Archive for Juli 2015

SCHRIFTBILDER – 6. August – Erfurt

30. Juli 2015

Liebe Menschen, kommenden Donnerstag wird experimentiert! U.a. mit Jörg Engelmann, den wunderbaren Peter Neumann und Moritz Gause und mir. Das alles im Rahmen des Erfurter Fotosommers. Kommt zahlreich! 🙂

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Alles auf Anfang. Sechs Tische, sechs Schreibmaschinen, sechs Stunden

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06. Aug, 18 – 24 Uhr, Johannesstraße 17a, 99084 Erfurt

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Auch wir setzen: Alles auf Anfang. Sechs Tische, sechs Schreibmaschinen, sechs Stunden – sechs SchriftstellerInnen, sechs Fotografien – sechs Texte. Ausgehend vom Bild wird ab 18 Uhr in dieser installativen Performance, kuratiert von hEFt und dem Literaturfestival Erfurt, der ganze Prozess des Schreibens sichtbar und fühlbar: Der Moment der Inspiration, das Finden der Sprache, das Handwerk der Textproduktion. Ab 20 Uhr gibt es stündlich auch was für die Ohren: Fragmentarisches – Teile des Ganzes oder eben tatsächlich das Ganze – wird zu jeder vollen Stunde von den Autor_innen selbst vorgetragen und weitergereicht. Verweilt, trinkt und schreibt unter anderem mit: Moritz Gause, Peter Neumann, Mario Osterland, Jörg Engelmann

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Diese Veranstaltung wird durchgeführt durch: Literaturfestival Erfurt​ & Heft Erfurt​ www.literaturfestival-erfurt.dewww.heft-online.de

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Till Lindemann dichtet Rohlinge

28. Juli 2015

 

„Ich bin ein riesiger Rammstein-Fan. Aber die Leute in den Konzerten wissen teilweise nicht mal wie man eine Banane öffnet.“ (Olli Schulz)

Auch der Erfolg von Jan Wagners Regentonnenvariationen kann nichts daran ändern, dass der derzeit meistverkaufte (und wahrscheinlich auch meistgelesene), lebende deutschsprachige Dichter Till Lindemann ist. Dabei kann man natürlich einwenden, dass es sich bei der neu editierten Doppelausgabe Die Gedichte, bestehend aus den bisherigen Lindemann-Gedichtbänden Messer (2002) und In stillen Nächten (2013), wohl in erster Linie um einen Rammstein-Fanartikel handelt. Lindemann selbst will seine Lyrik jedoch unabhängig von seinen Songtexten für Rammstein verstanden wissen. Ein Wunsch, der gleich in mehrfacher Hinsicht nur schwer zu erfüllen ist. Zu dominant und einprägsam ist Lindemanns Umgang mit der deutschen Sprache, die er als Sänger und Texter einer ikonisch gewordenen Industrial-Metal-Band im Ausland so populär machte wie kaum jemand vor ihm. Zu nah sind obendrein der sprachliche Duktus und vor allem die thematische Ausrichtung seiner Gedichte an den Inhalten der Rammstein-Songs.

Einwenden könnte man zudem, dass Till Lindemann ja gar kein richtiger Dichter sei und der Vergleich mit dem Erfolg Jan Wagners auch deshalb von vorn herein hinkt. Dass die Gefahr besteht, die Regentonnenvariationen könnten zu einer Art lyrischem Fanartikel des Bildungsbürgertums verkommen, lasse ich dabei außen vor. Doch wo Wagner, gerade auch wegen seines Erfolges, zu Recht breit rezipiert wird, wird der noch erfolgreichere Lindemann weitgehend ignoriert. Ernstzunehmende Besprechungen seiner Gedichte sucht man in den großen Feuilletons meist vergebens. Über seinen Status als Lyriker machten sich eigentlich nur Moritz von Uslar und (ausgerechnet) Georg Diez ein paar Gedanken. Für jemanden, dessen Lieder sogar in Nord- und Südamerika gesungen, in Skandinavien und Russland gar im Deutschunterricht behandelt werden, scheint das ziemlich wenig. Vielleicht ist das auch ein Indiz dafür, dass Lindemann nicht ohne Rammstein betrachtet werden kann. Da man über diese Band alles zu wissen scheint und sie auch niemanden mehr wirklich schockt, braucht man über die Lyrik ihres Frontmanns scheinbar kein Wort mehr zu verlieren.

Scheinbar. Hier gibt es die ganze Besprechung.

Er fehlt mir

27. Juli 2015

Lyrikzeitung & Poetry News

Thomas Kunst zum Tod von Ulrich Zieger:

ulrich fehlt mir fürchterlich. ich liebte ihn von anfang an mehr als jeden anderen deutschen dichter. er spielte in seiner eigenen: gänzlich unerhörten liga. seine gedichtbände „neunzehnhundertfünfundsechzig“…“große beruhigte körper“…“vier hefte“…“l’atelier“ und „aufwartungen im gehäus“ sind von einem anderen stern: besseres gab es nicht und wird es demzufolge nicht mehr geben… kam in den 90er jahren ein päckchen aus montpellier: aus der rue henry: dann gab es festivalstimmung bei mir in der bayreuther strasse in leipzig: kassetten über kassetten: bemalte: beschriftete: in seelischer verausgabung zusammengestellte: betrunkene kassetten… jim und jeff: mecca normal: andy prieboy… ach alles… ich soff und hörte zu… wir waren dicht beeinander… fuhren zusammen nach umbrien: den alten paul wühr besuchen: tranken uns dort um den verstand: schönheit und süden und der leidenschaftlich bittere ausverkauf an poesie… er fehlt mir viehisch… aber ich hab seine bücher: ich hab seine stimme im…

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Die schlechte alte Zeit

15. Juli 2015

Wie man Goethe und die nach ihm benannte Epoche für die Nachwelt veranschaulicht, ist wohl eine Frage, die von jeder Generation neu beantwortet werden muss. Derzeit nähert man sich dem Dichterfürsten im Goethe-Nationalmuseum in Weimar zum Beispiel über dessen Hosenträger an, die dem Besucher nach dem Eintreten als eines der ersten Exponate präsentiert werden. Wie diese Herangehensweise der Vermittlung, dieses vom-Sockel-holen zu bewerten ist, soll den Besuchern der Ausstellung überlassen sein. Nicht zu leugnen ist jedoch diese merkwürdige Faszination, die Neugier wissen zu wollen, was Goethe drunter trug, was hinter der gut überlieferten, repräsentativen Fassade steckt. So erscheint es nur logisch, dass nicht nur in Bruno Preisendörfers Buch, sondern auch in jeder Rezension, so auch in dieser, darauf hingewiesen wird, dass Goethe, „nach allem, was wir wissen“ keine Unterhosen trug. Aha, wieder was gelernt. Denkt man zumindest.

Preisendörfer - Als Deutschland noch nicht Deutschland warNein, man täte Preisendörfer Unrecht, wollte man sein Buch auf diese kalkulierten Lacher reduzieren, die das bildungsbürgerliche Zielpublikum sicher bereitwillig goutieren wird. Als Deutschland noch nicht Deutschland war heißt seine im Untertitel gleichlautenden Reise in die Goethezeit, die in bester Safranski-Manier versucht, nicht nur die Klassiker, sondern hier vor allem ihre Lebenszeit lebendig darzustellen, vielleicht sogar ein Stück weit erfahrbar zu machen. Ein Versuch, der schon aufgrund der beeindruckenden Recherchearbeit alles in allem gelingen musste. Neben dem Haupttext gibt vor allem ein sehr interessanter, auch sehr brauchbarer Anhang detaillierte Auskunft darüber, wie sich die Dinge zu Zeiten des Geheimrates verhielten. Mit welchen zeitgenössischen Nachschlagewerken bildete man sich, womit verdiente wer wie viel, wie teuer waren Brot und Butter im Schnitt und wie viel war gleich nochmal ein Klafter Holz?

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