The Nova Sessions

Wir verbrachten damals viel Zeit im Proberaum, weil er einen Kohleofen hatte, der gut durchzog, was ich von meiner Bude nicht sagen konnte. Ihr kennt die Klischees… kaltes Dachgeschoss, morsche Dielen, ein Arschloch, das einem sein Arschloch vermiete um darin zu wohnen, ohne vorher wenigstens einmal durchzuwischen. Also hingen wir im Proberaum herum, aber sicher nicht, weil wir glaubten, dass wir einmal Rockstars werden könnten, wenn wir es nur wirklich wollten und hart arbeiteten für unseren Traum. Scheiße nein, daran dachte wirklich niemand von uns und so isses dann auch nicht gekommen. Sicher hätten wir uns auch in der Kneipe unseres Vertrauens treffen können, aber der Besitzer war ziemlich engärschig wenn es darum ging eigene Mucke zu spielen und überhaupt war das nicht so ein Laden in dem du dich bis zum Morgen aufhalten konntest mit nur zwei Bier und nem Schnaps auf dem Deckel. Wo lebt ihr? Montmartre? Chelsea Hotel? Ach, bitte. Wenn du in Paris ein Bier trinken willst, musst du nen Kredit aufnehmen und im Chelsea blätterten schon zu Cohens Zeiten die Tapeten ab. Wie man es schaffte dort anschreiben zu lassen, kann einem heute keiner mehr sagen. Wir waren keine Romantiker, hingen nicht bis zum Morgen in Bars, weil uns schlicht das Geld fehlte. Wir zogen nicht um die Häuser, lebten nicht in Paris, New York, nicht mal in Berlin in irgendsoeiner verfickten Hundescheißestraße in der du das Kotzen kriegst, weil alles nach Scheiße stinkt und du dir nicht immer sicher sein kannst, dass das nur an den Kötern liegt, von denen mindestens drei auf einen Berliner kommen mussten. Was für ein Drecksloch. Nachdem ich das erste Mal in Berlin war, konnte ich ewig keine Berliner mehr essen, weil ich immer dachte, dass Hundescheiße herausspritzen würde, wenn ich fest hineinbiss.

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Ein Drecksloch war auch der Proberaum, aber der war wenigstens warm und er roch nur nach Insektenspray und Gras. Dort konnte man sich wirklich wohlfühlen, falls einem danach war sentimental zu werden. Nur in die Sofapolster sollte man nicht allzu tief abtauchen, weil dort immer jemand ein Stück Pizza oder was weiß ich was verlor und meist nur halbherzig danach suchte, um den Fraß wiederzubekommen. Das war mit dem Gras natürlich was anderes. Ich weiß noch, wie wir einmal krank vor Sorge die Polster aufschnitten, weil auf einmal 20 Gramm weg waren. 20! Könnt ihr das glauben? Wir zückten die Messer und Zack! Ratsch, ratsch, siehe da… ein paar verkrustete Chinanudeln und eine Scheibe Salami so hart wie die Make-Up-Kruste auf der Fresse der Amtstussi. Was soll’s… man lebt ja nicht vom Moos allein. Was auch immer das heißen soll. Und weil wir anständige Leute waren hingen wir eben nicht nur den ganzen Tag rum, sondern machten Musik, schrieben Texte, auch Gedichte, ja lacht nur, und einer von uns malte und zeichnete sogar. Und nicht mal schlecht. Die Bilder hättet ihr sehen sollen! Das war natürlich kein da Vinci oder so ne Hackfresse, sondern eher so’n Picasso, also doch Hackfressen irgendwie, wenn ihr versteht… Glaubt bloß nicht, ich kenn die ganzen Spinner nicht. Selbst Alex, der alte Droogie hat Ludwig van gehört. Ich hab meine Hausaufgaben gemacht – ihr könnt mir gar nichts. Und da die Fronten jetzt geklärt sind, dürfte ja wohl alles klar sein. Scheiße ja, dann waren wir eben ne Band oder sowas, aber wen hat das schon interessiert? Uns jedenfalls nicht.

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2 Antworten to “The Nova Sessions”

  1. Anja Says:

    Herrlich! 🙂

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