Archive for the ‘Literatur’ Category

Eine Privataudienz

19. Oktober 2017

Es liegt ein gewisser Reiz im Spiel mit Anachronismen und so kann man schon einmal hellhörig werden, wenn ein bekannter, etablierter Dichter wie Uwe Kolbe im Jahr 2017 einen Buch mit Psalmen veröffentlicht. Nach dem Lesen bleibt jedoch die Frage nach dem Warum? offen. Soviel scheint aber festzustehen: Ein Spiel mit Gott wagt Kolbe nicht.

Er habe in früheren Gedichten hin und wieder eine göttliche Instanz angesprochen, sagt Kolbe, diese sei aber unbestimmt gewesen und stets mit ironischer Rede verbunden. Mit anderen Worten, eine echte Annäherung fand im Gedicht nicht statt, denn Ironie und Glaube lassen sich nicht in Einklang bringen. Jetzt, mit 60 Jahren, traut sich Kolbe konkreter von Gott zu sprechen, ihn anzusprechen. Er tut das in Form von Psalmen, deren Adressat konsequenterweise ein alttestamentarischer Gott sein muss, der sich jedoch nicht mit Kolbes Erfahrung deckt. Vielmehr findet er das Göttliche im Naturerlebnis, wie er sagt. Ein Widerspruch, vielmehr eine Kluft, die hier entsteht und auch mit Rückgriff auf die Tradition der Psalmen nicht überbrückt werden kann.

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Ulrich Zieger † 23/7/2015

23. Juli 2017

Heute vor zwei Jahren starb der Schriftsteller Ulrich Zieger. Vergesst ihn nicht! Solche Autoren gibt es nicht oft. Zum Beweis und zur Erinnerung – seine Lesung in Klagenfurt 1997. Ein großartiger Text und eine völlig überforderte Jury.

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Die Mitschrift des Wirklichen

23. Juli 2017

Journalromane, Journalgeschichten, Journalsätze hat Jürgen Becker einige geschrieben und publiziert. Nun also ein Journalgedicht mit dem Titel Graugänse über Toronto, das irgendein Scherzkeks im Wikipedia-Artikel des Autors mit dem Gattungszusatz [Kurzprosa] versehen hat. Da kann man schon mal schmunzeln. Die Gattungsfrage, bei der nicht mehr nur Autoren und Kritiker, sondern mittlerweile sogar Literaturwissenschaftler müde abwinken, sie wird hier und da doch noch gestellt, ist scheinbar nicht ganz und gar überwunden. Und wenn mich auch zuerst die Bezeichnung Journalgedicht auf Beckers neues Buch aufmerksam werden ließ, so merkt man doch gleich auf Seite eins, das in Gattungen zu denken hier vollkommen irrelevant ist.

… Neue Formate,
ich komme auch nicht mehr mit.


Es geht um die Mitschrift
des Wirklichen, und wie es die Schrift verändert –

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Den ganzen Artikel hier lesen.

„Sie hätten das auch geschrieben“ – „Planetenwellen“ von Bob Dylan

21. Juli 2017

Das ist schon eine komische Geschichte mit Bob Dylan und dem Literaturnobelpreis. Aber ich will sie hier nicht noch einmal erzählen, nicht noch einmal plädieren, dass Lyrics Literatur sein können, nicht noch einmal nachdenken, ob Dylan der richtige ist, nicht noch einmal spotten, dass der Nobelpreis Dylan nötiger hat als umgekehrt. Und trotzdem benutze ich diese Geschichte noch einmal kurz, um diese Besprechung einzuleiten, weil es die Besprechung zu einem Buch ist, das es ohne die Zuerkennung des Literaturnobelpreises an seinen Autor wohl gar nicht gegeben hätte.
Wenn man am 13. Oktober 2016 die Website des großen Internet(buch)händlers nach Titeln des frisch verkündeten Preisträgers durchsucht hätte, hätte man nicht gerade viele finden können. Und das, obwohl die ersten und energischsten Befürworter der Entscheidung darauf bestanden, dass Dylan eben nicht nur Songwriter sei, sondern auch Verfasser von „echter“ Lyrik und Prosa, die jedoch in Vergessenheit geraten ist. Ganz zu schweigen von der Autobiografie Chronicles Vol. 1. Eine moderne Version von Dichtung & Wahrheit mit deutlicher Wichtung zur Dichtung (pardon), die man an besagten 13. Oktober allenfalls als zerfleddertes second-hand-Taschenbuch für 50 Cent (3 Euro Versandkosten) hätte haben können. Am Tag danach allerdings nicht mehr. Ansonsten war ein schmales rotes Reclam-Bändchen mit von Heinrich Detering ausgesuchtesten Lyrics zu haben, eine lesenswerte Reclam-Biografie, die von ihrem Verfasser, ebenfalls Detering, fast jährlich aktualisiert wird (zuletzt Anfang 2016 – schlechtes timing, 2. pardon) und eine Handvoll Sekundärliteratur. Darunter ein Buch von Detering zum Spätwerk Dylans, das beweist, dass der Preis weder zu Unrecht noch zu spät vergeben wurde.

9783455001181

Den ganzen Artikel gibt es hier.

 

[SIC] #6

1. Juli 2017

Prosa von mir in [SIC] #6.

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Letzte Beiträge

30. Juni 2017

Ich habe seit April, nach längerer Rezensionspause, wieder ein paar Bücher für fixpoetry.com und das Signaturen Magazin besprochen und versäumt sie über dieses Blog weiterzugeben. Das hole ich jetzt nach:

Für Fixpoetry besprochen:

Szilárd Borbély – Kafkas Sohn (Prosa)

Jakob Nolte – Schreckliche Gewalten (Roman)

Für Signaturen:

Kate Tempest – Brand New Ancients/ Brandneue Klassiker (Lyrik)

Bericht von den 20. Thüringer Literatur- und Autorentagen auf Burg Ranis

Nach wie vor verwaist dieses Blog ein wenig, sorry. Dafür bin ich WordPress hier treu.

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Bis bald und schönen Sommer!

Zuflucht in Deutschland – Texte verfolgter Autoren

30. März 2017

3 Monate ohne Leonard Cohen

7. Februar 2017

Heute vor drei Monaten starb Leonard Cohen. Und ich finde noch immer nicht die richtigen Worte für diesen Verlust.

liveforever

Cave/Handke/Wenders

25. Januar 2017

Gestern erst hatte ich mit Freunden ein Gespräch u.a. darüber geführt, wie popkulturelle Mechanismen funktionieren und wie spannend es ist Verweise und Verlinkungen aufgezeigt zu bekommen und natürlich selbst zu entdecken oder herzustellen. So hatte ich z.B. mal über die Verbindung NIN-Nirvana qua David Bowie nachgedacht.

Heute die Entdeckung, dass ein unwahrscheinliches Film-Trio mit einer gemeinsamen Arbeit zurück ins Kino kommt. Genau 30 Jahre nachdem Regisseur Wim Wenders, nach einem Drehbuch von Peter Handke, Nick Cave in Der Himmel über Berlin auftreten lies…

… kommt mit Die schönen Tage von Aranjuez ein von Wim Wenders adaptiertes Handke-Stück in die Kinos. U.a. mit Nick Cave als Darsteller. Kollaborationen gibt’s, die gibt’s gar nicht. Oder man rechnet zumindest nicht damit. Umso erstaunter bin ich.

Fehlt eigentlich nur noch Bruno Ganz.

Ich möchte jetzt nicht in Frankfurt/Main sein, nicht auf der Buchmesse in irgendeiner Halle nichts mitbekommen vom schönen Grau des Sonntagnachmittags

23. Oktober 2016

„Writing allowed me direct access to my imagination to inspiration and, ultimately, to God. I found that through the use of language I was writing God into existence. Language became the blanket that I threw over the invisible man, which gave him shape and form.“

– Nick Cave

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