Posts Tagged ‘Fixpoetry’

„Csótányok Song“ – Gedicht des Tages

12. Februar 2017

Mein Gedicht Csótányok Song (für Kinga Tóth) ist heute Gedicht des Tages auf fixpoetry.com.

Abgespult

21. Oktober 2016

Ich habe Christian Krachts neuen Roman bereits vor einem Monat gelesen und besprochen. Da die Rezension aber erst heute erschien, wirkt der Anfang jetzt wohl etwas merkwürdig. Ein nachgeschobener Nachzügler sozusagen…

‚Und zu guter Letzt…‘ wurde am 13. September auf Christian Krachts Facebook-Profil noch die Besprechung seines neuen Romans ‚Die Toten‘ in der taz geteilt. Da war das Buch gerade einmal sechs Tage alt, die Sperrfrist von manchen Kritikern längst ignoriert und die Diskussion(en) über die Neuerscheinung in vollem Gange. Sie ist es immer noch, und auch die eine oder andere Besprechung trudelt noch dem mit Höchstgeschwindigkeit durchs Feuilleton gepreschten Hype hinterher. Aber man bekam durch das Posting den Eindruck, dass Autor und Verlag in Rekordzeit fast schon etwas müde waren vom erwartungsgemäß umfassenden Medienecho aus vereinzelten Verrissen, einiger Ratlosigkeit und viel, viel Lobhudelei. Dabei ging die wirklich interessante Betrachtung von Krachts neuem Roman doch erst richtig los, als Lukas Valtin sich im Blog der Literaturzeitschrift Metamorphosen von der klassischen Rezension löste und die Literaturkritik in ihrem Umgang mit Die Toten einer essayistischen Prüfung unterzog.

Die Toten

Und tatsächlich scheint diese medienkritische oder zumindest die Medien reflektierende Herangehensweise zwingend, denn wie schon bei Erscheinen von Krachts letztem Roman ‚Imperium‘ (2012) wird in den Feuilletons zunächst auffällig wenig über Die Toten, also den Text an sich gesprochen, so zumindest mein Eindruck. Vielmehr werden Fragen über die Abhängigkeit des Romans von seinem Autor gestellt. Ob man das Buch genauso oder genau so lesen würde, wäre es nicht von Kracht geschrieben? (Müßig zu fragen, da er es nun einmal geschrieben hat.) Ob man sich aufgrund seiner Interviews nichts ständig die Frage stellen müsse, ob der Autor einen nur (Pardon) verarscht, oder ob er Lesern, Kritikern und anderen Autoren doch schlichtweg überlegen ist (die ganz und gar verinnerlichte, ironisch-distanzierte Haltung – Indikator oder Beweis?)?

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New York ist die Spitze, der Gipfel der Welt.

10. Oktober 2016

In der an Gründungsmythen nicht armen Geschichte der ästhetischen Moderne gilt John Dos Passos‘ Roman „Manhattan Transfer“ von 1925 unbestritten als Meilenstein des experimentellen Erzählens und vielleicht als erster Großstadtroman überhaupt. Bereits 1927 erschien eine erste Übersetzung des Romans im S. Fischer Verlag auf Deutsch. Wiederum zwei Jahre später folgte, ebenfalls bei S. Fischer, Alfred Döblins deutsches „Pendant“ dazu, „Berlin Alexanderplatz“, das ebenso wie „Manhattan Transfer“ bis heute zu den Klassikern moderner Erzählliteratur gehört.

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Zahlreiche Autoren haben sich seither auf Dos Passos, Döblin oder gleich auf beide berufen, wenn es darum ging, komplexe, von geschlossener Stringenz abweichende Erzählmethoden in ihren Romanen anzuwenden. Zuletzt etwa der Leipziger Clemens Meyer, der keinen Hehl daraus macht, dass vor allem Manhattan Transfer großen Einfluss auf die Entstehung seines eigenen Großstadtepos „Im Stein“ (2013, wiederum S. Fischer) hatte. Es ist daher keine große Überraschung, dass Meyer das Nachwort zu der nun erschienenen Neuübersetzung von Dos Passos‘ mit Abstand bekanntestem Werk beigesteuert hat.

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Mehr Feuer, keine Angst

15. August 2016

Clemens Meyers Frankfurter Poetikvorlesungen „Der Untergang der Äkschn GmbH“

Reden wir nicht über das Feuilleton. Reden wir nicht über den Literaturbetrieb. Reden wir nicht über das Bildungsbürgertum. Reden wir nicht über Konventionen, Sensationen und Exotik. Reden wir nicht über Tätowierungen, Inszenierungen und Bier. Reden wir nicht über Leipzig, Leipzig-Ost, Süd, West, Nord. Reden wir über Literatur. Und darüber, wie Clemens Meyer darüber redet.

Mit „Der Untergang der Äkschn GmbH“ sind seine Frankfurter Poetikvorlesungen überschrieben, die jetzt in Buchform veröffentlicht wurden – zumindest vier der fünf Vorlesungen (was mit der letzten passiert ist, erfährt man nicht). Ihre Kernthemen, u.a. Retsina, Thüringer Klöße und Bratwürste, werden jedoch in einem Register erklärt bzw. bearbeitet.

Frage: Was hat das mit Literatur zu tun?
Antwort der Äkschn GmbH: Alles hat mit allem zu tun.

Die Äkschn GmbH ist Meyers persönlicher Kanon aus Schriftstellern, Regisseuren, Künstlern, die ihn beeinflussen, beeindrucken und die letztlich in seinen eigenen Büchern beinhaltet sind. Denn egal, was man bisher so von den Poetikvorlesungen gehört haben mag – so unkonventionell, wie man Meyer und sein Schreiben gern darstellt, sind die Texte dann auch wieder nicht. Wie zahlreiche andere Autoren vor ihm lotet auch Meyer sein eigenes Werk im Rahmen der Vorlesungen aus und gibt unzählige Hinweise darauf, wie vor allem sein letzter Roman „Im Stein“ zustande kam und was er alles beinhaltet.

Die ganze Besprechung auf fixpoetry.com.

Dante und die Raumfahrt

1. August 2016

Der Leipziger Anglist Elmar Schenkel hat sich über seine akademische Arbeit hinaus längst einen Namen als Essayist gemacht. Nun hat er ein Buch veröffentlicht, in dem es nicht nur um die Zusammenhänge von Literatur und Wissenschaft geht, sondern selbst die Grenzen zwischen akademischer Studie und literarischem Essay verwischt werden. Solche Bücher machen besonders Spaß, denn sie zeugen von einem ganzheitlichen Interesse an der Welt und davon, sie mit ganzheitlichen oder zumindest interdisziplinären Fragestellungen begreifen zu wollen. Dass Schenkel jedoch nicht zu einer lückenlosen Darstellung des gesamten Diskursfeldes kommen kann, muss dem Leser klar sein. Vielmehr setzt er spotlights auf ausgesuchte Episoden der seit der Antike bestehenden Wechselbeziehung zwischen literarischen Werken und technischen Entwicklungen. Und er erzählt von den Träumen derjenigen, die an dem einen, an dem anderen oder gar an beidem feilten … wie etwa Johannes Kepler, sozusagen der Titelheld dieser Essaysammlung.

„Kepler beschrieb 1609 einen Traum über die Reise zum Mond. Diese Traumgeschichte besprenkelte er über die nächsten Jahre hin mit vielen Fußnoten wissenschaftlicher, autobiographischer und verspielter Art. Man könnte diesen Text als das erste Werk der Science-Fiction bezeichnen, denn hier wird erstmals eine fast mittelalterliche Traumvision mit der neuen kopernikanischen Wissenschaft verbunden.“

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Nachzufolgen ist nicht genug

7. Juni 2016

Uwe Kolbe über Bertolt Brecht und die Nachgeborenen

Eigentlich ist es für mich als 1986-, und damit Nach-Nach-Geborenen fast unmöglich, Uwe Kolbes neues Buch über Bertolt Brecht angemessen zu besprechen. Es sei denn, ich wäre absolut sattelfest in Sachen DDR-Literatur, -betrieb und -geschichte. Ich bin es nicht, um das gleich vorweg zu nehmen. Und ich bin es auch nicht in Uwe Kolbes Werk, geschweige denn seiner Biografie. Ich interessiere mich einfach nur für Brecht. Ob ich damit wirklich zur Zielgruppe dieses Buches gehöre, kann ich auch nach dem Lesen nicht endgültig beantworten.

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Das liegt unter anderem daran, dass es in Kolbes Essay nur bedingt um Bertolt Brecht geht. Natürlich ist der große, vielleicht größte deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts zunächst der Protagonist dieses Textes. Kolbe liefert einen Abriss von Brechts Biografie, erzählt wie es zur Übersiedlung in die DDR, zur Gründung des Berliner Ensembles kam, wer seine Mitarbeiter waren und vor allem dass er, Brecht, ein gegen alle moralischen Bedenken überzeugter Stalinist war. Das heißt, Brecht hatte hinsichtlich der Verwirklichung des Kommunismus nach sowjetischem Vorbild keinerlei moralische Bedenken. Seine Rolle bei der Etablierung der DDR schätzt Kolbe als überaus gewichtig ein.

„Brecht, der große Brecht, war der Dichter von Weltrang, der erste namhafte Intellektuelle, der den sozialistischen Staat auf deutschen Boden legitimierte.“

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Nochmal Houellebecq – Seine Gedichte

27. Mai 2016

Die Kanonisierung der Werke Michel Houellebecqs hat begonnen. Vor allem in Frankreich, wo im Januar diesen Jahres der erste Band einer entsprechenden Werkausgabe erschien. Das Vorwort dazu hat der Autor selbst verfasst. Sicher ist sicher. Aber auch in Deutschland scheint man darauf bedacht zu sein, vergriffene bzw. auf verschiedene Verlage verteilte Bücher des Franzosen endlich unter einen  Hut zu bringen. In einheitlichem Design, versteht sich. Allerspätestens mit den Reaktionen auf seinen letzten Roman Unterwerfung (2015) hat nun jeder, den es interessiert, verstanden: Houellebecq hat sich fest in die europäische Literaturgeschichte eingeschrieben. Dass der Verlag Dumont die deutschsprachigen Leser in kurzer Folge mit Neuausgaben seiner Romane und sogar seiner Essays und Gedichte versorgt, scheint also folgerichtig. (Und lässt auf eine Neuausgabe von Houellebecqs Essay über H.P. Lovecraft hoffen.)

Gesammelte Gedichte

Der nun erschienene Band Gesammelte Gedichte fasst die vier Lyrik-Einzeltitel Der Sinn des Kampfes (1996), Suche nach Glück (1997), Wiedergeburt (1999) und Gestalt des letzten Ufers (2013) zusammen. Nicht mehr und nicht weniger. Das heißt, es gibt weder ein Vor- noch ein Nachwort, geschweige denn einen angehängten Kommentar zur Entstehung der Texte oder ähnliche editorische Zugaben. Eine eventuell angebrachte Neuübersetzung der Texte fand ebenfalls nicht statt. Angebracht wäre sie wohl deswegen, da Hinrich Schmidt-Henkel, der den Löwenanteil der Gedichte übersetzt hat, uns auf Deutsch gewissermaßen einen anderen lyrischen Houellebecq lesen lässt, als er im französischen Original vorliegt. Denn Houellebecq reimt vom ersten bis zum letzten Gedicht fast durchgehend und auf Teufel komm raus, was mitunter sehr bemüht wirkt. Überhaupt ist auffällig, dass Houellebecq sich hinsichtlich Reim, Metrum und Form recht klassisch und meist geradezu puristisch verhält. Neben vereinzelten Sonetten bevorzugt er vor allem Gedichte von drei bis vier Strophen à vier Verse, jambisch oder trochäisch, ab und zu mal ein Alexandriner.

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In der Kampfzone

19. Mai 2016

Dieses Buch… Houellebecq-Fans vor. Besprochen bei Fixpoetry.com.

Michel Houellebecq, Ökonom

Die Menschenzeit

21. April 2016

Es geht noch mal ums „Wir“. Irgendwie.

Bereits 2013 startete das auf zwei Jahre angelegte, kooperative Anthropozän-Projekt zur kulturellen „Grundlagenforschung mit den Mitteln der Kunst und der Wissenschaft“ in Berlin. Es wurde vom Deutschen Bundestag in Auftrag gegeben und finanziert „ohne ein bestimmtes Ergebnis zu erwarten, wohl wissend, dass das Ergebnis politisch relevant sein würde.“ So der Abgeordnete Rüdiger Kruse (CDU), dessen kurzer Beitrag den Sammelband „Das Anthropozän – Zum Stand der Dinge“ beschließt. Das Buch ist so etwas wie der Abschlussbericht des Projektes und gleichzeitig eine Einladung, den Anthropozändiskurs von hier aus weiterzuführen.

Jürgen Renn, Bernd Scherer (Hg): Das Anthropozän

Der Begriff des Anthropozäns wurde im Jahr 2000 bei einer wissenschaftlichen Tagung vom niederländischen Meteorologen und Chemienobelpreisträger Paul J. Crutzen vorgeschlagen. Seiner Ansicht nach ist der Einfluss des Menschen auf die Erde so enorm, dass man längst von einem neuen Erdzeitalter sprechen muss. Damit hätte das Anthropozän das Holozän abgelöst.

Bis heute ist das Anthropozän als Begriff oder erdgeschichtliche Kategorie nicht endgültig definiert, geschweige denn anerkannt. Der Diskurs, den Crutzens These nach sich zog, ist noch immer in vollem Gange und wird sich, bedenkt man seine immer größer werdende Reichweite, in den kommenden Jahren noch intensivieren. Er wird sich intensivieren müssen, möchte man sagen, wenn man bedenkt, welche fundamentalen, welche im Wortsinne globalen Fragestellungen und Probleme allein schon die Einführung des Begriffs nach sich zieht. Die Spannweite reicht von bekannten Problemen wie dem Klimawandel oder der Welternährung über die sich verändernde chemische Zusammensetzung der Erdatmosphäre bis hin zu biologischen, psychologischen und philosophischen Neubewertungen des Menschen an sich.

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Eine absurde, verrückte, brutale Welt

4. April 2016

Nach dem Album Push The Sky Away (2013), dem Film 20.000 Day On Earth (2014) und dem Buch The Sick Bag Song (2015) endet vorerst eine der produktivsten Phasen im Schaffen von Nick Cave. Was mich während dieser Zeit besonders interessiert hat, war die Formenvielfalt (Musik, Film, Text) bei gleichzeitiger Kohärenz des Inhalts, die wiederum eine lose verknüpfte Erzählwelt bildet. In The Sick Bag Song schlägt sich dieser Prozess sowohl ihnhaltlich, als auch formal nieder. Komprimiert und ufert aus…

Ziemlich weit am Anfang von Iain Forsyths und Jane Pollards Film 20.000 Days on Earth sieht man Nick Cave am Schreibtisch sitzen. Das Klackern der Schreibmaschine stottert erst ein wenig, wird dann immer rhythmischer, bis schließlich Caves warme Stimme aus dem off einsetzt. „Ich erschaffe eine Welt. Eine Welt voller Monster, Helden, Guter und Böser. Es ist eine absurde, verrückte, brutale Welt, in der Menschen vor Wut rasen und Gott tatsächlich existiert.“ 2013 war das, als der Australier mit seiner Band The Bad Seeds gerade am Album Push the Sky away arbeitete, das noch im selben Jahr erschien. Im Januar 2014 feierte 20.000 Days on Earth Premiere. 2015 schließlich erschien mit The Sick Bag Song ein Buch, das den Abschluss einer der wohl kreativsten Phasen in Nick Caves Künstlerbiographie bildet. Nun erschien The Sick Bag Song mit dem Untertitel Das Spucktütenlied auf Deutsch.

Entstanden ist das Buch aus Notizen, die Cave auf der Nordamerika-Tournee der Bad Seeds im Sommer 2014 anfertigte. Aufgeschrieben auf den Kotzbeuteln der Airlines, mit denen die Band unterwegs war. Der Übersetzer Eike Schönfeld wählt die etwas salonfähigere Bezeichnung Spucktüten. Cave hielt darauf Beobachtungen und Erlebnisse des Touralltags, Gedichte, Songtexte, kleine Szenen, Träume und Telefonate fest. Alles nach Datum und jeweiligen Konzertort geordnet und sogar mit Datumsstempel versehen. Die beschrifteten Tüten sind als Faksimiles abgedruckt und bilden sozusagen den gestalterischen Höhepunkt des Buches.

Die ganze Besprechung auch fixpoetry.com

https://vimeo.com/122744455 [Der Trailer zum Buch. Lässt sich bei WordPress leider nicht einbetten.]


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