Posts Tagged ‘Heinrich Detering’

„Sie hätten das auch geschrieben“ – „Planetenwellen“ von Bob Dylan

21. Juli 2017

Das ist schon eine komische Geschichte mit Bob Dylan und dem Literaturnobelpreis. Aber ich will sie hier nicht noch einmal erzählen, nicht noch einmal plädieren, dass Lyrics Literatur sein können, nicht noch einmal nachdenken, ob Dylan der richtige ist, nicht noch einmal spotten, dass der Nobelpreis Dylan nötiger hat als umgekehrt. Und trotzdem benutze ich diese Geschichte noch einmal kurz, um diese Besprechung einzuleiten, weil es die Besprechung zu einem Buch ist, das es ohne die Zuerkennung des Literaturnobelpreises an seinen Autor wohl gar nicht gegeben hätte.
Wenn man am 13. Oktober 2016 die Website des großen Internet(buch)händlers nach Titeln des frisch verkündeten Preisträgers durchsucht hätte, hätte man nicht gerade viele finden können. Und das, obwohl die ersten und energischsten Befürworter der Entscheidung darauf bestanden, dass Dylan eben nicht nur Songwriter sei, sondern auch Verfasser von „echter“ Lyrik und Prosa, die jedoch in Vergessenheit geraten ist. Ganz zu schweigen von der Autobiografie Chronicles Vol. 1. Eine moderne Version von Dichtung & Wahrheit mit deutlicher Wichtung zur Dichtung (pardon), die man an besagten 13. Oktober allenfalls als zerfleddertes second-hand-Taschenbuch für 50 Cent (3 Euro Versandkosten) hätte haben können. Am Tag danach allerdings nicht mehr. Ansonsten war ein schmales rotes Reclam-Bändchen mit von Heinrich Detering ausgesuchtesten Lyrics zu haben, eine lesenswerte Reclam-Biografie, die von ihrem Verfasser, ebenfalls Detering, fast jährlich aktualisiert wird (zuletzt Anfang 2016 – schlechtes timing, 2. pardon) und eine Handvoll Sekundärliteratur. Darunter ein Buch von Detering zum Spätwerk Dylans, das beweist, dass der Preis weder zu Unrecht noch zu spät vergeben wurde.

9783455001181

Den ganzen Artikel gibt es hier.

 

Von Petrarca bis Sinatra

5. Juli 2016

Ich habe erst im letzten Jahr damit begonnen mich intensiver mit Bob Dylan zu beschäftigen. Und ich denke nach dem Lesen von Heinrich Deterings „Stimmen aus der Unterwelt – Bob Dylans Mysterienspiele“ ist es auch erstmal wieder gut damit. Ein sehr interessantes, aber auch seeeehr detailliertes Buch über das Spätwerk Dylans. Unter so vielen Verweisen, Anspielungen, Assoziationen etc. geht die Musik fast verschütt. Meine Rezension zum Buch:

Ob es Bob Dylan im Regalmeterranking der Sekundärliteratur schon unter die weltweiten TopTen hinter Shakespeare, Kafka und Co. geschafft hat, ist nicht bekannt. Doch es scheint zum Leben eines Nobelpreisdaueranwärters zu gehören, dass ihm ein ganzes Heer von Literaturwissenschaftlern folgt, das sich mit Dylans Werk fast besser auskennt als Dylan selbst. Der Göttinger Lyriker und Literaturprofessor Heinrich Detering gehört zu diesem Heer. Auch wenn seine Publikationen über den Songwriter sich in Grenzen halten, gilt er doch als ausgewiesener Dylan-Experte.

Cover des Buches 'Die Stimmen aus der Unterwelt'

Diesem Ruf wird Detering auch mit seinem neuesten Buch gerecht. In Stimmen aus der Unterwelt widmet er sich ganz dem Spätwerk Dylans, das Detering vor allem als Ansammlung und Variation klassischer Mysterienspiele versteht. Eine Lesart, die Dylan selbst legitimiert, wenn er sagt: „These songs of mine, I think of them as mystery plays.“ Dabei wissen die zahlreichen Dylan-Deuter weltweit, dass in ihrem Falle keine Quelle so unsicher ist wie Dylan selbst.

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