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Der Versuch, sich an der Natur zu orientieren

3. April 2015

Als „der Romantiker unter den jüngeren deutschen Lyrikern“ wird Tom Schulz von seinem Verlag angekündigt. Der Stempel ist also von Anfang an drauf, und ich frage mich, auch im Hinblick auf die Debatten um Jan Wagners Leipziger Buchmessepreis, ob man dem Autor hier nicht einen Bärendienst erwiesen hat. Wie zeitgemäß Gedichte sind, ob und wie sie die Gegenwart verhandeln sollen, was sie uns heute noch zu sagen haben, das sind Fragen, die derzeit auf den einschlägigen Kanälen verhandelt werden. Tom Schulz scheinen sie nur marginal zu interessieren. Denn sein neuer Band Lichtveränderung, um das gleich vorweg zu nehmen, ist eine Absage an eben jene Gegenwart, die nach Meinung einiger Literaturkritiker und -wissenschaftler in der aktuellen Lyrik generell zu kurz kommt. (Was natürlich nicht der Fall ist. Aber das ist eine andere Baustelle.)

 

Schulz‘ Gedichte sind geprägt von einem sehr präsenten Ich, das sich zwischen Flucht und Orientierungslosigkeit bewegt. Bewegungen, die von den ersten Versuchen, sich eine Komfortzone einzurichten, unterbrochen werden. So etwa im Text Kap der guten Holzbank, dessen Titel allein schon die Sehnsucht nach Rückzug und Ruhe überdeutlich werden lässt. Zu lesen ist dann „Gewinnen wir die Hoheit über Land. Über Masse, Maße, Trägheit. Lass mich die Aprikosen kosen. Auf Klopstock bestehen. Als Deutscher laufe ich um den Heuschober.“ Ist das vielleicht die auch von den Romantikern geschätzte Ironie oder die in einem anderen Gedicht erwähnte „Erwachsenen-Lyrik“, in der das Ich sich angekommen fühlt?

Die gesamte Rezension gibt es bei den Signaturen.


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