Archive for Februar 2018

Der Bot des Autors

28. Februar 2018

Ein Schaf strickt eine Socke aus der eigenen Wolle. Oder zumindest aus einem Wollfaden, in den es eingewickelt ist. Die kleine Illustration auf dem Buchcover könnte auch eine der unzähligen Figuren sein, die Clemens Setz in Wolken, bröckelndem Putz oder Pfützen entdeckt. Und sie dient natürlich als Metapher für sein neues Buch Bot, das angeblich ein Gespräch ohne Autor darstellt. Dabei ist nicht nur der Autor, sondern bisweilen auch der Mensch Clemens Setz in diesem Buch sehr präsent.

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Dabei wollte Setz sich doch eigentlich dem Gespräch entziehen, als er bemerkte, dass er die von der Lektorin Angelika Klammer gestellten Fragen nicht oder nur recht uninspiriert beantworten konnte. Die Lösung für das Problem fand sich in „einer elendslangen Worddatei“, dem Journal des Autors, das dieser als „ausgelagerte Seele“ bezeichnet. Statt dem Autor stellte Klammer ihre Fragen der Datei. Mit künstlicher Intelligenz oder gar Robotik hat das nichts zu tun. Es ist ein simples Suchen nach Schlagworten und Zitieren.

Weiterlesen auf fixpoetry.com

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„heimische Arten“ – Termine 2018

23. Februar 2018

Ich bin immer noch mit meinem zweiten Gedichtband unterwegs und lese hier und da auch aus noch unveröffentlichter Prosa.

23. Januar – Köln – Paratexte #6 – Traumathek (Engelbertstraße 45) – [Infos]

04. März – Berlin – Literatur in Weißensee (mit Alexander Graeff) – Brotfabrik (Caligariplatz 1) – [Infos]

15. März – Leipzig – Lange Leipziger Lesenacht (mit Andra Schwarz und Sybilla Vričić Hausmann) – Moritzbastei (Universitätsstraße 9) – [Infos]

16. März – Leipzig – Lyrikbuchhandlung (mit Moritz Gause und Christian Schloyer) – Kunstraum D21 (Demmeringstraße 21) – [Infos]

08. Juni – Zwickau – Zwickauer Literaturfrühling (mit Adrian Kasnitz u.a.) – [Infos]

10. Juni – Burg Ranis – Thüringer Literatur- und Autorentage (mit Ron Winkler und Kerstin Becker) – [Infos]

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heimische Arten ist direkt beim Verlag parasitenpresse erhältlich.

 

Mehr Drama, weniger Licht

22. Februar 2018
Simon Werles Neuübersetzung von Baudelaires „Blumen des Bösen“

150 Jahre nach dem Tod von Charles Baudelaire wird die lange Liste seiner deutschsprachigen Übersetzer um den Namen Simon Werle ergänzt. Mehr als einhundert Übertragungen der berühmten Fleurs du Mal, die meisten davon als Auswahl in Anthologien, Zeitschriften und Auswahlbänden, sind auf Deutsch erschienen.¹ Warum Werle eine weitere folgen lässt, deutet er in seinem Nachwort an, in dem er unter anderem die Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte des Lyrikklassikers zusammenfasst. Von Stefan Georges Klassizismus-Travestie ist da etwa die Rede, von Terese Robinsons „auf Wohlklang bedachter und inhaltlich glättender erster Gesamtübertragung“ oder Walter Benjamins stilistisch unausgewogener Experimentalübersetzung, die Baudelaire im Licht eines sozialen Revolutionärs erscheinen lassen sollte.
Kein Wort verliert Werle hingegen über die 1980 erschienene und inzwischen wohl weitestverbreitete Baudelaire-Übersetzung von Monika Fahrenbach-Wachendorff, die in unterschied-lichen Ausgaben bei Reclam erscheint und 2011 einer gründlichen Neubearbeitung unterzogen wurde. Ihre auf sinngemäße, nicht wörtliche Genauigkeit abzielende, metrische Übertragung stellt noch immer einen mehr als einladenden Zugang zu Baudelaires Werk dar.

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Erstaunlich, dass dennoch kaum ein Rezensent der Werle-Übersetzung auf Fahrenbach-Wachendorff eingegangen ist. Lediglich Rainer Moritz erwähnt sie knapp im Deutschlandfunk Kultur. „Man muss, um Wehrles [sic] Leistung zu würdigen, einen Blick in die weit verbreitete Reclam-Ausgabe von Monika Fahrenbach-Wachendorff werfen, um zu sehen, welcher Qualitätssprung Wehrle [sic] geglückt ist.“² Auch nach dem Lesen und Wiederlesen beider Übertragungen erschließt sich jedoch nicht, worin dieser Qualitätssprung bestehen, warum die eine Übersetzung besser oder schlechter sein soll.
Zugegeben, mit seiner auf wörtliche Genauigkeit bedachten Übertragung bei möglichster Beibehaltung des französischen Alexandriners, was natürlich nicht durchgehend funktioniert, gibt Werle den deutschsprachigen Lesern einen wesentlich dramatischeren Baudelaire zu lesen als Fahrenbach-Wachendorff.

Der ganze Artikel in den Signaturen.

 

Mario Osterwald bespricht József Attilas „Liste freier Ideen“

6. Februar 2018

Ostermann, Osterwald, Osterland, Osterberg, Osterfeuer… Hauptsache József Attila lesen!

 

roughblog

„Gedankenprotokoll oder Langgedicht, Autobiografie oder Fiktion? József Attilas Liste freier Ideen ist nichts für Gattungsfetischisten; für zartbesaitete Leser erst recht nicht. Der ungarische Dichter, der zu den bedeutendsten seines Landes gehört, ist im deutschsprachigen Raum, wenn überhaupt, vor allem für seine Lyrik bekannt. Nur wenige dürften darüber hinaus das Schicksal des aus der Kommunistischen Partei Ungarns ausgeschlossenen Freudomarxisten und suizidalen Schizophrenen kennen. Nun, woher auch? könnte man fragen. Die biografischen Informationen im Internet sind spärlich, eine Biografie auf Deutsch gibt es nicht. Und das, obwohl Jószef für zahlreiche Kritiker und Literaturhistoriker in eine Reihe mit Größen wie Kavafis, T.S. Eliot oder Pessoa gehört.

    Umso schöner ist es da, dass bei roughbooks nun ein Text Józsefs erscheint, der es bisher in keine Werkausgabe geschafft hat, bis 1990 sogar mehr oder minder geheim gehalten wurde. Die Liste freier Ideen ist im Wortsinne ein aufschlussreiches Dokument, da es als Schlüsseltext zum Verständnis Józsefs…

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Menno Wigman

1. Februar 2018

Eine traurige Nachricht, die mich gerade kalt erwischt. Lest Menno Wigman!

parasitenpresse

Wir trauern um unseren Freund und Dichter Menno Wigman, der im Alter von 51 Jahren gestorben ist. Wir werden ihn in bester Erinnerung behalten. (Quelle: Het Parool)

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