Archive for Juni 2015

Notiz zur „jungen“ Lyrik

24. Juni 2015

den Jungs wird das Haar dünn

wie Baudelaire

die Mädels wollen wie Bachmann sein

und alle liebäugeln mit dem Spiegel

Cover

Tiere erfinden

14. Juni 2015

Das Tier verunsichert die Tiere. Im Giebel schreien Falken, die auch niemand versteht – gackern die Hühner gack. Ackern die Acker um Knochen zu finden von Tieren. Fußnote 1: Notiz an mich: Die Verwendung von Hühnern als Trüffelhühner prüfen, um reich zu werden. Wer reich an Trüffelhühnern ist, ist trüffelhuhnreich und somit Herrscher über ein Trüffelhuhnreich. Aber das gehört nicht hier her, nicht in diese Landschaft.1 Ende Fußnote 1 (mit Sternchen).

Ranis, 13.6.2016: In der Nacht zum Sonntag kamis in Ranis zu Übergriff von Tier auf Mensch wo, an der Stelle von als, Tier über den Zaun griff und gratzte Mensch tot.

„Wir schalten live zu Mella Martini, die, nebenbei bemerkt, am Sender dreht, seit das Tier zum ersten Mal gesichtet wurde. Oder anders rum. Sie kennen das Huhn. Oder Ei? Tier oder Mella? Fußnote 2: Notiz an mich: keine Witze über Form von Frau Martini. *kicher* Ende Fußnote 2. Mella was nu? Wir sind zu – hast du geschaltet?“

„Nee Leute, da stell ich mich quer, so geht das nicht, wenn wir aufeinander hacken wie die Tiere kratzen, grade in so nem kleen‘ Sender. Nee, mach ich nicht… da… nee, vergesst das mal… is‘ nich. Oder doch! Wo ich schonmal drauf bin…“

„Danke Mella Martini, die eigentlich gar nicht eingestellt werden sollte wegen Alliteration ihres Namens. Mal ehrlich. Aus welchem Haus kommt jemand raus, in dem drinnen welche hocken, die ihre Kinder nach Cocktails nennen. Meiner Meinung nach meine ich…“

CUT

Das Tier hat keinen Namen.

Das Tier hat einen Namen.

Tier, Biest, Viech, Kreatur, Geschöpf, Gekröpf, gekraustes Fell, gegrautes Gesicht, Augen grau.

Das Tier hat tausend Namen.

Phantomwipfel, Wipfelteufel, Teufelsbeutler und so woider

machen wir hier nen

CUT oder

Nein, man muss die Sache auch ernst nehmen. Die Menschen sind nunmal verunsichert wegen der Übervölkerung des Übervolkes durch fremde Arten. Auch wenn man’s nicht verstehen kann, muss man es versuchen zu verstehen; die Dummen verstehn’s ja auch und denen sagen wir „die versuchen’s ja nicht mal.“ – Ein Tier ist keine Metapher. Ein Tier kann man verstehen. Es kann nicht. Anders. Verhält es sich beim Menschen? Fußnote 3: Notiz an mich: Idee für einen Essay: Verhalten sich Menschen zu Tieren oder umgekehrt?

z.B. wenn eine Katze (kleine) sich an Beine schmiegt

od.

wenn ein Mensch an einer Weide „muh!“ ruft oder „mäh?“

(Gedanken an durchtackerte Kuhohren und was Schweinsohren mit Schokolade zu tun haben. Was machen die eigentlich den ganzen Tag?)

Fußnote 4: Notiz an mich: Letzteres bei Gelegenheit streichen. albern&absurd.2 Ende Fußnote 4.

CUT

Da ihr die Mella nicht kennt, hab ich mich dazu entschlossen sie hier außen vor zu lassen. Nur so viel vllt.; das hat sich angedeutet, sie kann echt zu Tier werden. Könnte es, wenn ich es zuließe. Mach ich aber nicht, weil…

… du versuchst die Kontrolle über den Text zu behalten. Süß.

CUT

Schreiben müsste man

ein Bestiarium phantastischer Tiere

& Pflanzen natürlich/

äh! und unnatürlichäh

natürlich

aber keine nicht existierenden Tiere

die schon existieren:

Einhörner, Wolpertinger, Rasselböcke, alte Hüte

Zusamm’rottung aus Fell und Filz

Fußnote 5: nein, nichts mit Beuys jetzt, sondern ein Köttel moderner Biologie-Klugschiss: im Urbanen bilden Füchse Gemeinschaften, werden Einzelgänger zu Rudeltieren, was Prof. Dr. Jan Delay (Uni Hamburg) bestätigt. Ende Fußnote 5.

ein phöllig phantastisches Bestiarium

also: Beutelsegler, Segellaus, Lausmaki

CUT

focus on horror

hinschauen wenn’s wehtut

Wunden erkennen

nicht versorgen

wachsen lassen (nur zu!)

Eiter verschweigen

keine Chance für falsche Ästhetik

horror ≠ splatter

od. horror = splatter ≙ albern&absurd

(wertfrei)

1letzten Trüffelfund in der Gemarkung Ranis recherchieren. Ende der Fußnote zur Fußnote 1.

2guter Name für ein Label unbestimmter Ausrichtung. Ende der Fußnote zur Fußnote 4.

Zukunftsbibliothek

3. Juni 2015

Ich liebe ja solche Kulturprojekte, die auf eine große Zeitspanne ausgerichtet sind. Irgenwie muss ich jetzt auch an John Cage’s „as slow as possible“ denken.

Lyrikzeitung & Poetry News

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood hat am Dienstag in den Wäldern von Oslo ein bisher unveröffentlichtes Buchmanuskript aus der Hand gegeben, das erst in 99 Jahren gedruckt werden soll. Dahinter steckt ein Projekt der schottischen Künstlerin Katie Paterson, bei dem unter dem Titel „Future Library“ (Bibliothek der Zukunft) in jedem Jahr ein anderer Autor ein Manuskript zur Verfügung stellen soll, das erst 2114 veröffentlicht wird. Atwoods Buch „Scribble moon“ ist das erste in der Serie.

Im vergangenen Jahr pflanzte Paterson in einem Wald nördlich von Oslo 1000 Fichten, die in 99 Jahren das Papier liefern sollen, auf dem die Bücher gedruckt werden. Bis dahin werden die Manuskripte in der Deichmannschen Bibliothek in Oslo aufbewahrt, die 2018 in einen Neubau neben der Oper zieht. / SÜDDEUTSCHE ZEITUNG 27.5.

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Collage

1. Juni 2015

Zum ersten Mal kam ich mit der Collage als Kunstform, Schreibtechnik oder poetische Form in der Schule in Berührung. Damals zerschnitten wir Jakob van Hoddis‘ Weltende Vers für Vers und bauten es, jeder für sich, in einer neuen Reihenfolge wieder zusammen. Das fand ich großartig und hab daraufhin noch drei oder vier andere Gedichte aus Zeitungsüberschriften geschnibbelt. Leider scheinen diese ersten Collagegedichte verloren gegangen zu sein.

Erst als Herta Müller, die ich vorher nicht kannte, 2009 den Literaturnobelpreis bekam und ich von ihren Collagegedichten erfuhr, habe ich mich an diese Technik erinnert. Was habe ich bloß in der Zwischenzeit getrieben? Auf jeden Fall zu wenig geschrieben.

Im letzten Jahr veröffentlichte Lydia Daher den großartigen(!!) Band Und auch nun, gegenüber dem Ganzen – dies und auch ihr Verlagskollege Volker Strübing hat seine Lust am Collagieren entdeckt.

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Ich werde mich demnächst mal wieder an die Collage wagen. Bis ich erste Ergebnisse vorzeigen kann, hier ein Eindruck meiner Bildsammlung in einem Briefumschlag mit Fenster. Ich denke, ich bin auf dem Weg…

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Spontan vielleicht noch dieses hier:

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Die Negativvariante der Textcollage ist übrigens das Erasure. Das gibts auch schon ewig, aber erst in den letzten Jahren, genaugenommen mit dem Buch SONNE FROM ORT von Uljana Wolf und Christian Hawkey, bin ich auch auf diese Form aufmerksam geworden. Zuletzt sind mir die Erasures von Clemens J. Setz aufgefallen.

Mein allererstes Erasure:

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