Der schwarze Faden – Heiner Müllers gesammelte Gedichte

„Ich glaube, mein stärkster Impuls ist der, Dinge bis auf ihr Skelett zu reduzieren, ihr Fleisch und ihre Oberfläche herunterzureißen.“ Dieses bekannte Zitat von Heiner Müller stammt aus einem Interview von 1982.Obwohl er damit vor allem das Stückeschreiben und hier speziell die Hamletmaschine meinte, scheint dieser Impuls vor allem in einem kurzen Gedicht verdeutlicht, das Müller nur ein Jahr zuvor geschrieben hatte.

ZAHNFÄULE IN PARIS

Etwas frißt an mir

Ich rauche zu viel
Ich trinke zu viel

Ich sterbe zu langsam

Gerade einmal fünf Zeilen brauchte Müller, um sich selbst die Oberfläche herunterzureißen, seine gesundheitlichen Problem auf ihr Skelett zu reduzieren. Auslöser für dieses so unscheinbare Gedicht war eine simple Karies, die dem Dichter jedoch einmal mehr seine Sterblichkeit vor Augen führte. Das Ergebnis dieser Reflexion ist ein Selbstportrait, das in seinem Minimalismus so präzise und ehrlich ist, wie man nur sein kann. Heiner Müller, Whisky, Brille und Zigarre, führt ein selbstzerstörerisches Leben, dessen er sich bewusst war und das wiederum hat Stil. Nach außen ist Müller vielleicht der coolste Autor seiner Zeit, nach innen ist er so verletzlich wie die meisten. Vielleicht sogar noch verletzlicher, zumindest scheint er sich selbst zu fragen, wie sein Körper so lange durchhalten kann.

Die vollständige Besprechung gibt es auf fixpoetry.com

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