Posts Tagged ‘Erfurt’

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7. Dezember 2017

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #11 – am 5.11. in Erfurt — In guter Nachbarschaft – Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

21. September 2016

Es ist derzeit etwas still auf der Novastation. Das liegt daran, dass ich so ein paar andere Sachen mache. U.a. solche schönen Veranstaltungen mitzuorganisieren, wie diese hier. Es ist nie zu früh sich solche Termine zu merken. 😉

Im Herbst gastiert “In guter Nachbarschaft” zum ersten Mal in Erfurt! Mit dabei sind diesmal der Siegener Autor Crauss, littlemanlost mit einem Heimspiel und, wie immer, regionale Autorentalente am offenen Mikrofon. Samstag, 5.11.2016 – Franz Mehlhose (Erfurt, Löberstraße 12) Beginn: 20 Uhr Eintritt: nur 3,- € DISKO LÜGT – Crauss liest Jungsgedichte und Herrenprosa. Der […]

über IN GUTER NACHBARSCHAFT #11 – am 5.11. in Erfurt — In guter Nachbarschaft – Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

Radio, Live Transmission

21. Juli 2016

Neben Radio machen ist zu Gast sein im Radio auch schön. Heute war ich im „Stadtgespräch“ beim Erfurter Radio F.R.E.I. Bei dieser Gelegenheit habe ich über unsere Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gesprochen und darüber, was ich sonst noch so mache. Eine kleine Lesung gab es auch.

Die Sendung kann man ab heute 7 Tage lang online nachhören.

Street Art Schicksal #2

21. Mai 2015

Eternal Bob Dylan. Gerade noch war ich etwas traurig darüber, dass das Dylan-Portrait am Benediktsplatz/Kreuzgasse verschwunden ist, da habe ich am nahkauf Nordhäuser Straße/Ecke Bergstraße ein neues Exemplar entdeckt. Es gibt Hoffnung für Erfurt!

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Zwei Hinweise noch. Es handelt sich hier nicht um ein „normales“ Stencil oder Graffiti, sondern um eine Kachel (oder Fließe?). Daher wurde am Benediktsplatz nichts überstrichen, sondern entfernt. Vielleicht sogar am Stück von einem Fan? // Und: Würde netto eine Eckkneipe betreiben, in der man auch Lebensmittel kaufen und Briefe verschicken kann, würde diese nahkauf heißen.

Street Art Schicksal

11. Mai 2015

Kürzlich wurde in Erfurt (Benediktsplatz/Kreuzgasse) das hier überstrichen. Wirklich schade. Aber Bobs Worte trösten auch darüber hinweg.

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LEA – Lesebühne Erfurter Autoren am 17. September 2014

12. September 2014

Am Mittwoch, 17. September 2014 lese ich Lyrik und Prosa bei der LEA – Lesebühne Erfurter Autoren. Das Ganze findet ab 20 Uhr im Café Duckdich (Engelsburg) in Erfurt statt.

Alle Infos von offizieller Seite gibt es hier:

https://www.facebook.com/events/614788685300949/?fref=ts

und hier:

http://www.eburg.de/events/2014/09/17/lea-lesebuehne-erfurter-autoren-36/#content

No Future

3. Juni 2013

Es war am 20. April 1999 als Eric Harris und Dylan Klebold an der Columbine High School in Littleton, Colorado einen bis dahin beispiellosen Amoklauf an einer Schule verübten. Obwohl mir das ganze Ausmaß dieser Tat damals noch nicht bewusst war, spührte ich schon, dass da etwas Unheimliches geschehen war. Als die Manson-Family Ende der 1960ern ihre Mordserie beging, war ich noch nicht geboren. Das Columbine-Massaker von Harris und Klebold war sozusagen das erste Verbrechen dieser Art, das ich bewusst wahrnahm. Im Jahr darauf begann ich mich intensiv für Gothic, Metal und den ganzen Kram zu interessieren. Es war eine gute Zeit um in die Schwarze Szene einzusteigen: Marilyn Manson veröffentlichte gerade das Album Holy Wood: In the Shadow of the Valley of Death, das ich auch und/oder vor allem heute noch als sein bestes Studioalbum und eine der einflussreichsten und wichtigsten LPs im Alternativesektor der 2000er Jahre bezeichnen würde.

Ich war von der Platte sofort elektrisiert. Ich wurde zum Fan, der jede Zeitschrift kaufte in der Interviews, Konzertberichte und sonstiges Material über Marilyn Manson publiziert wurde. Ich habe das alles intensiv gelesen, die Songtexte übersetzt und und und… Marilyn Manson: Popikone und fleischgewordener Albtraum des Bürgertums in einem. Monroe und Charles zu einem Schockhybriden mit Glamfaktor verschmolzen. Ich fand ihn genial. Manson war die Art von Künstler, die es meiner Meinung nach (auch heute noch) dringend brauchte, um der verlogenen westlichen Welt den Spiegel vorzuhalten.

Woher kam aber diese Aggression, die sich mit solch unglaublicher Kraft in Mansons Musik niederschlug? Kurz gesagt: Aus dem Amerika Bill Clintons, dass ihm eine Mitschuld am Amoklauf in Littleton attestierte. Harris und Klebold hörten ebenso leidenschaftlich wie ich die Songs von Marilyn Manson, die von Tod, Wut und Verzweiflung handelten. Laut den Meinungen vieler so genannter Medienexperten waren er und seine Musik ein Hauptgrund für die Verderbtheit der Jugend, die sich nun in Waffengewalt äußerte. Manson selbst äußerte sich zu den Vorwürfen, die auch die Bands Rammstein und KMFDM trafen, kaum. Legendär ist hingegen sein Auftritt in der Michael Moore-Doku „Bowling for Columbine“, die sich mit dem Columbine-Massaker und der Waffenkultur in den USA auseinandersetzt.

Nach seiner sehr intelligenten und pointierten Analyse über die öffentliche Hexenjagd auf ihn, antwortete Manson noch einmal auf seine Art. Das Album Holy Wood ist Abrechnung und Aufarbeitung in einem. Ein großartiges Konzeptalbum über Guns, God & Government mit Songs wie Disposable Teens, The Fight Song oder The Nobodies, die den Finger in die Wunde einer verletzten, verstörten und verlogenen Gesellschaft legte. Ein Album wie einer Faust in der Magengrube des wohlig eingerichteten Bürgertums. Ein Album, wie es heute an allen Ecken und Enden fehlt. Und die Platte wurde gehört. Weit über die Grenzen der so genannten Alternativeszene hinaus. Marilyn Manson wurde endgültig zum kommerziell erfolgreichen Superstar, der sogar in der Dorfdisco den Bürgerkindern vorgespielt wurde. Welch Ironie.

Auf dem Album Holy Wood befindet sich ein Song, der es mir schon bei Erscheinen imJahr 2000 angetan hatte und heute immer noch zu meinen absoluten Lieblingsliedern zählt, weil es sehr authentisch von einer desillusionierten Jugend erzählt. The Death Song hier in freier Übersetzung:
Wir sitzen auf einer Kugel

und bewegen uns direkt auf Gott zu

auch er will es beenden

Wir nehmen eine Pille, verziehen das Gesicht

lösen ein Ticket

und hoffen, dass es den Himmel wirklich gibt

Im Fernsehen habe ich einen Cop einen Priester schlagen sehen

und die wissen, dass sie auch unsere Helden getötet haben
Wir singen den Death Song Kinder

denn wir haben keine Zukunft

Und wir wollen doch nur wie ihr sein

Und wir wollen doch nur wie ihr sein
Kinder, lasst uns den Death Song singen
Wir zünden eine Kerze für eine Erde an

die wir zur Hölle gemacht haben

und geben vor, wie wären im Himmel

Wann immer wir das tun

bekommen wir ein Blindenticket

und wissen: nichts davon ist wahr

Im Fernsehen habe ich einen Priester einen Cop töten sehen

und ich weiß jetzt, dass das auch unsere Helden sind
Wir singen den Death Song Kinder

denn wir haben keine Zukunft

Und wir wollen doch nur wie ihr sein

Und wir wollen doch nur wie ihr sein
Wir schreiben unsere Gebete auf eine kleine Bombe

Küssen sie zum Abschied und senden sie an Gott
Wir singen den Death Song Kinder

denn wir haben keine Zukunft

Und wir wollen doch nur wie ihr sein

Und wir wollen doch nur wie ihr sein
Wir waren einst die Welt

doch wir haben keine Zukunft

und wir wollten doch nur wie ihr sein

wir wollten so wir ihr sein

Am 26. April 2002, also fast genau drei Jahre nach dem Columbine-Massaker, verübte Robert Steinhäuser den Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Ich war damals Schüler in Thüringen und wohnte nur etwa 60 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt. Ich hatte mich inzwischen intensiv mit Columbine beschäftigt und trug auch in der Schule nur noch schwarze Klamotten. Auf einmal wurde ich von manchem Lehrer kritisch beäugt, wurde von ihnen gefragt was ich eigentlich für Musik höre und habe ihnen CDs ausgeliehen. Marilyn Manson, Slipknot und sogar das Album Lektionen in Demut von Thomas D stießen auf wenig Verständnis. Ob ich nicht glaube, dass solche Musik depressiv machen und ein zu negatives Weltbild zeichnen würde, wurde ich gefragt? Ich verneinte und sagte, eigentlich sprechen mir Manson und Thomas D aus der Seele. Damit war das Thema beendet, was mich auch heute noch etwas wundert. Das war’s also in Sachen zuhören?

Nach den Nachrichten und Bildern aus Erfurt ging es mir nicht gerade gut. Und ironischerweise war ich wohl derjenige in meiner Klasse, dem das ganze am nächsten ging. Weil ich die Berichte aus Littleton kannte, die Polizeifunkaufnahmen gehört hatte, Interviews mit Überlebenden gesehen habe… und weil es jetzt in Erfurt passiert war. Nicht weit weg. Und ich stellte mir vor, was wohl gewesen wäre, wenn der Amoklauf an meiner Schule passiert wäre und Menschen die ich kannte und mochte erschossen auf den Gängen gelegen hätten und so weiter.

Und dazu kam dann auch wieder die Wut und der Ekel, den ich schon aus den Songs von Marilyn Manson kannte. Der ganze Abscheu vor der heuchelnden Welt der Erwachsenen. Die Lehrer zeigten sich ein paar Tage betroffen, überprüften dann den Typen, der ausschließlich in schwarz an der Schule rumlief und beteten danach ihr ewig gleiches Lamento von der Wichtigkeit der Schulnoten und dem Versagen im Leben im Falle des Versagens in der Klassenarbeit.

Bedeutend einfühlsamer ging hingegen der Filmemacher Gus van Sant mit diesem Thema um. Van Sant gilt als Spezialist für problematische Jugendthemen und ist auch deshalb einer der von mir meistgeschätzten Regisseure überhaupt. Weil ich weiß, die eindringlich seine Filme sein können habe ich mich lange vor seinem Film Elephant gedrückt, aber letztens doch endlich gesehen. Auch das ist ein Grund, warum ich heute über Amokläufe und Marilyn Manson geschrieben habe. Ein Thema, das mir auf der Seele brennt. Immernoch.

EDIT: Marilyn Manson malte auch ein Aquarell, dass auf den Amoklauf an der Columbine High School bezugt nimmt. Es zeigt die Portraits von Harris und Klebold auf einer Hand, die das Peace-Zeichen formt. Titel: Crop Failure.

Quelle: marilynmanson.com


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