Posts Tagged ‘Heiner Müller’

Nachzufolgen ist nicht genug

7. Juni 2016

Uwe Kolbe über Bertolt Brecht und die Nachgeborenen

Eigentlich ist es für mich als 1986-, und damit Nach-Nach-Geborenen fast unmöglich, Uwe Kolbes neues Buch über Bertolt Brecht angemessen zu besprechen. Es sei denn, ich wäre absolut sattelfest in Sachen DDR-Literatur, -betrieb und -geschichte. Ich bin es nicht, um das gleich vorweg zu nehmen. Und ich bin es auch nicht in Uwe Kolbes Werk, geschweige denn seiner Biografie. Ich interessiere mich einfach nur für Brecht. Ob ich damit wirklich zur Zielgruppe dieses Buches gehöre, kann ich auch nach dem Lesen nicht endgültig beantworten.

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Das liegt unter anderem daran, dass es in Kolbes Essay nur bedingt um Bertolt Brecht geht. Natürlich ist der große, vielleicht größte deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts zunächst der Protagonist dieses Textes. Kolbe liefert einen Abriss von Brechts Biografie, erzählt wie es zur Übersiedlung in die DDR, zur Gründung des Berliner Ensembles kam, wer seine Mitarbeiter waren und vor allem dass er, Brecht, ein gegen alle moralischen Bedenken überzeugter Stalinist war. Das heißt, Brecht hatte hinsichtlich der Verwirklichung des Kommunismus nach sowjetischem Vorbild keinerlei moralische Bedenken. Seine Rolle bei der Etablierung der DDR schätzt Kolbe als überaus gewichtig ein.

„Brecht, der große Brecht, war der Dichter von Weltrang, der erste namhafte Intellektuelle, der den sozialistischen Staat auf deutschen Boden legitimierte.“

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Der schwarze Faden – Heiner Müllers gesammelte Gedichte

26. Oktober 2014

„Ich glaube, mein stärkster Impuls ist der, Dinge bis auf ihr Skelett zu reduzieren, ihr Fleisch und ihre Oberfläche herunterzureißen.“ Dieses bekannte Zitat von Heiner Müller stammt aus einem Interview von 1982.Obwohl er damit vor allem das Stückeschreiben und hier speziell die Hamletmaschine meinte, scheint dieser Impuls vor allem in einem kurzen Gedicht verdeutlicht, das Müller nur ein Jahr zuvor geschrieben hatte.

ZAHNFÄULE IN PARIS

Etwas frißt an mir

Ich rauche zu viel
Ich trinke zu viel

Ich sterbe zu langsam

Gerade einmal fünf Zeilen brauchte Müller, um sich selbst die Oberfläche herunterzureißen, seine gesundheitlichen Problem auf ihr Skelett zu reduzieren. Auslöser für dieses so unscheinbare Gedicht war eine simple Karies, die dem Dichter jedoch einmal mehr seine Sterblichkeit vor Augen führte. Das Ergebnis dieser Reflexion ist ein Selbstportrait, das in seinem Minimalismus so präzise und ehrlich ist, wie man nur sein kann. Heiner Müller, Whisky, Brille und Zigarre, führt ein selbstzerstörerisches Leben, dessen er sich bewusst war und das wiederum hat Stil. Nach außen ist Müller vielleicht der coolste Autor seiner Zeit, nach innen ist er so verletzlich wie die meisten. Vielleicht sogar noch verletzlicher, zumindest scheint er sich selbst zu fragen, wie sein Körper so lange durchhalten kann.

Die vollständige Besprechung gibt es auf fixpoetry.com


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