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Architekturen der Apokalypse (Teil VI)

11. April 2013

4. Alfred Kubin – Die andere Seite (1909)105

Alfred Kubin ist heute vor allem als Grafiker und Buchillustrator bekannt. Sein im Herbst 1908 entstandener Roman Die andere Seite ist die einzige größere literarische Arbeit des gebürtigen Österreichers. Das Buch erschien 1909 mit 51 Zeichnungen des Autors und rief sofort ein breites Echo vor allem bei anderen Künstlern und Schriftstellern hervor. Die andere Seite gilt bis heute als einer der bedeutendsten Romane der deutschsprachigen Phantastik und übte großen Einfluss auf die Literatur des Expressionismus aus.

Bisher wurde der Roman in der Forschung vor allem unter biografisch gestützten, psychoanalytischen Aspekten interpretiert. Ferner wurde er auch als politische Allegorie gelesen. Die zahlreichen religiösen Motive und Anspielungen im Text wurden hingegen noch nicht systematisch untersucht. Im Hinblick auf die Bezugnahme Kubins zur biblischen Offenbarung soll im Folgenden vor allem ein erster Zugriff auf das religiöse Spektrum des Romans gegeben werden.

4.1 Inhalt

Die Handlung des Romas wird vom Protagonisten, dessen Namen der Leser nicht erfährt, retrospektiv in der ersten Person erzählt. Der Erzähler ist, wie Kubin selbst, von Beruf Zeichner und Illustrator. Der Text weist durch seine Einteilung in Teile und Kapitel eine durchkomponierte Struktur auf. Der erste Teil trägt den Titel Der Ruf. Darin erfährt der Leser zunächst von den Lebensumständen des Zeichners, der sich in München „schlecht und recht durchs Leben“ (10) schlägt bis er eines Nachmittags Besuch von einem Unbekannten erhält. Der Unbekannte stellt sich mit dem Namen Franz Gautsch vor und überbringt dem Protagonisten eine Nachricht von dessen ehemaligem Schulkameraden Claus Patera. Patera, der „[d]urch einen eigentümlichen Zufall […] zu dem vielleicht größten Vermögen der Welt“ (10f.) kam, hat in der weiten Steppenlandschaft Zentralasiens einen eigenen Staat, das Traumreich gegründet, dessen Zentrum die Stadt Perle bildet. Das Leben im Traumreich wird bestimmt von der Ideologie, dass „alles Fortschrittliche, namentlich auf wissenschaftlichem Gebiete“ (11) strikt abgelehnt wird.

„Das Reich wird durch eine Umfassungsmauer von der Umwelt abgegrenzt und durch starke Werke gegen alle Überfälle geschützt. Ein einziges Tor ermöglicht den Ein- und Austritt und macht die schärfste Kontrolle über Personen und Güter leicht. Im Traumreiche, der Freistätte für die mit der modernen Kultur Unzufriedenen, ist für alle körperlichen Bedürfnisse gesorgt.“ (11)

Patera selbst ist der absolute Herrscher über dieses Reich und wählt sorgfältig aus, wer in Frage kommt, Teil davon zu werden. Der Erzähler und dessen Frau erhalten nicht nur die Einladung, Bürger des Traumreiches zu werden, sondern auch einen Scheck über 100.000 Mark. Die beachtliche Summe überzeugt den zunächst zweifelnden Protagonisten dem Ruf Pateras zu folgen. Nur dessen Frau, deren Gesundheitszustand angegriffen ist, zweifelt bis zuletzt an der Idee vom Traumreich und hat bezüglich Patera ein ungutes Gefühl. Ihrem Mann zuliebe nimmt sie dennoch die beschwerliche Reise auf sich.

Als das Paar schließlich in Zentralasien ankommt, wird ihr Gepäck einer genauen „Inspektion“ (42) unterzogen. Allzu moderne Gegenstände wie ein Foto- und ein Rasierapparat werden dabei konfisziert. Nun sind die beiden bereit das Traumreich zu betreten. Die Durchquerung des Eingangstores wird als Tunnelerlebnis beschrieben, das sowohl einer Nahtoderfahrung als auch einem (Wieder-)Geburtsprozess gleicht.

Der zweite Teil des Romas trägt den Titel Perle. Darin beschreibt der Erzähler in erster Linie die geografischen Gegebenheiten der Stadt und des restlichen Traumreiches. Der Profession eines Zeichners und Illustrators gemäß schildert der Erzähler detailreich das Aussehen der Straßen und Gebäude und gibt einen Einblick in den Alltag und das gesellschaftliche Zusammenleben der „Traummenschen“. Diese fallen dem Neuankömmling vor allem durch ihre veraltete Mode auf, die dem Stand von 1860 entspricht. Diese Jahreszahl gilt im fortschrittsfeindlichen Traumreich als genereller Grenzwert zur modernen Welt. Sämtliche Gegenstände, Kleider, Baustile und dergleichen, die später entstanden, werden nicht nur abgelehnt, sondern sind schlichtweg verboten.

Trotz einiger widriger Umstände, wie rücksichtlose Nachbarn, einem undurchschaubaren bürokratischen System und einer auf Zufall basierenden Geldwirtschaft lebt sich der Protagonist schnell in Perle ein. Er erhält eine Stelle als Zeichner beim „Traumspiegel“ und wird gebeten „möglichst Grelles und Schauriges!“ (65) zu liefern, da der Verleger die Auflagenstärke des Blattes heben will. Fortan führt der Zeichner ein auskömmliches Leben im Kaffeehaus, wo er mit der Zeit einige Freunde findet, die ihm so manche Gepflogenheit im Traumreich erklären. Keine ausreichende Erklärung bekommt er jedoch über den religiösen Kult der Traumstadt, dem so genannten „Uhrbann“. Dieser besteht darin, dass man „[z]u bestimmten Stunden“ (79) den Uhrenturm auf dem Hauptplatz Perles betritt und vor einer Steinwand die Worte „Hier stehe ich vor Dir!“ (81) ausspricht. Der Erzähler berichtet, dass diese Handlung nicht freiwillig abläuft. Man wird geradezu hypnotisch von dem Turm angezogen und zu dieser kultischen Handlung hingerissen. Die Traummenschen fügen sich in dieses Schicksal und hinterfragen es nicht, da sie es ohnehin nicht vollends erklären können.

Als die kränkelnde Frau des Erzählers eines Tages Patera in den Straßen Perles begegnet, ist sie von dessen Anblick zu Tode erschrocken. In der Folge dieses Erlebnisses verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Frau zusehends. Die schweren Angstzustände, die sie unaufhörlich plagen, sollen durch einen Ausflug in die Berge des Traumreiches gemildert werden. Allerdings verschlechtert sich das Befinden der Frau dadurch nur noch weiter, sodass das Paar bald wieder in die Stadt zurückkehrt. Hier schafft es der Erzähler nun endlich Patera persönlich zu treffen. Verschiedene Versuche ihm zu begegnen schlugen bis dahin fehl. Bei diesem unheimlichen Treffen bittet der Zeichner den Herrn des Traumreiches seiner Frau zu helfen. Patera betont seinen allumfassenden Status als Herr über die Geschicke im Reich und verspricht Hilfe für die Kranke. Als der Erzähler schließlich zu seiner Frau zurückkehrt, liegt diese bereits im Sterben. Wenige Tage nach ihrem Tod erscheint in Perle ein geheimnisvoller Mann „mit vielem Gold“ (146) namens Herkules Bell, der vielfach nur „der Amerikaner“ genannt wird.

Der mit Der Untergang des Traumreichs betitelte dritte und letzte Teil nimmt etwa die Hälfte des Romans ein. Der aus Philadelphia stammende Herkules Bell nimmt darin die „verrottete Geldwirtschaft“ (161) in seine Hand. „Dieser Milliardär geizte keineswegs mit seinem Reichtum, das Traumland wurde von ihm mit Gold geradezu überschwemmt.“ (161) Aufgrund des plötzlichen luxuriösen Überflusses verfallen die Bewohner der Traumstadt in einen „unsinnige[n] Taumel“ (161). Der Amerikaner tritt nun offen als Gegner Pateras auf und verkündet in einer Proklamation, dass die Bürger Perles bisher „einer Massenhypnose“ (172) durch den Herrn verfallen waren. Bell schafft es, immer mehr Anhänger um sich herum zu versammeln und in einem Club mit dem Namen Luzifer zu organisieren. Daraufhin lässt Patera „eine unwiderstehliche Schlafsucht“ (186) über das Traumreich kommen, die alle Bewohner mit Ausnahme Bells ergreift. Nachdem die Traummenschen wieder erwachen, finden sie Perle von Tieren beherrscht vor. Diese plagen die Menschen und erschweren ihnen ein normales Weiterleben. Schließlich setzt ein allmählicher Verfall des ursprünglichen Traumreiches ein, der als „Die Zerbröckelung“ (196) bezeichnet wird. Die Zerbröckelung betrifft auch die Lebensmittel, die immer schneller verderben und somit ungenießbar werden. Infolgedessen stirbt ein Großteil der Bewohner in so kurzer Zeit, dass die Leichen nicht mehr ordentlich begraben werden können.106 Zudem droht, neben dem inneren Zerfall, nun auch die Außenwelt, vor der das Reich bisher behutsam abgeschottet war, mit einer Invasion. In einem Brief an den englischen Premierminister bezeichnet Herkules Bell das Traumreich als Ort der Gefangenschaft und Sklaverei. Als Grenzreich erhält Russland das Mandat militärisch einzugreifen.

Unterdessen kommt es zu einem Entscheidungskampf zwischen Patera und dem Amerikaner, aus welchem Letzterer als Sieger hervorgeht. Patera stirbt und der Zeichner, der die endzeitlichen Ereignisse als Augenzeuge verfolgte, kehrt zurück in seine deutsche Heimat, um das Erlebte in einem Buch festzuhalten.

4.2 Die Traumstadt Perle als neues Jerusalem

Vor der genauen Betrachtung der Traumstadt Perle und einem Vergleich der dieser mit dem neuen Jerusalem soll zunächst noch einmal ein kurzer Schritt zurück gewagt werden. Bei aller visionären Kraft, die dem Bild der herabkommenden Himmelsstadt und des Reiches Gottes auf Erden inhärent ist, ist es doch eine andere Wirklichkeit, die in der Zeit der Abfassung der Offenbarung zu Johannes spricht.

„In der Zeit, da Johannes sein Werk schreibt, liegt Jerusalem zerstört da, während die Metropole Rom prachtvoll glänzt und sich pulsierenden Lebens erfreut. In den Visionen verhält es sich genau umgekehrt. Aus Roms Trümmern steigt nur noch Rauch auf (Apk 18, 9. 18), der von seiner vollkommenen Zerstörung zeugt. Dagegen erstrahlt Jerusalem in nicht zu überbietender Schönheit und hat unvorstellbare Ausmaße.“107

Im Zuge dessen stellt Klaus Wengst die Frage, ob Johannes durch die bloße Umkehrung der Wirklichkeit nicht schlicht in eine Traumwelt flüchtet. Er beantwortet diese Frage, indem er die Offenbarung als „Versuch eines Ohnmächtigen“ wertet, der gegen die Weltgeschichte anzuschreiben versucht.108 In dieser neu- bzw. umgeschriebenen Weltgeschichte wird folgerichtig wieder ein Platz für Gott offen gehalten.

In Kubins Roman wird ebenfalls die Vision einer Traumwelt geschaffen, die innerhalb der fiktionalen Welt der Anderen Seite in Form des Traumreiches von Patera Wirklichkeit geworden ist. Für die Figuren stellt es einen existenten Zufluchtsort vor der modernen Welt dar und bildet den zentralen Handlungsort der Story. Der Mittelpunkt dieses Reiches ist wiederum durch eine Stadt mit dem sprechenden Namen Perle markiert. Sowohl das Reich als auch die Stadt weisen erstaunliche Gemeinsamkeiten mit dem in der Bibel beschriebenen neuen Jerusalem auf. Pateras Schöpfung scheint geradezu von der biblischen Himmelsstadt inspiriert zu sein. Es lassen sich jedoch auch zahlreiche Unterschiede zwischen den Metropolen feststellen. So weist Perle eine Reihe architektonischer Fehler auf, welche mit der Missachtung der ideellen Werte, für die das neue Jerusalem steht, einhergehen.

Das Traumreich ist ein von Claus Patera synthetisch geschaffener Staat, der in der weiten Steppenlandschaft Zentralasiens „auf dem gleichen Breitengrad wie München“ (25) liegt und an Russland grenzt.109 Seine Ausdehnung von genau 3000 Quadratkilometern gibt einen ersten Hinweis auf dessen Künstlichkeit. Die runde Zahl betont, ähnlich wie die Symbolzahlen des neuen Jerusalem, den Modellcharakter des Reiches. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Stadt- bzw. Staatsmauer, die die räumlichen Ausmaße klar begrenzt. Sowohl in der Bibel als auch bei Kubin stellt sie ein architektonisches Hauptmerkmal des jeweiligen Reiches dar. Entgegen dem neuen Jerusalem befindet sich in der Mauer des Traumreiches jedoch nur ein einziges Tor. Entsprechend beläuft sich die Höhe der Anfangsbevölkerung auf „zwölftausend Seelen“ (11). Das ist genau die Anzahl von Versiegelten aus einem der zwölf Stämme Israels, wie in der Johannes-Offenbarung zu lesen ist. Zum Zeitpunkt, da der Erzähler Einwohner des Traumreiches wird, ist die Bevölkerungszahl jedoch bereits auf 65.000 Menschen gestiegen. Behält man bei dieser Betrachtung den biblischen Vergleich bei, muss man ein doppeltes Ungleichgewicht zwischen Bevölkerung und Toren des Traumreiches feststellen. Nicht nur, dass pro 12.000 Einwohnern keine weiteren Tore angelegt wurden; da 65.000 kein Vielfaches von 12.000 ist, ist eine Wiederherstellung der Harmonie zwischen der Bevölkerungszahl und der Anzahl der Tore nicht möglich.110 Anders als im neuen Jerusalem entsteht hier eine Pferchsituation, die dadurch verstärkt wird, dass die Mauer des Traumreiches in ihren „kolossalen Dimensionen“ (47) einem „Festungswall“ (51) gleicht. Das Tor dieses Walls ist folgerichtig immer verschlossen, sodass es den Bewohnern nicht möglich ist, nach Belieben ein- und auszugehen. „Wer sich, dem Ruf des Herrn folgend, zum Umzug in das Traumreich entschlossen hat, kehrt von dort nicht mehr zurück[.]“111 Der oben erwähnte Gedanke einer partizipatorischen Völkergemeinschaft wird somit undenkbar. Der „strenge Abschluß von der Außenwelt“ (24) ist ein weiteres Hauptmerkmal des Traumreiches und zugleich ein erster Hinweis darauf, dass es untergehen muss.112 Denn sowohl nach klassisch-architektonischem als auch nach ideengeschichtlichem Verständnis werden Städte durch Mauern definiert, nicht aber Staaten.113

Die Abschottung nach außen dient dazu, den im Traumreich herrschenden „Stil der Lebensführung möglichst rein zu bewahren“ (24). Dieser Stil zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass ein außerordentlicher Widerwille gegen den Fortschritt gehegt wird. Die Traumstadt Perle weist daher den Entwicklungsstand des Jahres 1860 auf, das als „äußerste Grenze“ (22) der Geschichte gilt. Sämtliche Kleidungsstücke und Gegenstände, die später gefertigt wurden, sind im Traumreich verboten und werden bei der Einreise konfisziert (vgl. 42ff.). Gleiches gilt auch für die Architektur Perles. Diese setzt sich ausschließlich aus alten Gebäuden zusammen, die Patera in Europa erworben hat, „[g]eistvoll in einzelne Stücke“ (21) zerlegen und in der Traumstadt wieder zusammensetzen ließ. Ähnlich dem neuen Jerusalem entstand also auch Perle aus „auserlesenen Edelsteinen“, die sich für Patera jedoch nicht durch ihren materiellen, sondern durch den ideellen Wert ihres Alters auszeichnen. Auch die Beschreibung der äußeren Stadtränder weist eine Gemeinsamkeit mit der biblischen Himmelsstadt auf. So sind die natürlichen Grenzen Perles ebenso wie die vier Seiten des neuen Jerusalems deckungsgleich mit den vier Himmelsrichtungen. „Im Norden das Gebirge, im Osten der Fluß, im Westen der Sumpf, hätte sich die Stadt nur noch nach Süden hin ausdehnen können.“ (59) Im Süden befinden sich jedoch nur noch die unbebaubaren Tomassicfelder, auf die später noch einmal kurz eingegangen werden wird.

Ebenso wie bei Johannes ist auch bei Kubin implizit von einer Begrenzung der Stadt nach oben die Rede. Demzufolge hängen über Perle „Wolken bis tief zur Erde herab“, die das „blaue Firmament“ (55) verschlossen halten. Fehlten im neuen Jerusalem Sonnen- und Mondlicht aufgrund der übermächtigen Strahlkraft des göttlichen Glanzes, so ist eine hermetische Wolkenkuppel für die ständige Abwesenheit der Gestirne in der Traumstadt verantwortlich. Mit Hilfe einer Attrappe wird dagegen versucht das Fehlen des Mondes zu kompensieren (vgl. 109). In der Folge des abwesenden Sonnenlichtes grünen in Perle keine Pflanzen. Grau und Braun sind die vorherrschenden Töne, „das Beste, die Buntheit“ (56) fehlt. „Ähnlich gegensatzlos verhielten sich die Jahreszeiten. Ein fünf Monate langes Frühjahr – fünf Monate Herbst; dauerndes Zwielicht in der Nacht kennzeichneten den kurzen, heißen Sommer, endlose Dämmerungen und ein paar Schneeflocken den Winter.“ (56) Aufgrund dieser deprimierenden Schilderungen seiner Eindrücke kommt der Erzähler zu einem gleichsam pessimistischen Fazit. „Hier war Perle, die Hauptstadt des Traumreichs, errichtet. Schwermütig düster wuchs sie aus dem kargen Boden in farbloser Einförmigkeit.“ (56) Was hier dargestellt wird, ist eine Totenstadt, die ihren eigenen Untergang geradezu antizipiert.

Die innere Stadtstruktur scheint sich nicht wesentlich vom Aufbau einer europäischen Großstadt zu unterscheiden. Den Beschreibungen des Erzählers zufolge

„gliederte sich Perle in vier Hauptteile. Das Bahnhofsviertel, an einem Sumpfe gelegen, gänzlich verräuchert, enthielt die öden Verwaltungsbauten, das Archiv, die Post. Es war ein unerfreulicher, langweiliger Bezirk. Die sogenannte Gartenstadt, der Wohnsitz der Reichen, schloß sich an. Dann die Lange Gasse; sie bildete das Geschäftsviertel. Hier wohnte der Mittelstand. Gegen den Fluß zu war ihr Charakter mehr ein dorfartiger. Von der Langen Gasse bis an den Berg gedrückt lag der vierte Distrikt: das französische Viertel. Dieser kleine Stadtteil mit seinen viertausend Einwohnern, Romanen, Slawen und Juden, galt als verrufene Gegend. Die bunt zusammengewürfelte Menge hockte da in alten Holzhäusern eng aufeinander. Winkelgäßchen und überriechende Spelunken enthaltend, war dieses Viertel nicht gerade der Stolz von Perle.“ (57ff.)

Zum besseren Nachvollzug der Schilderungen weist der Erzähler selbst auf den dem Roman beigefügten Stadtplan hin (Abb. 3). Darin lässt sich am nördlichen Stadtrand das eigentliche Herzstück Perles ausmachen, der Palast Pateras. Ähnlich dem Jerusalemer Tempel sowie dem Himmlischen Jerusalem erhebt er sich auf einem Berg über der Stadt. Hier wird bewusst eine Entsprechung zum Tempelberg in Jerusalem geschaffen, um die Bedeutung des Baus hervorzuheben. Kubins Erzähler beschreibt den Palast im Text mehrfach. Er erscheint ihm „unheimlich[en]“ (62), von „monströser und ungeschlachter Größe“ (59) und als „ein gigantischer Würfel“ (109), der in den Himmel ragt. Das zuletzt genannte Merkmal lässt wieder an die harmonisierende Kubusgestalt des neuen Jerusalem denken, wie in Kapitel 3.4.2 zu lesen war. Allerdings verleihen die Attribute unheimlich, monströs und gigantisch dem Palast alles andere als einen harmonischen Charakter. Trotz der Ähnlichkeiten mit der biblischen Tempelanlage wirkt seine Erscheinung vor allem bedrohlich, keineswegs aber tröstlich.

Der fundamentale Unterschied zum neuen Jerusalem besteht nun aber darin, dass die Stadt gar keinen Tempel in sich beherbergt. Dies wird begründet mit der Abschaffung der Herrschaft des Menschen über andere, da allein die Allgegenwart Gottes hier über den Menschen gebietet. Im Traumreich Kubins scheint die alte Hierarchie jedoch noch immer zu bestehen. Sie manifestiert sich in Claus Patera, dem absoluten Herrn über das Traumreich. Es verwundert in diesem Zusammenhang auch wenig, dass der Palast ebenfalls aus ausgewählten Steinen, namentlich Trümmern europäischer Herrschafts- und Repräsentationsgebäude wie dem Eskorial, der Bastille, dem Hradschin oder gar dem Vatikan zusammengesetzt wurde (vgl. 173). Neben dem Herrschaftsanspruch Pateras wird hier zusätzlich noch einmal dessen Rückwärtsgewandtheit betont.

Der künstlich herbeigeführte Anachronismus des Traumreiches rührt aus einem „tiefen Widerwillen“ Pateras „gegen alles Fortschrittliche, namentlich auf wissenschaftlichem Gebiete“ (11). Was sich hinter diesem strikt geäußerten, jedoch nur unscharf formulierten Dogma verbirgt, erfährt der Leser bei genauer Betrachtung der Einwohner Perles. Diese werden unter anderem als „mit der modernen Kultur Unzufriedene“ (11) bezeichnet. Vielmehr müsste man sie jedoch von der modernen Kultur Überforderte nennen. So gehörte „ein großer Teil der Traumleute früher zu den ständigen Gästen der Sanatorien und Heilanstalten.“ (25) Diese von der Wissenschaft, hauptsächlich der modernen Psychologie und neu entstanden Psychoanalyse, als geisteskrank Stigmatisierten finden in der Rückwärtsgewandtheit des Traumreiches ein entschleunigtes Leben. Hier können „sich selbst die nervösesten Menschen in kurzer Zeit außerordentlich wohl fühlen“ (25) und ihre überreizten Nerven entspannen. Es scheint eindeutig, dass Kubin hier eine Problematik im Blick hat, die von den Geisteswissenschaften heute meist als „Großstadtdiskurs der Moderne“ bezeichnet wird.114 Einer der zentralen Texte dieses Diskurses ist zweifellos Georg Simmels Aufsatz Die Großstädte und das Geistesleben von 1903. Simmel stellt fest, dass der moderne Großstädter einer „Steigerung des Nervenlebens“ ausgesetzt ist, hervorgerufen durch den ununterbrochenen Strom an urbanen Reizen.115 Diese Reizüberflutung führt unter anderem zu einer Unfähigkeit neue Reize aufzunehmen. Daraus resultiert wiederum die viel zitierte Blasiertheit, die Simmel für eine ganz und gar großstädtische Erscheinung hält. Blasiertheit ist hier jedoch nur bedingt negativ konnotiert, hilft sie doch dem Individuum aus der Masse der Großstadt heraus zu stechen und seinen Platz zu definieren. Dem Blasierten kann man auch in Perle begegnen. Er hat hier seinen Platz unter Hysterikern, „Hypochonder[n], Spiritisten, tollkühne[n] Raufbolde[n], […] Taschenspieler[n], Akrobaten, politischen Flüchtlinge[n], ja selbst im Ausland verfolgte[n] Mörder[n], Falschmünzer[n] und Diebe[n]“ (60) gefunden. Ähnlich den Versiegelten aus den zwölf Stämmen Israels, die von Johannes genannt werden, handelt es sich hier um eine Auslese. Bürger des Traumreiches wird man nämlich nur durch die persönliche Berufung Pateras. Angesichts der im Text genannten Aufzählungen und Beschreibungen derjenigen, die den Straßen Perles ein Gesicht geben, muss man jedoch von einer zweifelhaften Elite sprechen.

Entsprechend fragwürdig gestaltet sich das soziale Miteinander im Traumreich. Unmissverständlich ist im Text davon die Rede, dass „[d]ie vornehmsten Ziele dieser Gemeinschaft […] weniger auf die Erhaltung der realen Werte, der Bevölkerung und Einzelwesen gerichtet“ (12) sind. Es stellt sich hier unweigerlich die Frage, ob eine Gesellschaft ohne gültigen Wertemaßstab überhaupt funktionieren kann oder ob ihr Untergang dadurch nicht schon besiegelt ist. Weiterhin gehört es

„zum Wesen des Traummenschen […], daß er in die Tiefe strebt. Alles ist auf ein möglichst durchgeistigtes Leben angelegt; Leid und Freud der Zeitgenossen sind dem Träumer fremd. […] Am ehesten dürfte noch, wenigstens vergleichsweise, der Begriff ‚Stimmung’ den Kern unserer Sache treffen. Unsere Leute erleben nur Stimmungen, besser noch, sie leben nur in Stimmungen; alles äußere Sein, das sie durch möglichst ineinandergreifende Zusammenarbeit nach Wunsch gestalten, gibt gewissermaßen nur den Rohstoff.“ (12f.)

Die Traummenschen scheinen nicht miteinander, sondern aneinander vorbei zu leben. Jegliches öffentliche Leben bietet für diesen Zustand lediglich eine Bühne, auf der die psychischen Eigenheiten ausgelebt werden können. „Anneliese Hewig weist zu Recht darauf hin, dass gerade wegen der ‚Verkapselung’ in der eigenen Stimmung keine echte Kommunikation zwischen den Individuen des Traumreiches zustande kommen kann.“116 Das Gesellschaftsmodell Perles widerspricht also voll und ganz der Vorstellung von Gemeinschaft wie sie Johannes sich erhofft. Zwar gibt es hier eine geschlossene Gesellschaft Gleichdenkender, doch scheint deren gemeinsame Basis in ihrer Gesellschaftunfähigkeit zu bestehen. Der Leidensgemeinschaft der Moderneverweigerer wird in der Traumstadt lediglich eine räumliche Zuflucht geboten. Hier findet allenfalls eine Symptombehandlung statt, nicht aber eine Therapie ihrer Ursachen.

Ein Miteinander scheint es hingegen zwischen den Gebäuden Perles zu geben. Wie bereits angedeutet, geben diese der Stadt ihr eigenes Gepräge dadurch, da es sich ausschließlich um umgesetzte Altbauten aus Europa handelt. Neben diesem besonderen äußeren Merkmal bekommen sie zudem ein wahres Seelenleben zugesprochen.

„Oft war es mir, als ob die Menschen nur ihretwegen da wären und nicht umgekehrt. Diese Häuser, das waren die starken, wirklichen Individuen. Stumm und doch wieder vielsagend standen sie da. Ein jedes hatte so seine bestimmte Geschichte, man mußte nur warten können und sie stückweise den alten Bauten abtrotzen.“ (74)

Die Diskrepanz zwischen der Leblosigkeit und Lebhaftigkeit sowohl der Menschen als auch der Häuser Perles unterstreicht den Ersteindruck vom Traumreich als zwielichtigen Ort. Die Schilderungen des Erzählers geben zu bedenken, ob das von Patera geschaffene Traumreich wirklich eine traumhafte Alternative, ein neues Jerusalem für die Aussteiger aus der modernen Gegenwart ist. Als der Zeichner mit seiner kranken Frau die Abgeschiedenheit der ländlichen Gebiete sucht, stellt er einen entscheidenden Unterschied zwischen den Bewohnern Perles und der Landbevölkerung fest. „Trotzdem viele von ihnen gebückten Tieren glichen, gefielen sie mir doch besser als die Städter. Sie schienen weniger zerrissen und gehetzt.“ (117) Der Typus des nervlich überlasteten Großstädters ist als trotz aller Bemühungen auch im Traumreich noch anzutreffen. Dementsprechend ist es fraglich, ob dieser Typus eine immanente Erscheinung des frühen 20. Jahrhunderts ist, ob allein eine Verweigerung der Gegenwart die nervliche Überreizung lindert und ob eine Verweigerung gegenüber der historischen Kontinuität überhaupt gelingen kann.

Im Hinblick auf den Anachronismus des Traumreiches sei an dieser Stelle noch einmal auf Klaus Wengst verwiesen.117 Er stellte fest, dass die gegenwärtige Wirklichkeit sich für Johannes derart bedrängend darstellt, sodass es nur einen völligen Abbruch, nicht aber eine Kontinuität von Welt und Geschichte geben kann. Ähnliches gilt auch für Patera, der in seiner modernen Gegenwart eine Welt wahrnimmt, die das Individuum überfordert und psychisch zerstört. Mit einer Neuschöpfung, ähnlich dem neuen Jerusalem, versucht er dem gegenwärtigen Zustand entgegenzuwirken. Wie auch bei Johannes bleibt diese Neuschöpfung der Empirie des Irdischen verhaftet. Im wahrsten Sinne des Wortes durchziehen Elemente des Alten die neue Schöpfung, indem das neue Reich aus alten Ideen und Gebäuden errichtet wird.

Der grundlegende Unterschied zur Offenbarung zeigt sich darin, dass in Kubins Roman kein wirklicher Abbruch der historischen Kontinuität stattfindet. Das Traumreich konstruiert lediglich einen anachronistischen Zustand, der nur innerhalb seiner hermetischen Abriegelung Gültigkeit besitzt. In der Außenwelt laufen die Uhren hingegen wie gewohnt weiter. Der Weltgeschichte wird hier nicht entgegengewirkt, man versucht sie nur zu ignorieren. Bei Johannes findet hingegen ein klarer Abbruch der Herrschaft Babylons statt. Darüber hinaus lässt das schöpferische Handeln Gottes eine neue Kontinuität entstehen, indem er einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft. Diese allmächtige Qualität fehlt Patera, dessen Schöpfung folgerichtig stets dem Irdischen verhaftet bleibt.

105 Kubin, Alfred – Die andere Seite [1909]. Ein phantastischer Roman. Mit 51 Zeichnungen und einem Plan. Nachwort von Josef Winkler. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2009. Zitiert wird im Folgenden mit Seitenangabe im Text.
106 Das ist ein Umstand, der an Apk 11, 8-9 erinnert. Bei Johannes ist die Rede davon, dass das Tier aus der Erde wüten und töten wird. Die Leichen, die es dabei hinterlässt, liegen auf den Marktplätzen umher; eine Grablegung wird ihnen (zunächst) verwehrt.
107 Wengst 2010, S. 236.
108 Ebd.
109 Überträgt man diese Angaben auf die Realität, so müsste das Traumreich etwa im heutigen Osten Kasachstans bzw. im Nordwesten Chinas liegen.
110 Will man diese Harmonie aufrechterhalten, so müsste das Traumreich z.B. 60.000 oder 72.000 Einwohner zählen, denen man fünf bzw. sechs Tore zuordnen kann.
111 Torra-Mattenklott 2008, S. 168.
112 Analog zum Isolationscharakter des Traumstaates verhält sich auch der Vorname seines Schöpfers. Claus erinnert an das lateinische clausa est für sie ist abgeschlossen.
113 Ein Blick in die Realgeschichte genügt, um diese These zu festigen. In Deutschland endete die fehlgeleitete Utopie, eine Mauer könne einen Staat definieren, bekanntlich am 9. November 1989. Es scheint, Kubin habe in diesem Punkt, wie es sich für einen Apokalyptiker gehört, seherische Qualitäten bewiesen.
114 Siehe dazu u.a.: Becker, Sabina – Urbanität und Moderne: Studien zur Großstadtwahrnehmung in der deutschen Literatur 1900 – 1930. St. Ingbert: Röhrig, 1993; Scherpe, Klaus R. (Hg.) – Die Unwirklichkeit der Städte: Großstadtdarstellungen zwischen Moderne und Postmoderne. Reinbek: Rowohlt, 1988 und Würzbach, Natascha – Raumerfahrung in der klassischen Moderne: Großstadt, Reisen, Wahrnehmungssinnlichkeit und Geschlecht in englischen Erzähltexten. Trier: WVT, 2006.
115 Simmel [1903] 2008, S. 319.
116 Geyer 1995, S. 116; Die Argumentation auf die Andreas Geyer sich hier bezieht entstammt Anneliese Hewig – Phantastische Wirklichkeit: Interpretationsstudie zu Alfred Kubins Roman „Die andere Seite“. München: Fink, 1967, S. 52.
117 Die folgenden Ausführungen nehmen noch einmal Bezug auf ein längeres Zitat aus Kapitel 3.4.2; siehe Anm. 97.

Architekturen der Apokalypse (Teil V)

9. April 2013

3.4 Die Stadtsymbolik bei Johannes

3.4.1 Die große Hure Babylon

Die äußeren Umstände brachten es mit sich, dass eine öffentliche Kritik der Messiasgläubigen am römischen Machtapparat undenkbar wurde. In Schriften wie der Johannes-Offenbarung, die sich gegen die römische Gewaltherrschaft richteten, wurden daher die Chiffren Babylon und die große Hure gebräuchlich. Hinweise auf diese Art der Verschlüsselung lassen sich im biblischen Text leicht nachweisen. Johannes bezeichnet Babylons Namen in Apk 17, 5 als ein Geheimnis, das ihr auf die Stirn geschrieben steht. Wengst deutet diese Aussage als Anspielung auf eine römische Sitte, welche es den Dirnen vorschrieb ein Stirnband zu tragen, das mit einem Namensschildchen versehen war.73 In Apk 17, 9 heißt es zudem, dass die sieben Köpfe des Tieres, auf denen die Hure Babylon sitzt, sieben Berge sind. Die Entsprechung zur Stadt Rom, die bekanntlich auf sieben Hügeln erbaut wurde, ist hier überdeutlich.

Die Chiffre Babylon findet aufgrund der Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels durch die Römer im Jahre 70 n. Chr. Verwendung. Juden und Christen sehen hier eine Analogie zur Zerstörung des ersten Jerusalemer Tempels im Jahre 587 v. Chr. durch die Babylonier unter Nebukadnezar II.74 Im Zusammenhang mit dem Neuen Testament sind daher die Bezeichnungen Babylon oder die große Hure zur Kennzeichnung der Feinde des Christentums gebräuchlich geworden.75

Als historischer Ausgangspunkt der Offenbarung kann also das Imperium Romanum angesehen werden, dessen urbanes Zentrum Rom sinnbildlich für die Keimzelle des Bösen steht. Eine genauere Betrachtung der Vision von der Hure Babylon verdeutlicht, für welche Lebenswelt das römische Reich steht und warum diese von den Christen auf das Schärfste verurteilt wird.

Wie in Kapitel 3.1 bereits erwähnt, findet in Apk 14, 8 eine Vorankündigung des Falls von „Babylon, der großen Stadt“ durch einen Engel statt. Von einer Vorankündigung muss deshalb ausgegangen werden, da es im Vorfeld dieser Botschaft keine Nennung der Stadt oder Schilderung ihrer Zerstörung gibt. Erst mit dem Ausgießen der siebten Zornesschale (Apk 16, 17-21) wird bewirkt, „dass hier die Metropole Babylon außer Funktion gesetzt wird.“76. In aller Deutlichkeit entwickelt Johannes hier das Motiv der zerstörten Stadt. Es ist die Rede von Hagel, Donner, Blitzen und Erdbeben, die die Stadt in drei Teile zerschlagen und einstürzen lassen. Wengst gibt die Schwäche der Schilderung zu bedenken und verweist auf die Besonderheit, dass erst in ihrem Anschluss eine umfassende Vision von der großen Hure und deren Untergang geschildert wird.77

In Apk 17, 1-4 wird Babylon auf einem scharlachroten Tier sitzend beschrieben. Da das Tier sieben Häupter und zehn Hörner hat und zudem lästerliche Namen trägt, handelt es sich zweifellos um das Tier aus dem Meer (Apk 13, 1). Die Frau selbst kommt in luxuriösen Stoffen bekleidet daher und entspricht rein äußerlich nicht dem Erscheinungsbild einer Prostituierten. Da sie mit Gold, Perlen und Edelsteinen geschmückt ist, erinnert sie vielmehr an eine Königin oder Kaiserin. Die Metapher der Stadt als Hure entlehnt Johannes den Schriften jüdischer Propheten. So wird Jerusalem beispielsweise in Jes 1, 21 oder Ez 16 als Hure bezeichnet. „Dort ist damit der Götzendienst gemeint, das ‚Fremdgehen’ mit anderen Kulten.“78 Diese Anklage lässt sich leicht auf den Kaiserkult des Römischen Reiches übertragen.

Es gibt jedoch noch eine andere Entsprechung für das Bild der Hure, die für Johannes wichtig ist. Diese kann jedoch nur im Zusammenhang mit den beiden Tieren verstanden werden, die hier bisher nur am Rande erwähnt wurden. Selbstverständlich sind auch diese in Apk 13 eingeführten Figuren Metaphern. Wengst versteht das Tier aus dem Meer mit Verweis auf Apk 13, 4 als Gleichnis für die enorme militärische Stärke Roms, die sich vor allem in der das gesamte Mittelmeer kontrollierenden Seemacht äußert.79 Das Tier aus der Erde muss in Analogie zu dieser Deutung als Bild für die politische und kulturelle Macht Roms verstanden werden. In Apk 13, 11-18 wird dem zweiten Tier eine besondere Redegewandtheit zugesprochen, welche die Menschen dazu bewegt das erste Tier anzubeten, sich also Roms militärischer Macht zu beugen. Zudem ist es das Tier aus der Erde, welches eine kultische Verehrung des ersten Tieres initiiert und organisiert. Um diesen Kult herum entsteht schließlich ein Handelssystem, das dazu führt, dass jeder, der sich dem Tier unterwirft, an dessen Reichtum Anteil haben kann. Die so gewonnenen Anhänger des Tieres werden, ähnlich der 144.000 Versiegelten, mit einem Malzeichen auf der Stirn oder der rechten Hand versehen. Dieses Zeichen ist die Zahl 666.

Die Hure Babylon steht neben der politischen und militärischen Macht, die durch die Tiere repräsentiert werden, schließlich für die wirtschaftliche Macht Roms. Diese scheint eine umfassende Wirkung auf den gesamten Mittelmeerraum zu haben. So ist in Apk 17, 1 und 17, 15 von vielen Wassern die Rede, an denen die Hure sitzt „und diese Wasser sind Völker und Scharen und Nationen und Sprachen.“80 Die Macht der Wirtschaft gründet sich vor allem auf den Faktoren Käuflichkeit und Begehrlichkeit.81 Zwei entscheidende Aspekte, auf denen auch das älteste Gewerbe der Welt beruht. Die von Begehr getriebenen Freier, die die Käuflichkeit der Hure annehmen, sind die Klientelkönige im Osten des römischen Reiches.82 In Apk 17, 2 wird auf sie hingewiesen.

„Die Könige der Erde haben sich mit Rom eingelassen; sie haben ihr Vergnügen mit der römischen Hure und bezahlen dafür mit der Aussaugung ihrer Länder. Die Eliten der Unterworfenen und Abhängigen sind in Komplizenschaft mit der Metropole verbunden. Dass das auch in 18, 3 noch einmal genannte Huren der Könige so zu verstehen ist, macht 18, 9 eindeutig klar: Dort steht parallel zum Huren der Könige ihr luxuriöses Leben. Die hier in 17, 2 gebrauchte Formulierung klingt an Jes 23, 17 an, diejenige Stelle also, die den von der Stadt Tyrus ausgehenden Handel als Hurerei bezeichnete. An diese Tradition knüpft Johannes an.“83

Im gleichen Vers wird auch das in biblischer Tradition typische Bild des Weines bzw. des Bechers, der alle trunken macht, heraufbeschworen. Es sei verwiesen auf Jer 51, 7, wo es heißt: „Ein goldener Kelch, der alle Welt trunken gemacht hat, war Babel in der Hand des Herrn. Alle Völker haben von seinem Wein getrunken; darum sind die Völker so toll geworden.“84 Laut Wengst ist dieses Bild wie folgt zu deuten:

„Die Könige haben mit Babylon gehurt, d. h. die Großen der Völker machen mit Rom ihre Geschäfte. Alle Menschen sind vom Wein der Hurerei Babylons betrunken geworden, d. h. das weltweite Handelssystem schlägt alle in seinen Bann. Das vom Handel erzeugte Klima allgemeiner Käuflichkeit und der davon und dabei angefachte Drang nach Geld und Waren machen alle süchtig. Jede und jeder will Geschäfte machen; alle wollen sie Anteil haben an ein bisschen Reichtum.“85

Wengst gebraucht in diesem Zusammenhang auch die bekannte Wendung „vom Tellerwäscher zum Millionär“.86 Es fällt an dieser Stelle nicht schwer einen Vergleich zum Kapitalismus des 20. und 21. Jahrhunderts zu ziehen. Auch hier sorgen Angebot und Nachfrage für die nötige Dynamik, die das System am laufen halten. Doch ein System, das mitunter Nachfrage durch Angebot entstehen lässt, also künstliche Begehrlichkeiten erzeugt, muss letztendlich scheitern. Hier werden Götzen auf der Grundlage der Lüge erschaffen, dass die Menschen sie brauchen. Eine Teilhabe am Götzendienst findet jedoch nur statt, wenn man bereit ist dafür zu zahlen.87 Der Reichtum des römischen Reiches basiert also einerseits darauf, dass es den Götzen Mammon in die östlichen Provinzen gebracht hat. Die Klientelkönige und Händler fungieren als Götzendiener, welche sich und ihre Länder für die Teilhabe am Handelssystem, dem Kult, ausbeuten lassen.

Das zweite Standbein des römischen Reichtums ist die Absicherung des Systems durch die militärische Übermacht. Nicht umsonst lässt Johannes die Hure Babylon auf dem Tier aus dem Meer reiten.88 Um genau zu sein, muss man hier jedoch von einer Art Symbiose sprechen, denn so wie das Militär den Wirtschaftsraum absichert, so finanziert die Wirtschaft den Ausbau und die Erhaltung des militärischen Apparats.

Entgegen aller Beschreibungen der Übermacht Roms kündigt die Offenbarung den notwendigen Niedergang dieser Herrschaft an. Die luxuriöse Überfülle der römischen Warenwelt, die durch eine Aufzählung in Apk 18, 12-13 illustriert wird, ist nicht ewig. Sie lässt eine Scheinwelt entstehen, die die Menschen blendet und diese sind gern bereit sich blenden zu lassen.89 Der biblische Text lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass trotz allen Leids der Messiasgläubigen und trotz aller Verblendung der Ungläubigen, Gott die Geschicke der Welt lenkt. So vollzieht sich die Unterdrückung und Zerstörung der diesseitigen Welt durch das Öffnen der sieben Siegel, dem Blasen der Posaunen und dem Ausgießen der Zornesschalen sämtlich durch göttliches Personal, also dem Lamm und der Engel. Die vier apokalyptischen Reiter beziehen ihre Macht direkt von Gott. Dies wird durch die Wendung „ihm wurde gegeben“ deutlich, die in dieser oder abgewandelter Form mit der Beschreibung ihrer Erscheinung einhergeht (Apk 6, 2-8). Der Drache, der den beiden Tieren und der Hure Babylon ihre Macht verleiht, ist ursprünglich himmlischer Herkunft. Gemeint ist hier der Engel Luzifer, der vom Erzengel Michael und seinen Heerscharen aus dem Himmel gestürzt wurde (Apk 12, 7-9).

Es ist also Gott selbst, der die Welt zu ihrem Ende führt. Seine Offenbarung dient dem Erkenntnisgewinn, dass jeder irdische Reichtum, möge er auch noch so mächtig erscheinen, dem Untergang bestimmt ist. Einzig das Wort und das Reich Gottes bestehen über alle Zeiten hinweg und verschaffen dem Menschen wahren Reichtum und Glückseligkeit auch und besonders nach dem Ende des irdischen Lebens.

3.4.2 Das neue Jerusalem

Bereits im Sendschreiben an die Gemeinde in Philadelphia wird von der Herabkunft eines neuen Jerusalems vom Himmel auf die Erde gesprochen (Apk 3, 12). Auch mit dieser Ankündigung wird deutlich, dass Gott die irdischen Geschicke leitet, so grausam sie auch sein mögen. Schon vor dem Auftreten der Tiere, der Plagen und der Hure Babylon steht fest, dass Gott am Ende als Sieger hervorgehen wird. Die Gläubigen werden von ihrem Leid befreit. Sie überwinden diese Welt und halten Einzug in die himmlische Stadt, die das gekommene Reich Gottes auf Erden repräsentiert.

Dabei stellt sich die Frage, warum ausgerechnet eine Stadt mit dem Namen Jerusalem das Zentrum des göttlichen Reiches bildet. Günter Bader beantwortet diese Frage wie folgt:

„Jerusalem ist nicht bloß ein apokalyptisches Thema unter anderen. Sondern in der traumatischen Katastrophe dieser Stadt und im vorwährenden Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten dieser Katastrophe liegt wenigstens eines der Motive, ohne das Apokalyptik nicht zu denken wäre. Das personifizierte Jerusalem, gefallen, wiederauferstehend. In äußerster Zuspitzung kann man behaupten, dass mit dem bekannten Spruch surge illuminare / stant up jherosalem inde erheyff dich inde wirt erluchtet die Apokalyptik sich sprachlich zu formieren beginnt. Jerusalem, Zion, Tempel avancieren zum künftigen Weltmodell.“90

Bader gibt zum bedenken, dass ein neues Jerusalem erbaut werden muss, damit es sich erheben bzw. herabkommen kann. Als Erbauer der Himmlischen Stadt wird in der Bibel, und zwar ausschließlich in den Psalmen, stets Gott genannt.91 Es handelt sich hier also keineswegs um ein irdisches, realhistorisches Jerusalem, das Stein für Stein von Menschen erbaut wird. Bader stellt für das neue Jerusalem daher zwei wesentliche Eigenschaften fest. 1. Wenn vom neuen oder Himmlischen Jerusalem, das von Gott erbaut wurde, die Rede ist, handelt es sich um eine Jerusalemmetapher. 2. Gott baut seine Stadt nicht aus Steinen. Daher ist auch das Bauen als Baumetapher zu verstehen.92

Analog zur Apokalypse, die wesentlich geschrieben und gelesen wird, ist das Himmlische Jerusalem also „aus Text erbaut“.93 Bader konkretisiert diese Eigenschaft des „Textgebäudes“, das er auch als „Sinnarchitektur“ bezeichnet, indem er sagt: „Das Himmlische Jerusalem ist aus nichts als aus Metaphern erbaut.“94 Der Kreis dieser Betrachtung schließt sich, wenn man daran erinnert, dass Apokalypsen immer narrative Texte sind. Damit haben sie performativen Charakter, d. h. sie lassen die in ihnen dargestellte Wirklichkeit erst durch sich selbst entstehen. Sämtliche in der Apokalypse beschriebenen Ereignisse finden also nur innerhalb der erschaffenen Wirklichkeit statt und repräsentieren diese in ihrer Abwesenheit.

Was also für den gesamten Text der Offenbarung gilt und bereits anhand der Hure Babylon illustriert wurde, trifft auch für das neue Jerusalem zu. Es ist einerseits eindeutig als Vision eines Gegenentwurfs zum Römischen Reich und seiner Metropole zu verstehen. Andererseits ist die Himmlische Stadt eine Metapher für die zusammengeführte christliche Gemeinde. So wird diese in Apk 21, 2 als geschmückte Braut bezeichnet und tritt damit in direkte Opposition zur Hure Babylon.

„Im Bild der Braut ist die Gemeinde im Ganzen im Blick. Das ergibt sich aus Apk 22, 17. In V. 17b werden mit der Wendung „wer hört“ die je einzelnen Mitglieder in der Gemeinde in den Blick genommen, konkret die in den Gemeinden der Verlesung der Apokalypse Zuhörenden. Sie alle sollen Einstimmen in den Ruf um das Kommen Jesu. Auf ihn läuft, wie Apk 22, 20 unterstreicht, die Verlesung der Apokalypse in der Gemeinde hinaus. Wenn in diesem Kontext in V. 17a zunächst ‚der Geist und die Braut’ Subjekt des Rufens nach dem Kommen Jesu sind, ist deutlich, dass damit die Gemeinde als ganze bezeichnet werden soll. Durch die Zusammenstellung von Geist und Braut wird die Gemeinde als geistbegabt charakterisiert. Das neue Jerusalem als Braut symbolisiert als die Gemeinde und steht Rom als der ‚Hure Babylon’ entgegen.“95

Dem Bild des neuen Jerusalems liegt der eschatologische Dualismus der Zwei-Äonen-Lehre zu Grunde. Diese besagt, der der diesseitige Äon notwendigerweise vergehen muss, damit der jenseitige Äon kommen kann.96 Die Zeit der Herrschaft Babylons ist beendet, nun bricht die Zeit der Himmlischen Stadt an. Dieser radikale Umbruch wird mit Bezug auf die von Johannes erfahrene Wirklichkeit wie folgt gedeutet:

„Er erfährt die Wirklichkeit als so bedrängend, dass ihm Kontinuität von Welt und Geschichte unvorstellbar erscheint; hier kann es nur völligen Abbruch geben. Dennoch sehnt er sich nicht von der Erde weg; er träumt nicht von einer Versetzung in den Himmel. Das Neue, das er erhofft, ist nicht unvorstellbar anders, sondern Elemente der alten Schöpfung durchziehen die neue. In ihnen manifestiert sich jedoch keine historische Kontinuität, vielmehr Widerstand dagegen. Historische Kontinuität wird von der Macht Roms gesetzt; Kontinuität über den Abbruch hinweg kann allein vom schöpferischen Handeln Gottes erwartet werden, der einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird.“97

Wenn es heißt, dass die neue Schöpfung Elemente der alten aufweist, so ist dies vor allem in Bezug auf die Gestalt des neuen Jerusalems als Stadt zu verstehen. Ein bloßer Wiederaufbau aus den Trümmern Roms oder des alten Jerusalems, das durch die Römer zerstört wurde, ist hingegen nicht ausreichend. Johannes erfährt die irdische Bedrohung als so groß, „dass Rettung nur durch vollständige Beseitigung alles Chaotischen vorstellbar erscheint.“98 Dem Wunsch nach einer allumfassenden Regeneration wird durch die Vision eines neuen Himmels und einer neuen Erde besonderer Ausdruck verliehen (Apk 21, 1). Als Bindeglied zwischen diesen neu entstandenen Sphären ist das neue Jerusalem zu verstehen. Laut Apk 21, 3 ist die Stadt „die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden ein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.“ Dieses Bild bedeutet zunächst, dass das kommende Reich Gottes der Himmel auf Erden sein wird.99

Neben aller Metaphorik und ideeller Qualität gibt die Offenbarung eine eindeutige Beschreibung von der äußeren Gestalt der Himmelsstadt. Doch auch diese ist nicht frei von symbolischen Bedeutungen. In Apk 21, 12-14 ist zunächst die Rede von einer hohen Mauer, die in jeder Himmelrichtung von drei Toren, also insgesamt zwölf Toren durchbrochen ist. Auf jedem dieser Tore thront ein Engel, der einen Namen der zwölf Stämme Israels trägt. Jeder Stamm Israels bekommt also ein eigenes Tor zugesprochen, um in die Himmlische Stadt einzuziehen. Dadurch findet die allegorische Wiederherstellung des „Zwölfstämmevolks Israel“ statt.100 Zudem hat die Mauer zwölf Grundsteine, einer für jeden Apostel des Lammes.

Im Weiteren (Apk 21, 15-17) ist die Rede von den genauen Ausmaßen der Mauer und der Stadt. Die Mauer ist 144 Ellen hoch und umgibt die Stadt vollständig. Die Stadt selbst hat die Größe von 12.000 Stadien in Länge, Breite und Höhe.101 Dementsprechend hat das neue Jerusalem eine kubische Erscheinungsform. Da eine Stadt jedoch nur äußerst selten einem Würfel gleicht, wird mit der gleichmäßigen Ausdehnung in alle Dimensionen die harmonische Erscheinung der Architektur gekennzeichnet.102 Die Symbolik der Zahlen, der zwölf und ihrer Quadratzahl, verdeutlicht, dass es sich hierbei nicht um reelle Maßangaben im Sinne eines Bauplans handeln kann. Auch der mit dem Urmeter vergleichbare goldene Messstab, mit dem die Ausmaße der Stadt bestimmt werden, gibt einen Hinweis darauf, dass der Modellcharakter des neuen Jerusalems entscheidend ist.

Johannes fährt fort mit einer Beschreibung der Materialien, aus denen die Himmelsstadt erbaut wurde (Apk 21, 18-21). So bestehen die zwölf Grundsteine der Mauer aus zwölf verschiedenen, erlesenen Edelsteinen. Die Stadt selbst ist „aus reinem Gold wie durchscheinendes Glas“. Vor allem mit letzterer Beschreibung wird die Auswahl reinster Materialien von hohem Glanz symbolisiert. Sie harmonieren hierin mit dem Glanz Gottes, den die Stadt durch dessen Anwesenheit bekommt. Dieser Glanz hat eine so hohe Strahlkraft, dass das Licht der Sonne und des Mondes im neuen Jerusalem unnötig ist (Apk 21, 23).

Schließlich betont Johannes, dass es in der Himmelsstadt keinen Tempel gibt und die Tore ihrer Mauer immer offen stehen (Apk 21, 22. 25). Diese Beschreibung ist nicht anders zu verstehen denn als das Ende der Hierarchien nach klassischem Verständnis.

„Was den Tempel vor allem ausmacht, Ort der besonderen Gegenwart Gottes zu sein, gilt hier für die ganze Stadt; sie ist insgesamt als Tempel verstanden. Diese Gegenwart Gottes in der gesamten Stadt macht einen besonders herausgestellten Bereich in ihr, einen Tempel, überflüssig. Gott allein herrscht überall. So gibt es keine Hierarchie und keine Herrschaft mehr von Menschen über Menschen.“103

Ein Verschließen der Tore ist ebenfalls unnötig, da die Reinheit des göttlichen Glanzes an diesem Ort nichts Unreines, also Böses zulässt. Allein die im Lebensbuch des Lammes Verzeichneten, die Messiasgläubigen, haben Einlass und bilden eine „partizipatorische Völkergemeinschaft“.104

Am Ende der Apokalypse steht also eine ideelle Stadt, die neben allen architektonischen Details wie ein Paradiesgarten voller Bäume beschrieben ist. Hier schließt sich mit dem Gegenentwurf zur Stadt Rom als Keimzelle des christlichen Leidens und der Zusammenführung der Gemeinde im Reich Gottes nicht nur ein Kreis zum Beginn der Offenbarung. Das Ende des letzten biblischen Buches stellt auch einen Bezug zum Anfang aller Dinge, der Genesis her.

73 Vgl. ebd., S. 166.
74 Vgl. ebd., S. 166.
75 Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Martin Luther das ihm verhasste Papsttum ebenfalls als babylonische Hure bezeichnet. Ein kolorierter Holzschnitt von Lucas Cranach dem Älteren aus dem Jahre 1534 zeigt die Hure Babylon gar mit päpstlicher Tiara. Der Schnitt diente der Illustration der Lutherbibel (Abb. 2).
76 Wengst 2010, S. 161.
77 Ebd.
78 Ebd., S. 162.
79 Ebd., S. 165.
80 Vgl. ebd., S. 163.
81 Vgl. ebd.
82 Vgl. ebd.
83 Ebd., S. 163f.
84 Vgl. ebd., S. 164; zitiert wurde hier nach der im Literaturverzeichnis angegebenen Bibelausgabe.
85 Ebd.
86 Ebd., S. 173.
87 Bekanntlich war dieser Umstand ein wesentlicher Kritikpunkt Luthers am Papsttum. Hier wurde mit dem Ablasshandel kein anderes Verfahren etabliert. Nur wer bereit war in barer Münze zu zahlen, wurde von seinen Sünden freigesprochen. Besonders kritische Stimmen sehen in der Kirchensteuer eine Fortführung dieses Ablasshandels bis in die Gegenwart.
88 Vgl. Wengst 2010, S. 165.
89 Vgl. ebd., S. 167.
90 Bader 2003, S. 5f.; Mit der „traumatischen Katastrophe dieser Stadt“ spielt Bader auf die bereits erwähnte erste Zerstörung des Tempels und der Stadt Jerusalems im Jahre 587 v. Chr. an. Der „bekannte Spruch“ stammt aus Jes 60, 1 (Tritojesaja) in der Vulgata-Fassung und Übersetzung von Meister Eckhart. (Vgl. ebd., S. 6, Fußnote 19).
91 Vgl. ebd., S. 6ff.
92 Vgl. ebd., S. 8f.
93 Ebd., S. 9.
94 Ebd., S. 11.
95 Wengst 2010, S. 216.
96 Vgl. Bader 2003, S. 2.
97 Wengst 2010, S. 217.
98 Ebd., S. 218.
99 Vgl. ebd., S. 223.
100 Ebd., S. 224.
101 Eine Elle entspricht hier ca. 46 cm. Mit dem Wegmaß Stadion wird eine Strecke von ca. 185 m bezeichnet.
102 Vgl. Wengst 2010, S. 225.
103 Ebd., S. 229.
104 Ebd., S. 231.


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