Auf leuchtenden Pfaden

„Beschäftigt man sich genauer mit der Geschichte der Texte, die nach Raymond Roussels Tod publiziert worden sind, so scheint es, als hätte sie denselben Gesetzen des Zufalls und Geheimnisses unterlegen, deren Logik sein Leben und Schreiben bis ins letzte bestimmt hat.“ Das war 1989, als man zufällig in neun verstaubten Kartons den Nachlass Roussels unter dem Dach eines Pariser Möbellagers entdeckte und der Bibliothèque nationale übergab. „Nur wenige Tage nachdem man dort den Nachlass Guillaume Apollinaires entgegengenommen hatte.“ Doch während die Werke Apollinaires nicht nur in seinem Heimatland schnell und umfassend aufgearbeitet wurden, ging die (Neu-)Edition seines Zeitgenossen doch eher schleppend voran.

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Zugegeben, Roussels Romane und Erzählungen fordern ein spezielles Lesepublikum. Eines, dass in hohem Maße am Sprachspielerischen, Experimentellen, mitunter Bizarren interessiert ist. Zu Lebzeiten fand er dieses Publikum kaum. Oder muss man sagen, das Publikum fand ihn nicht? Seine Bücher, die er sämtlich auf eigene Kosten und ausschließlich im Verlag Alphonse Lemerre veröffentlichte, blieben weitgehend unbeachtet. Die Inszenierungen seiner für das Theater bearbeiteten Texte erregten hingegen die Pariser Gemüter. Bei einer dieser Skandalaufführungen im Jahre 1912 saß neben Apollinaire und Francis Picabia auch Marcel Duchamp im Publikum. Dieser zeigte sich tief beeindruckt, beschloss mit dem Malen aufzuhören, und widmete sich fortan seinen heute berühmten Kunstexperimenten aus Material und Mechanik. Auch auf die Kerngruppe der Surrealisten um André Breton wirkte Roussel nachhaltig und gilt mit seinem auf assoziativen Gleichlauten basierenden Schreibverfahren als Vorläufer der écriture automatique.

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