Archive for März 2015

Waiting for a guide to come

30. März 2015

Ich lasse die alten, gelegentlich neu aufgeworfenen Fragen danach, ob Songtexte zur Lyrik gezählt und Songwriter als Dichter angesehen werden können, beiseite. Hunderte Male schon wurden sie richtig beantwortet mit einem entschiedenen „Nein, aber …“ oder einem „Ja, wenn …“. Im Falle des 1980 verstorbenen Ian Curtis und seiner Songs verhält es sich nicht anders. Die Texte des 1956 in Greater Manchester geborenen Musikers zählen nicht gerade zum Kanon moderner britischer Dichtung, gehören aber zweifelsfrei zu den einflussreichsten der Rockmusikgeschichte. Als Sänger der Post-Punk-Band Joy Division wurde er zu einer ihrer düstersten Ikonen. In seinem Legendenstatus ist er vergleichbar mit Jim Morrison, Janis Joplin oder Kurt Cobain.

Doch angesichts der hier Genannten verlief die bisherige Aufarbeitung und Vermarktung von Curtis‘ Leben und Werk geradezu gemäßigt. Bis heute gibt es mit Touching from a distance (1995) nur eine ernstzunehmende Biografie, die von Curtis‘ Witwe Deborah stammt. Auf ihr basiert Anton Corbijns vielfach ausgezeichneter Film Control (2007). Darüber hinaus gibt es einiges an dokumentarischem Filmmaterial, das jedoch meist die Entwicklung von Joy Division, dem Label Factory Records oder der britischen Undergroundszene der späten 1970er beleuchtet. Vor allem über Curtis‘ Schaffensprozess wird hier meist nur vage gesprochen, was die Mythenbildung natürlich anfachte. Die relative Verschwiegenheit von Deborah Curtis sowie der drei verbliebenen Joy Division-Mitglieder Peter Hook, Bernard Sumner und Steven Morris, die nach Curtis‘ Tod als New Order weltbekannt wurden, trug und trägt noch immer Einiges dazu bei.

Hier gibt es den kompletten Artikel.

Irmgard Keun: Schreiben im Exil (1947). Und das Leben in Ostende.

27. März 2015

Hotel der kleinen Leute

24. März 2015

Denkt man heute an Paris in den 1920er Jahren, fallen wohl zuerst große Namen aus Kunst und Literatur ein. Picasso, Hemingway, Dalí, Gertrude Stein. Vor allem außerhalb Frankreichs ist das Bild dieser Dekade geprägt vom Leben der Bohème in Montmartre und Montparnasse. Jährlich pilgern unzählige Touristen zu den Kultstätten dieser Zeit, wie etwa dem Bateau-Lavoir oder dem Café du Dôme. Ein heute eher von Einheimischen frequentierter Schauplatz dieser Zeit befindet sich hingegen am Canal Saint Martin und beherbergte seinerzeit diejenigen, denen ein Künstlerleben ganz und gar fremd war.

Dabit_Hotel_du_Nord

Das Hôtel du Nord am Quai de Jemmapes war ein so genanntes Wohnhotel, in dem vor allem Arbeiter mit geringem Lohn abstiegen, die sich keine Wohnung mit eigener Möblierung leisten konnten. 1923 pachteten es die Eltern des Schriftstellers Eugène Dabit, die selbst dem Arbeitermilieu entstammten. Der damals 25-jährige Dabit, dessen Versuche Maler zu werden wenig Erfolg versprachen, half regelmäßig im Hotel der Eltern aus. So wurde er zwangsläufig zu einem präzisen Beobachter der Gäste, die nicht selten vom einen Tag auf den anderen auszogen und für immer verschwanden. Auch wenn ihre Geschichten oft nicht von einem großen Schicksal geprägt waren, entschloss sich Dabit diesen Menschen eine Stimme zu geben, ein Andenken an sie zu schaffen.

Hier geht’s weiter.

Die Tauchglocke

23. März 2015

Die einzige endgültigere und rätselhaftere Grenze als die zwischen der spiegelgleichen Meeresoberfläche und der darunter liegenden Welt der Riffe ist die zwischen Leben und Tod. – Osha Gray Davidson

 

die Tauchglocke schlägt drei

mein Dienst hier geht zu Ende

 

längst sank der Schreibtisch hinab

wurde der Stuhl im Grund verankert

 

die Strömung reißt an rostigen Lettern

bald endet auch der Schriftverkehr

 

ein Schwarm Krawatten wirbelt auf

was von den Mauern übrig blieb

 

ich seh ihm lange nach und spanne

den letzten Bogen ein

 

(c) Jason deCaires Taylor

„In Paris“ jetzt auch als eBook

12. März 2015

Liebe Menschen! Meinen kleinen Debütband „In Paris“ gibt es jetzt auch als eBook auf minimore. *fanfare*

Die Druckausgabe ist weiterhin hier erhältlich!

Die frühen Stories

5. März 2015

Nicht erst seit dem Tod des größten literarischen Phantoms des 20. Jahrhunderts wird über den Nachlass J. D. Salingers heftig spekuliert. Bereits zu seinen Lebzeiten gingen die Meinungen von Literaturkritik und -wissenschaft über Umfang und Qualität möglicher unveröffentlichter Werke des Amerikaners weit auseinander. Salingers letzte Publikation, die short story Hapworth 16, 1924, die 1965 in The New Yorker erschien, wurde seinerzeit fast ausschließlich negativ bewertet. Dass Salinger jedoch bis zuletzt weiterschrieb, scheint sicher zu sein. Doch die Hoffnungen auf eine schnelle Veröffentlichung der kolportierten sieben bis fünfzehn Bücher aus Salingers Schubladen wurden enttäuscht. Auch fünf Jahre nach seinem Tod bleibt der Nachlass des erfolgreichen Schriftstellers ein großes Geheimnis.

Den ganzen Artikel gibt es bei fixpoetry.com


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