Archive for Februar 2016

Die Buchgeschenke des Jahres – bisher.

21. Februar 2016

So kann es weitergehen. 🙂

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Wish

18. Februar 2016

Wish! 1992 war das! Als Nine Inch Nails die Rockmusik nicht minder revolutioniert hatten als, sagen wir… Nirvana. Nur dass Trent Reznor, dank David Bowie, die Kurve gekriegt hat. Bowie hatte es ja immer bedauert Cobain nie getroffen zu haben. Vor allem, um ihm fĂŒr dieses Cover zu danken. DafĂŒr traf er Reznor, der nichts von Bowie gecovert hat, sondern lieber gleich einen Song mit ihm aufgenommen hat. (Wobei ich mir ein NIN-Cover von „Heroes“ mittlerweile ganz gut vorstellen kann. Hat ja mit Joy Divisions Atmosphere auch gut geklappt.)

Ich hab immer mal wieder nach möglichen Verbindungen zwischen NIN und Nirvana gesucht. Und fand das auch nie abwegig. SpĂ€testens dann nicht mehr, als Dave Grohl einen Großteil der Drums fĂŒr das Album With Teeth eingetrommelt hatte. Naja, und Bowie natĂŒrlich. Aber das ging mir doch recht spĂ€t auf.

Stellt euch das mal vor! David Bowie connected Trent Reznor und Kurt Cobain! HÀtte letzterer noch ein oder zwei Jahre durchgehalten, wÀre es vielleicht dazu gekommen. Ein gemeinsamer Song. Vielleicht sogar gemeinsame Konzerte. Wunschdenken.

Wieso komme ich eigentlich darauf? I Wish this Broken EP to get Fixed by remastering for a long time. Aus diesem Anlass habe ich mir seit einer gefĂŒhlten Ewigkeit mal wieder das Video zu Wish angesehen und musste irgendwie an ein Video von Nirvana denken.

Irgendwie aber auch ganz gut, dass Trent Reznor nie all zu tief in den MTV-Sumpf gezogen wurde. Dieses andere NIN-Video, das Ikonische, wollten sie ja erst gar nicht senden. Dann lief es fast zwei Jahre auf heavy rotation. Die Pfeifen. Da hatte sich Reznor lÀngst mit einem sehr langen, sehr mittigen Mittelfinger am Kopf gekratzt.

Über die Romane von Leonard Cohen

16. Februar 2016

Dass Leonard Cohen nicht nur Musiker ist, sondern auch Schriftsteller wissen eigentlich alle, die sich schon mal ein bisschen mit dem Kanadier beschĂ€ftigt haben. Dass die Musik strenggenommen „nur“ Cohens Zweitkarriere ist, wissen schon weniger. Bevor er 1967 sein legendĂ€res Debutalbum Songs of Leonard Cohen veröffentlichte, hatte er bereits sechs BĂŒcher veröffentlicht, darunter die beiden Romane The Favorite Game (1963) und Beautiful Losers (1966), und galt vielen als der Kronprinz der kanadischen Literatur.

2009 und 2013 wurden Cohens Romane von Gregor Hens neu ĂŒbersetzt und wiederveröffentlicht. Ich befĂŒrchte jedoch, dass die Romane heute vor allem als Fanartikel des Musikers angesehen und daher wohl vor allem von Cohen-AnhĂ€ngern gelesen werden. Wenn ĂŒberhaupt. Das wĂ€re vor allem deshalb schade, weil besagte BĂŒcher nicht in das heute eher kritisch beĂ€ugte Genre des „Musikerromans“ gehören. Daher zwei kurze LeseeindrĂŒcke…

WP_20160216_10_29_16_ProDas Lieblingsspiel. Die autobiographisch geprĂ€gte Story, um das Aufwachsen von Lawrence Breavman erinnert stark an eine Mischung aus Jack Kerouac und dem frĂŒhen Philip Roth. Cohen bringt zwar seinen eigenen sehnsuchtsvollen Sound mit in die Geschichte, der vor allem auf seinen ersten Studioalben dominierte, bleibt in seinem realistischen ErzĂ€hlstil jedoch ganz der nordamerikanischen Literaturtradition verpflichtet. Von daher erinnert Das Lieblingsspiel doch mehr an Roth, vielleicht auch Updike, als an Kerouac. Bemerkenswert ist jedoch wieviel vom Musiker Cohen bereits in diesem Roman steckt. Und hier lĂ€sst sich das Buch doch wirklich nur schwer von seinem singenden Autor trennen. Demenstprechend folgt man dem Protagonisten als Fan ganz gern und lĂ€sst sich in aller AusfĂŒhrlichkeit ĂŒber die HĂŒrden bei der Suche nach Liebe, Anerkennung und IdentitĂ€t erzĂ€hlen.

Betrachtet man Cohen jedoch etwas objektiver und liest Das Lieblingsspiel nicht mit der Fan-Brille, wird man ihm streckenweise doch einen gewissen Hang zum redundanten Lamento, wenn nicht gar Selbstmitleid attestieren mĂŒssen. – Alles in allem aber ein lesenswerter Roman, fĂŒr Liebhaber nordamerikanischer Literatur nach 1945.

Ein ganz anderes Kaliber ist jedoch Cohens zweiter Roman Beautiful Losers, auf den es mir hier besonders ankommt. Darin geht es um einen namenlosen Protagonisten, der nach einer grandios wie turbulent gescheiterten, bi-sexuellen Dreiecksbeziehung, sein Seelenheil in der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Lebens und Wirkens von Catherine (Kateri) Tekakwitha sucht. (Die konvertierte Indianerin aus dem 17. Jhd. gab es wirklich. 2013 wurde sie von Benedikt XVI. heilig gesprochen.)

Als das Buch 1966 nach langem Zögern seitens des Verlages erschien, wurde es von der Kritik fast einstimming verrissen. „Total unverstĂ€ndlich“ und „unlesbar“ waren dabei noch die harmlosesten Schlagworte, der schlichtweg ĂŒberforderten Rezensenten. RĂŒckblickend wundert das nicht, denn Cohen wendet sich hier radikal vom klassisch-realistischen ErzĂ€hlen und seinem poetischen gentleman-Sound ab. In Collagen, Cut-ups, unangekĂŒndigten Perspektiv- und ErzĂ€hlstimmenwechsel etc. schreibt er einen Text, der ganz und gar auf der kĂŒnstlerischen Höhe seiner Zeit ist und das komplette Repertoire der klassisch-modernen Avantgarde, besonders aber der Beat-Literatur rezipiert.

Der bis dahin hofierte Jungdichter Leonard Cohen hatte sich mit Pauken und Trompeten vom Mainstream verabschiedet und fiel ausgerechnet mit dem Roman in Ungnade, der wohl die Postmoderne in der kanadischen Literatur einlĂ€utete. (Worauf man heute natĂŒrlich mĂ€chtig stolz ist.) Das verstand man damals noch nicht, weil der höfliche junge Mann auf einmal kantig, respektlos und vulgĂ€r die Möglichkeiten des ErzĂ€hlens auslotete. Und noch bis heute treue und nostalgische Fans damit vor den Kopf stĂ¶ĂŸt, die beim Lesen des Wortes „Fotze“ aus den Hausschuhen kippen.

Nein, das ist nicht der Leonard Cohen, den man zu kennen glaubt. Das ist ein wagemutiger Autor, der seinen erworbenen Lorbeer verbrennt und die radikale Freiheit der Literatur sucht.WP_20160216_10_29_26_Pro

Das vom Verlag so genannte „Kultbuch“ war bei Erscheinen auch wenig erfolgreich und verbreitete sich ganz und gar nicht in „Windeseile“, wie der Klappentext sagt. Nur eine handvoll KĂŒnstler wusste es zunĂ€chst wirklich zu schĂ€tzen. Zu den ersten und prominentesten Fans von Beautiful Losers zĂ€hlte u.a. Lou Reed. Heute steckt das Buch vielleicht in dem Dilemma, dass es nicht fĂŒr Cohen-Fans, sondern Liebhaber experimenteller Literatur geschrieben wurde; von ersteren jedoch abgelehnt, von letzteren nicht wahrgenommen wird.

Gedicht der Woche

4. Februar 2016

Das fĂŒr meine VerhĂ€ltnisse recht lange Gedicht „fossile GewĂ€sser“ ist von heute an bis zum 11.2. das Gedicht der Woche auf der Startseite der Signaturen. Danach wird es weiterhin im Archiv der vorangegangenen Gedichte der Woche zu finden sein; in dem es sehr viel, sehr gute, aktuelle Lyrik zu entdecken gibt.


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