Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

#teamköhlmeier

9. Mai 2018

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This was a trial where the ‘crime’ was journalism, and the only ‘evidence’ was journalistic activities

27. April 2018

Joint Statement on the Cumhuriyet trial: 30 media freedom and freedom of expression organisations call on the institutions of the Council of Europe and its member states to remind Turkey of its international obligation to respect and protect human rights.

While three Cumhuriyet staff were acquitted, all the remaining journalists and executives were handed sentences of between 2 years, 6 months and 8 years, 1 month. Time already served in pretrial detention will likely be taken into consideration, however all will still have jail terms to serve, and those with the harshest sentences would still have to serve approximately 5 years. Travel bans have been placed on all defendants, barring the three that were acquitted, in a further attempt to silence them in the international arena.

[…]

The guilty verdicts against the Cumhuriyet journalists and executives must be overturned and the persecution of all other journalists and others facing criminal charges merely for doing their job and peacefully exercising their right to freedom of expression must be stopped. The authorities must immediately lift the state of emergency and return to the rule of law. The independence of the Turkish courts must be reinstated, enabling it to act as a check on the government, and hold it accountable for the serious human rights violations it has committed and continues to commit.

[…]

Furthermore, we call on the institutions of the Council of Europe and its member states to remind Turkey of its international obligation to respect and protect human rights, in particular the right to freedom of expression and the right to a fair trial, and to give appropriate priority to these issues in their relations with Turkey, both in bilateral and multilateral forums. In addition, the Council of Europe’s member states should provide adequate support to the ECtHR.

[…]

Die komplette Erklärung hier lesen.

#freethemall

#teamwinkler

27. April 2018

„Klagenfurt hat am Dienstag mit einem Festakt im Wappensaal das 500-jährige Bestehen der Stadt gefeiert. In seiner Rede sorgte Autor Josef Winkler für einen Eklat, er griff Jörg Haider an, daraufhin verließ der dritte Landtagspräsident Josef Lobnig (FPÖ) den Festakt.“

woraufhin

„Wegen Josef Winklers Attacken auf die FPÖ bei seiner Rede im Rahmen des Festaktes zu 500 Jahre Klagenfurt am Dienstag wird die FPÖ Anzeige wegen Verhetzung erstatten. Winkler griff neben der Partei auch den verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider scharf an.“

Kauft, lest, empfehlt, verbreitet Bücher von Josef Winkler.

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Rolf

27. April 2018

Jan Nolte, Jg. 1988, „war Autor, Blaue Narzisse, neurechtes, islamfeindliches Jugendmagazin aus Chemnitz“ (zit. nach taz). Er ist der smarte Ex-Soldat in der AfD-Fraktion, der sich gestern gegen die Verlängerung und den Ausbau des Mali-Einsatzes der Bundeswehr ausgesprochen hat. Begründet hat er das u.a. mit der Gefährlichkeit des Einsatzes und den „diffusen Missionszielen“. (Obacht: Link für zur Rede Noltes im Bundestag am 26.4.2018 – hochgeladen auf einen AfD-nahen Kanal.) Im weiteren Verlauf der Rede nimmt Nolte auch das Wort „Doppelmoral“ in den Mund.

Jan Nolte (Mitglied des Verteidigungsausschusses des Bundestages) redet von Sicherheit und Doppelmoral und beschäftigt gleichzeitig einen mutmaßlichen Komplizen des terrorverdächtigen Oberleutnant Franco A.

Ein Ex-Soldat ist Mitglied einer Partei, die gegen Kriegsflüchtlinge hetzt und von importiertem Terror spricht und beschäftigt gleichzeitig einen mutmaßlichen Terrorkomplizen. Und diese Partei hat dennoch 13% Zustimmung in der Bevölkerung (Stand 27.4.2018 – Forschungsgruppe Wahlen).

Im Übrigen war Nolte eines der wenigen „westdeutschen“ AfD-Mitglieder, die Bernd Höcke für seine Mahnmals-Rede öffentlich in Schutz genommen haben. Jene Rede, die vielen AfDler zu weit ging und ein Parteiausschlussverfahren gegen Höcke nach sich zog. (Dazu übrigens mal eine aktuelle Meldung.)

Jan Noltes Profil auf abgeordnetenwatch.de

Uwe Tellkamp, Ahmet Altan und die Verantwortung der Schriftsteller*innen für ihre Wortwahl

10. März 2018

Aus gegebenem Anlass.

Die Überbetonung des Politischen

10. November 2017

Es ist schon fast zehn Jahre her, da eröffnete im Deutschen Historischen Museum in Berlin eine Ausstellung mit dem Titel Kassandra. Visionen des Unheils 1914 – 1945. Die Schau zeigte vor allem Werke deutscher Künstler, die aus der historischen Distanz betrachtet als Vorahnungen, wenn nicht sogar Warnungen vor den bevorstehenden Katastrophen des 20. Jahrhunderts gelesen werden können. Nur schien seinerzeit niemand die Zeichen lesen zu können oder zu wollen. Ganz wie in der griechischen Mythologie, in der Kassandra zwar die Zukunft vorhersehen kann, sie jedoch dazu verdammt ist, dass niemand ihren Weissagungen Glauben schenkt.

Als die Ausstellung im November 2008 eröffnete, kam jedoch kaum jemand auf die Idee, ihre Inhalte auf die gegenwärtige Situation in Deutschland zu beziehen. Zwar war die NPD damals in gleich zwei Landtagen vertreten, blamierte sich im parlamentarischen Alltag Sachsens und Mecklenburg-Vorpommerns jedoch bis auf die Knochen und demontierte sich folgerichtig selbst. Und die AfD war „noch nicht mal ein feuchtes Glimmen in den Augen von Bernd Lucke“, wie sich Christian Lindner, freilich in einem ganz anderen Zusammenhang, ausdrückte. Folglich war auch der feuilletonistische Ruf danach, dass Künstler und Schriftsteller viel politischer malen, schreiben, agieren sollen, längst nicht so in Mode wie heute.

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Natürlich blickt man 2017 von einem etwas anderen Standpunkt auf die Bedingungen der Kulturschaffenden der Zwischenkriegszeit zurück. Seit die von der Großen Koalition eingeschläferte Demokratie der Bundesrepublik mit nicht zu unterschätzenden Herausforderungen konfrontiert wird, gehört der panische Rückblick auf und die bisweilen schiefen Vergleiche mit dem Geistes- und Gesellschaftsleben der Weimarer Republik zum Standardrepertoire intellektueller Zeitanalysen, -diagnosen, -prognosen. Nicht, dass derlei Geschichtsbewusstsein, derlei Verweise und Erinnerungen nicht angebracht wären, doch sind es nach wie vor die mit kühlem Kopf und historischem Sachverstand geschriebenen Texte, die am ehesten dazu beitragen, die aktuelle politische Entwicklung gerade auch in ihren historischen Dimensionen richtig einzuordnen.

[Den ganzen Artikel gibt es auf fixpoetry.com]

Lyrik im Anthropozän

6. Juli 2016

Kookbooks druckt! Und ich bin dabei. Mein Gedicht als der Mond noch tiefer hing erscheint neben vielen, vielen, vielen anderen Gedichten einer mehr als illustren Autorenauswahl am 24.7. in der Anthologie all dies hier, Majestät, ist deins. Lyrik im Anthropozän. 🙂

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Infos zum Projekt gibt es hier.

Eine Vorankündigung des Verlags inkl. Inhaltsverzeichnis bei Facebook.

Im Herzen Dunkeldeutschlands

8. Dezember 2015

[Seit 2004, als ich den Roman „Langsamer Walzer“ gelesen habe (leider nur noch im Taschenbuch mit dem hässlichen, ganz und gar unpassenden Cover erhältlich – aber egal, der Text zählt), gehört Henning Ahrens zu meinen absoluten Lieblingsautoren. In seinen Romanen verbinden sich Realität und Phantastik auf genau die dosierte Weise, wie ich sie mir von einer Literatur wünsche, die durch Abseitiges den Blick für Wesentliches, empirisch Überprüfbares schärft. Lest unbedingt alles von Henning Ahrens – auch die Lyrik!]

Sechs Jahre sind seit dem Erscheinen des letzten Buches von Henning Ahrens vergangen. In seinem Provinzlexikon (2009 im Knaus Verlag) wägte er das Landleben ab, lotete es aus, fand Schönes, Eigentümliches, aber auch Indiskutables. In Ahrens‘ gesamtem bisherigen Werk spielt die Provinz immer wieder eine zentrale Rolle, doch nie zuvor war sie so eindeutig klassifiziert, so eindeutig negativ bewertet wie in seinem aktuellen Roman Glantz und Gloria. Eine Abrechnung?

 

Ahrens führt seinen Protagonisten Rock Oldekop an den Ort seiner Kindheit. In dem kleinen Ort Glantz versucht Oldekop herauszufinden, warum sein Elternhaus vor Jahren abbrannte. Aber keine Sorge; auf der Grundlage dieses Settings entwickelt sich schon nach wenigen Seiten weitaus mehr als die typische Geschichte um eine Figur, die in ihre Vergangenheit reist, um das dunkle Geheimnis ihrer Familie aufzudecken und sich dabei selbst zu finden und die große Liebe gleich dazu. Dabei sind alle Grundzutaten vorhanden: die fremdelnde Heimat, der kauzige Sonderling, der Rock Oldekop aufnimmt, eine gescheiterte Ehe und natürlich Gloria. Die junge, attraktive Ärztin will sich mit besten Absichten und einer eigenen Praxis in Glantz niederlassen. Es ist also alles bereitet für die perfekte, verlogene Landlust-Idylle, wie sie sich nur gentrifizierte Städter ausdenken können.

Weiter bei Fixpoetry.

Mein Interview mit Henning Ahrens in poet 11.

Fürst der Denker (2)

30. Januar 2015

„‚Das Tier, das wir in uns tragen, ist noch immer dazu geneigt, auf seine Beine zurückzusinken und sich zu erniedrigen, sich herabzuwürdigen, nicht vor Gott, noch vor dem Menschen, sondern vor einem König, einem Priester, einem Herrscher, vor irgendeinem Götzen, einer Menschen- oder Tiergestalt, vor einem Stück Teig, einem Band oder einem roten, schwarzen, weißen oder blauweißrotem Stoff, vor einem Musikstück. Alles dient dem Tier zum Vorwand, um den Geist des Menschen vergessen zu lassen, dass er der Sohn Gottes ist und dass er nur den Menschen, seinen Bruder, verehren darf.‚ (Brisset – Les Prophéties accomplies (1906))

Eine Fahne ist nur ein Stück Stoff, nicht das affektiv aufgeladene Symbol einer Nation, für das gekämpft und getötet werden muss, für das der Soldat Brisset kämpfen und töten musste und für das er fast sein Leben geopfert hätte. Der Träger des Symbols, seine Materialität – der Stoff – muss zum Vorschein gebracht, die Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt, seine soziale Realität zurückgewiesen werden, um den Gegensstand zu defunktionalisieren und aus dem Raum des anerkannten Sinns zu entfernen.“

Maximillian Gilleßen – Der Wortschatz der Sümpfe in: Jean-Pierre Brisset – Fürst der Denker. Eine Dokumention, zero sharp: Berlin, 2014. (Link zum Verlag)

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Die andere Seite der Moral

7. Januar 2015

Die schwindende Präsenz eines ernstzunehmenden Wissenschaftsfeuilletons in den großen Tageszeitungen hat vielleicht dazu beigetragen, dass ein gewisser Rechtfertigungsdruck zum Dauerbegleiter der Geistes- und Sozialwissenschaften geworden ist. Am Beispiel der Soziologie sprach die Schweizer Autorin Daniela Kuhn in der NZZ unlängst von einer „überforderten Wissenschaft“, die zu aktuellen und künftigen gesellschaftlichen Fragen außerhalb der Fachwelt kaum mehr Stellung beziehen kann. Woran das im Einzelnen liegt, wird in Kuhns Artikel anhand von Aussagen des Basler Soziologieprofessors Max Bergman analysiert.

Doch gleich, zu welchen Ergebnis man bei der Ursachenforschung dieser Sinnkrise auch kommen mag, eines scheint festzustehen: es gab diese Zeit, in der Geistes- und Sozialwissenschaftler auf Ereignisse und Phänomene der Gegenwart reagiert haben und versuchten, diese einer breiten Öffentlichkeit zu erklären. So zum Beispiel der weltweit vielleicht bekannteste Sozialanthropologe Claude Lévi-Strauss, der zwischen 1989 und 2000 in sechzehn Artikeln für die italienische Tageszeitung La Repubblica genau das tat. Mit dem Band Wir sind alle Kannibalen erscheinen diese gesammelten Artikel nun erstmals auf Deutsch. Der darin enthaltene Text Gesellschaftliche Probleme: Weibliche Beschneidung und assistierte Reproduktion (Erstdruck 1989) zeigt dabei gleich in mehrfacher Hinsicht, dass die Ausführungen des Franzosen auch heute noch überaus aktuell sind.

Die vollständige Besprechung gibt es auf fixpoetry.com


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