Ich segle rauf nach Boston

20. April 2018

Ich bin ein Seemann, Liebste mein

Und verlor mein schönes Bein

Als ich ins Rigg geklettert bin

Verlor ich meine Stelze

 

Ich segle rauf nach Boston

Ich segle rauf nach Boston

Ich segle rauf nach Boston

Ich stech‘ in See – und versuch‘ das Ding zu finden

 

(nach Woody Guthrie)

Ein Song, den mittlerweile jeder kennt. Was aber die Wenigsten wissen – er stammt nur zur Hälfte von den Murphys. Sänger und Bassist Ken Casey fand den Text auf einem kleinen Zettel im Archiv, das den Nachlass des berühmten Folkmusikers Woody Guthrie bewahrt. Die ganze Story dazu kann man hier nachlesen.

In der kleinen Nachdichtung wollte ich den Anfangsreim bewahren, weswegen die Bezeichnung „sailor peg“ entfallen musste und ich eine Geliebte einschrieb. Auch das Klettern in die Toppsegel ist nicht so einfach wiederzugeben, wenn man einen gewissen Rhythmus bewahren will. So zeigt eine kleine Acht-Zeilen-Übung zwischendurch, dass literarisches Übersetzen doch Einiges verlangt und ich mich daher lieber mit dem Begriff „Nachdichtung“ von der Treue zum Original befreie.

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In aufsteigender Tiefe

20. April 2018

Peter Neumanns Rede zur Verleihung des Harald-Gerlach-Stipendiums – lesen lohnt!

In guter Nachbarschaft - Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

Am Dienstag bekam Peter Neumann das Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach verliehen. Er nutzte die Gelegenheit, um im Kultur: Haus Dacheröden in Erfurt eine Dankesrede zu halten, die Einblick in seine aktuelle Arbeit gibt und Stellung zur aktuellen Provinzialisierung des Geistes bezieht.

[…] Ich würde heute, auch vor dem Hintergrund der politischen Diskursverschiebungen der letzten Jahre – einer in diesem Ausmaß nie für möglich gehaltenen Provinzialisierung des Geistes –, von magmatischen Landschaften sprechen: Areale, irgendwo zwischen dem Phlegma, dass alles so bleiben möge, wie es immer war, und dem besinnungslosen Taumel, die Trägheit nach eigenen Maßstäben zu verteidigen. Ränder, die auf einmal zu Zentren werden, Zentren der Abwehr, der selbsternannten Hüter einer immer schon vorherbestimmten – wer bestimmte sie, wann? – Identität: Leitkultur, ick hör dir trapsen. Gruppen, die wutentbrannt, Nase schnaufend, durch die Straßen ziehen und den Normalzustand proklamieren. Denn was da gerade passiert, gehört neutralisiert, unschädlich gemacht, eingemeindet, oder…

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Aus dem „Das Lexikon der ausgestorbenen Sportarten“

17. April 2018

LOLLYPOPLUTSCHEN, das

*1959 †1971

lutscher_gesQuelle: Das Lexikon der ausgestorbenen Sportarten, Hg. v. Matthias Burki, Der gesunde Menschenversand: Luzern, 2008. (via Google Books)

Angenehm verunsichernd

14. April 2018

„sprich unruhig mit mir, lass dich schütteln.“ heißt es zu Beginn des Gedichts reißendes material von Alexander Gumz. Ein Vers, der als Lesemotto für den gesamten Band barbaren erwarten stehen könnte, der in diesem Frühjahr bei kookbooks erschien. Es ist Gumz‘ dritter Gedichtband, nach ausrücken mit modellen (kookbooks, 2011) und Verschwörungscartoons (parasitenpresse, 2015) – und sein bisher unharmonischster, was nicht abwertend zu verstehen ist. Bereits der Titel lässt eine gewisse Unruhe vermuten und tatsächlich hält barbaren erwarten einige Momente bereit, die ebenso von emotionalen und zwischenmenschlichen Unsicherheiten wie auch handfester suspense geprägt sind.

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13.4. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #16 — In guter Nachbarschaft – Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

13. April 2018

Lesung und Konzert mit Luise Boege und Mark Weschenfelder /// 13. April 2018 – 20 Uhr Galerie im Stadtspeicher (Markt 16, Jena) Eintritt: 3,-/5,- € (nur Abendkasse) /// Kühn wie lustig. Listig wie verstörend. Mit Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste (parasitenpresse) erscheint ein Jahr nach den Erzählungen Bild von der Lüge (Reinecke & […]

über 13.4. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #16 — In guter Nachbarschaft – Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

Uwe Tellkamp, Ahmet Altan und die Verantwortung der Schriftsteller*innen für ihre Wortwahl

10. März 2018

Aus gegebenem Anlass.

Der Bot des Autors

28. Februar 2018

Ein Schaf strickt eine Socke aus der eigenen Wolle. Oder zumindest aus einem Wollfaden, in den es eingewickelt ist. Die kleine Illustration auf dem Buchcover könnte auch eine der unzähligen Figuren sein, die Clemens Setz in Wolken, bröckelndem Putz oder Pfützen entdeckt. Und sie dient natürlich als Metapher für sein neues Buch Bot, das angeblich ein Gespräch ohne Autor darstellt. Dabei ist nicht nur der Autor, sondern bisweilen auch der Mensch Clemens Setz in diesem Buch sehr präsent.

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Dabei wollte Setz sich doch eigentlich dem Gespräch entziehen, als er bemerkte, dass er die von der Lektorin Angelika Klammer gestellten Fragen nicht oder nur recht uninspiriert beantworten konnte. Die Lösung für das Problem fand sich in „einer elendslangen Worddatei“, dem Journal des Autors, das dieser als „ausgelagerte Seele“ bezeichnet. Statt dem Autor stellte Klammer ihre Fragen der Datei. Mit künstlicher Intelligenz oder gar Robotik hat das nichts zu tun. Es ist ein simples Suchen nach Schlagworten und Zitieren.

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„heimische Arten“ – Termine 2018

23. Februar 2018

Ich bin immer noch mit meinem zweiten Gedichtband unterwegs und lese hier und da auch aus noch unveröffentlichter Prosa.

23. Januar – Köln – Paratexte #6 – Traumathek (Engelbertstraße 45) – [Infos]

04. März – Berlin – Literatur in Weißensee (mit Alexander Graeff) – Brotfabrik (Caligariplatz 1) – [Infos]

15. März – Leipzig – Lange Leipziger Lesenacht (mit Andra Schwarz und Sybilla Vričić Hausmann) – Moritzbastei (Universitätsstraße 9) – [Infos]

16. März – Leipzig – Lyrikbuchhandlung (mit Moritz Gause und Christian Schloyer) – Kunstraum D21 (Demmeringstraße 21) – [Infos]

08. Juni – Zwickau – Zwickauer Literaturfrühling (mit Adrian Kasnitz u.a.) – [Infos]

10. Juni – Burg Ranis – Thüringer Literatur- und Autorentage (mit Ron Winkler und Kerstin Becker) – [Infos]

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heimische Arten ist direkt beim Verlag parasitenpresse erhältlich.

 

Mehr Drama, weniger Licht

22. Februar 2018
Simon Werles Neuübersetzung von Baudelaires „Blumen des Bösen“

150 Jahre nach dem Tod von Charles Baudelaire wird die lange Liste seiner deutschsprachigen Übersetzer um den Namen Simon Werle ergänzt. Mehr als einhundert Übertragungen der berühmten Fleurs du Mal, die meisten davon als Auswahl in Anthologien, Zeitschriften und Auswahlbänden, sind auf Deutsch erschienen.¹ Warum Werle eine weitere folgen lässt, deutet er in seinem Nachwort an, in dem er unter anderem die Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte des Lyrikklassikers zusammenfasst. Von Stefan Georges Klassizismus-Travestie ist da etwa die Rede, von Terese Robinsons „auf Wohlklang bedachter und inhaltlich glättender erster Gesamtübertragung“ oder Walter Benjamins stilistisch unausgewogener Experimentalübersetzung, die Baudelaire im Licht eines sozialen Revolutionärs erscheinen lassen sollte.
Kein Wort verliert Werle hingegen über die 1980 erschienene und inzwischen wohl weitestverbreitete Baudelaire-Übersetzung von Monika Fahrenbach-Wachendorff, die in unterschied-lichen Ausgaben bei Reclam erscheint und 2011 einer gründlichen Neubearbeitung unterzogen wurde. Ihre auf sinngemäße, nicht wörtliche Genauigkeit abzielende, metrische Übertragung stellt noch immer einen mehr als einladenden Zugang zu Baudelaires Werk dar.

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Erstaunlich, dass dennoch kaum ein Rezensent der Werle-Übersetzung auf Fahrenbach-Wachendorff eingegangen ist. Lediglich Rainer Moritz erwähnt sie knapp im Deutschlandfunk Kultur. „Man muss, um Wehrles [sic] Leistung zu würdigen, einen Blick in die weit verbreitete Reclam-Ausgabe von Monika Fahrenbach-Wachendorff werfen, um zu sehen, welcher Qualitätssprung Wehrle [sic] geglückt ist.“² Auch nach dem Lesen und Wiederlesen beider Übertragungen erschließt sich jedoch nicht, worin dieser Qualitätssprung bestehen, warum die eine Übersetzung besser oder schlechter sein soll.
Zugegeben, mit seiner auf wörtliche Genauigkeit bedachten Übertragung bei möglichster Beibehaltung des französischen Alexandriners, was natürlich nicht durchgehend funktioniert, gibt Werle den deutschsprachigen Lesern einen wesentlich dramatischeren Baudelaire zu lesen als Fahrenbach-Wachendorff.

Der ganze Artikel in den Signaturen.

 

Mario Osterwald bespricht József Attilas „Liste freier Ideen“

6. Februar 2018

Ostermann, Osterwald, Osterland, Osterberg, Osterfeuer… Hauptsache József Attila lesen!

 

roughblog

„Gedankenprotokoll oder Langgedicht, Autobiografie oder Fiktion? József Attilas Liste freier Ideen ist nichts für Gattungsfetischisten; für zartbesaitete Leser erst recht nicht. Der ungarische Dichter, der zu den bedeutendsten seines Landes gehört, ist im deutschsprachigen Raum, wenn überhaupt, vor allem für seine Lyrik bekannt. Nur wenige dürften darüber hinaus das Schicksal des aus der Kommunistischen Partei Ungarns ausgeschlossenen Freudomarxisten und suizidalen Schizophrenen kennen. Nun, woher auch? könnte man fragen. Die biografischen Informationen im Internet sind spärlich, eine Biografie auf Deutsch gibt es nicht. Und das, obwohl Jószef für zahlreiche Kritiker und Literaturhistoriker in eine Reihe mit Größen wie Kavafis, T.S. Eliot oder Pessoa gehört.

    Umso schöner ist es da, dass bei roughbooks nun ein Text Józsefs erscheint, der es bisher in keine Werkausgabe geschafft hat, bis 1990 sogar mehr oder minder geheim gehalten wurde. Die Liste freier Ideen ist im Wortsinne ein aufschlussreiches Dokument, da es als Schlüsseltext zum Verständnis Józsefs…

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