Posts Tagged ‘Gedichte’

fossile Gewässer

28. September 2017

Mein neues Buch ist da.

27. September 2017

Private wie urbane Räume, die hier bedichtet werden, sind trostlos, das Rurale beiläufig, aber zunehmend rituell. Die Zeichen vergletschern! Was der Mensch nicht wahrnimmt: die Ränder zur ungewissen Zukunft als auch zur dunklen Vorvergangenheit zerfasern, es entstehen Fraßbilder, irgendwo im Düsteren schließt sich der Kreis … Mario Osterland gelingt es, uns wie nebenbei Beklemmung und […]

über Mario Osterland: heimische Arten — parasitenpresse

Digitale Pansmusik

9. Mai 2016

Es gibt ein neues Buch von Crauss! Leider nur digital. Und mit einem Klappentext vom Verlag versehen, dem ich in so ziemlich allen Punkten widerspreche.

Weder schreibt Crauss in barocken Schnörkeln, noch kann man seine Texte als Idyllen bezeichnen, ohne auf das Misstrauen in ihnen hinzuweisen. Und schon gar nicht stimmt dieser Satz: „Es sind Gedichte, bei denen man sich am Ende weniger fragt, auf welches Foto oder Gemälde sie sich beziehen könnten, sondern auf welches Tool bei Photoshop.“ Denn das hieße in meiner Lesart: „Crauss macht eigentlich nichts Aufregendes, sondern spielt nur ein bisschen mit digitalem Schnickschnack herum.“

Und nichts ist unzutreffender.

Denn Dieser Junge. Digital Toes. gehört mit Abstand zum Sinnlichsten, das ich von Crauss je gelesen habe. Seine Gedichte sind ganz und gar frei von der eigentlich obligatorischen Peinlichkeit, die erotischer Literatur (der deutschen zumal) anhaftet.

In seinem Nachwort bezeichnet Matthias Fallenstein Crauss‘ Texte als „Pansmusik“ und weist zum Glück darauf hin: „Crausstexte werfen einen begehrlichen Blick auf Jungs. Aber sie formulieren nicht das homosexuelle Verlangen als schwule Literatur; so wenig, wie Mayröcker speziell für Frauen schreibt, so wenig wendet Crauss sich ausschließlich an Männer, die nach hübschen Burschen schauen, oder Burschen, die nach geneigten Männern suchen. Crausstexte sind, so explizit sie sein können, viel weniger eindeutig, als es auf den ersten Blick wirken mag.“

Crauss‘ Gedichte sind keine klebrigen, von verwitternder Firnis überzogenen, barocke Ölschinken, auf denen plumpe Fleischberge offen zu Tage liegen, sondern in Wort gegossene Erotik; sprachlich so ehrlich, wie das Begehren, für das die Texte stehen. Schnörkellos.

Lest alles von Crauss!

dieser-junge-digital-toes-cover

EDIT: Das Verlagshaus Berlin, das ich im Übrigen sehr(!) schätze, hat den Klappentext mittlerweile geändert. Besser.

 

Vier Quartette

11. April 2016

Zum ersten Mal habe ich die automatischen Wortvorschläge meines smartphones genutzt, um damit zu dichten. Die einzigen Vorgaben, die ich mir gemacht habe: 4 Gedichte à 4 Strophen, jede Strophe à 4 Verse. Jedes Gedicht beginnt, da man irgendeinen Anfang braucht, mit dem jeweiligen Zahlwort. Und es sollte möglichst wenig Zeit in Anspruch nehmen. Das heißt ich habe versucht nicht viel nachzudenken, habe aber auch nicht immer das erstbeste vorgeschlagene Wort gewählt. Gedauert hat das schreiben/auswählen ziemlich genau 34 Minuten. Die Länge des Albums Shadows in the Night (2015) von Bob Dylan. Das war (ich schwöre es, wenn gewünscht) Zufall. Die Zeit. Das Album (inkl. Titel). Der Bob.

Vier Quartette

1

Eins zu sein und nicht mehr
Lange nichts gehört von dir
Geträumt von dem ganzen
Abend bei euch

Alles klar dann bis die Tage
Nochmal rufe ich nicht an
Dich nicht mehr lang zu dauern
Wird auch nicht schlecht

Ich hoffe dass wir das nicht mehr
So viel dazu gesagt
Was habe gerade ich
Wünsche euch noch viele Tage

Ohne Witz und Ende
Oktober wird schon wieder werden
Sollte nicht alles Gute zur Zeit
Einmal in Erfurt zusteigen

2

Zwei Flaschen drehen durch
Geführt werden sollte das Gespräch
Gestern hat er gesagt
Warum ich nicht zugegen war

Schon wieder nicht richtig gelesen
Geschlafen habe ich auch nicht
Schlecht geträumt von meinem Vater
Helfen kann man ihm nicht mehr

Lange Nacht war wieder mal
Was geht bei euch in Erfurt
Ist doch schön wenn ihr wieder
Zusammen gefasst werden sollt

Die Flaschen wegbringen und
Einen neuen Vertrag unterschreiben
Lässt sich einrichten
Woran könnte es scheitern?

3

Drei Stunden lang nichts
Besonderes gemacht haben
Wie geht das klar
Wie fühlt es sich an

Als das andere Bild
Von meiner Seite her
Nicht wirklich gut angekommen
Aber immerhin verkauft

Wurde mir gesagt
Das wird bestimmt noch besser
Dann kann es ja nicht schlimm sein
Aber schlimmer werden

Sollte die Kneipe auffliegen
Sitzen wir morgen in Jena
Besser nicht nachdenken
Wie immer halt

4
Vier Personen sind schon wieder weg
Und ich dachte schon es ist für immer
Zusammen sein kann man nicht ändern
Aber auch nicht wirklich gut

Geschlafen hab ich doch wieder nicht
Schlafen ist immer ein offenes Buch
Im Bett zu haben und nicht mehr
Lange Straße in die Nacht

Durch die Gegend fahren
Jetzt noch schnell was machen
Und dann wieder zurück
Kehren im Kreis im Bett

Liegen bleiben und den Tag
Über den Dächern liegen lassen
Oder einfach nur nicht wirklich
Wissen was das bedeutet

Till Lindemann dichtet Rohlinge

28. Juli 2015

 

„Ich bin ein riesiger Rammstein-Fan. Aber die Leute in den Konzerten wissen teilweise nicht mal wie man eine Banane öffnet.“ (Olli Schulz)

Auch der Erfolg von Jan Wagners Regentonnenvariationen kann nichts daran ändern, dass der derzeit meistverkaufte (und wahrscheinlich auch meistgelesene), lebende deutschsprachige Dichter Till Lindemann ist. Dabei kann man natürlich einwenden, dass es sich bei der neu editierten Doppelausgabe Die Gedichte, bestehend aus den bisherigen Lindemann-Gedichtbänden Messer (2002) und In stillen Nächten (2013), wohl in erster Linie um einen Rammstein-Fanartikel handelt. Lindemann selbst will seine Lyrik jedoch unabhängig von seinen Songtexten für Rammstein verstanden wissen. Ein Wunsch, der gleich in mehrfacher Hinsicht nur schwer zu erfüllen ist. Zu dominant und einprägsam ist Lindemanns Umgang mit der deutschen Sprache, die er als Sänger und Texter einer ikonisch gewordenen Industrial-Metal-Band im Ausland so populär machte wie kaum jemand vor ihm. Zu nah sind obendrein der sprachliche Duktus und vor allem die thematische Ausrichtung seiner Gedichte an den Inhalten der Rammstein-Songs.

Einwenden könnte man zudem, dass Till Lindemann ja gar kein richtiger Dichter sei und der Vergleich mit dem Erfolg Jan Wagners auch deshalb von vorn herein hinkt. Dass die Gefahr besteht, die Regentonnenvariationen könnten zu einer Art lyrischem Fanartikel des Bildungsbürgertums verkommen, lasse ich dabei außen vor. Doch wo Wagner, gerade auch wegen seines Erfolges, zu Recht breit rezipiert wird, wird der noch erfolgreichere Lindemann weitgehend ignoriert. Ernstzunehmende Besprechungen seiner Gedichte sucht man in den großen Feuilletons meist vergebens. Über seinen Status als Lyriker machten sich eigentlich nur Moritz von Uslar und (ausgerechnet) Georg Diez ein paar Gedanken. Für jemanden, dessen Lieder sogar in Nord- und Südamerika gesungen, in Skandinavien und Russland gar im Deutschunterricht behandelt werden, scheint das ziemlich wenig. Vielleicht ist das auch ein Indiz dafür, dass Lindemann nicht ohne Rammstein betrachtet werden kann. Da man über diese Band alles zu wissen scheint und sie auch niemanden mehr wirklich schockt, braucht man über die Lyrik ihres Frontmanns scheinbar kein Wort mehr zu verlieren.

Scheinbar. Hier gibt es die ganze Besprechung.

Expedition Lyrik

12. Mai 2015

Gedichte taugen nicht. Sie taugen nicht zum Expeditionstagebuch. Nicht als Erlebnisgebericht. Aber Gedichte taugen zur Expedition selbst, können Expeditionen sein. Sind Begleiter, Kompass, Steigeisen. Anker, wenn es sein muss.

Bereits im letzten Jahr erschien im Verlagshaus Berlin (vormals Verlaghaus J. Frank) ein Gedichtband, auf den ich lange gewartet habe, ohne es zu wissen. Seither lese ich immer wieder in Stephan Reichs Everest, in dem ein kitschbefreiter, selbstbewusst-melancholischer Ton herrscht, vor dem ich meinen Hut ziehe. Dieser Band ist ein Begleiter, der beweist, dass man sich die Welt durchaus erschließen kann, indem man sie zuerst durch das Internet betritt. Dass eine Kopplung des Digitalen mit dem Analogen möglich ist. Ich habe alle Orte aus Reichs gleichnamigen Kapitel im Internet besucht. War auf dem Everest, in Tunguska, Nowgorod und Survival Town. Den Gedichten hat das nicht geschadet. Im Gegenteil.

Sich in eine andere Welt ziehen lassen… das erwarten wir doch seit jeher von der Literatur. Warum sollte es in den Erzählungen des Internets anders sein? Sich die alte Welt neu erschließen, sie resetten, Anlauf nehmen, sich die neue Welt mit alten Mitteln erschließen. All das macht Stephan Reich in Everest. All das macht Everest zu einer echten Expedition.

Poetryletter #286 – „sprich“

16. November 2014

Vor ein paar Wochen hatte ich dir Poetryletter von fixpoetry.com hier erwähnt. Jetzt hat die Schweizer Illustratorin Anna Luchs mein Gedicht sprich für besagte Reihe bildlich gestaltet.

Das Ergebnis gibt es hier zu sehen und als Druckversion zu bestellen!


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