich mir sicher. Ich belasse es bei meinen 2 Cents. Für mich hat sich das Warten gelohnt. Ich denke die Band hat etwas Episches abgeliefert – und in Zeiten in denen das Wort episch überstrapaziert wird, wähle ich es an dieser Stelle bewusst. Ich freue mich darauf mich richtig in Fear Inoculum einzuhören und hoffe inständig auf eine Standard-Version der CD.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.


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