Text auf Leinwand

Kürzlich veröffentlichte Markus Hallinger eine Rede über die armen Dichter im Poetenladen und ich muss zugeben, dass ich zuerst dachte: bitte nicht schon wieder so ein Klagelied. Dann aber hab ich den Text zwei-, dreimal gelesen und er brachte mich auf eine Idee, die auch nicht gerade neu ist, aber schön.

Hallinger vergleicht den ökonomischen Status der Dichter mit denen der Maler, was mich dazu brachte beide Künste einmal mehr zusammen zu denken. So werde ich immer dann besonders hellhörig, wenn ich erfahre, dass bestimmten Bildern Gedichte (oder andere literarische Texte) zugrunde liegen und umgekehrt. Sehr interessant (und von den Geisteswissenschaften bisher nicht umfassend erforscht) finde ich in diesem Zusammenhang künstlerische Doppelbegabungen, also malende Dichter und dichtende Maler. Allen voran Paul Klee, weniger Hermann Hesse.

In der gegenwärtigen Lyrik scheint ein Zusammenfinden beider Künste viel zu selten zu geschehen. Natürlich gibt es immer wieder Gedichte, die unmittelbar auf Kunstwerke verweisen (z.B. in Martin Piekars „Bastard Echo“) und einigen Gedichtbänden werden Illustrationen beigegeben, die sich mal mehr und mal weniger mit den Texten in Verbindung bringen lassen. Besonders schön finde ich es aber, wenn es der Text auf die Leinwand schafft und Teil einer Malerei wird. Leider kommt das nicht allzu häufig vor. Schöne Beispiele wie „painted poetry“ aussehen könnte zeigt aber diese Seite: Numéro Cinq.

Und da bin ich wieder bei Hallingers Text. Wie wäre es, wenn Dichter stärker mit Bildkünstlern zusammenarbeiten würden, um ihre Texte so mit einem anderen Medium an den Mann zu bringen? Etwa so wie man Kindern Medizin unter’s Müsli mischt. Dadurch würden die Texte natürlich eine andere Rezeptionssituation bekommen, aber meiner Ansicht nach eher eine positive. Zumal es ohnehin mehr Durchmischung der Künste geben sollte.

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Dass die Zusammenführung von Kunst und Lyrik aber auch schon ganz gegenwärtig funktioniert, beweisen die Poetryletter auf fixpoetry.com. Die lassen sich zwar vervielfältigen, aber auch wie künstlerische Statussymbole an die Wand hängen.

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Eine Antwort to “Text auf Leinwand”

  1. Felix Baumann Says:

    Interessanter Punkt, allerdings auch nicht ganz neu, wie du ja selbst festgestellt hast. Ich denke auch viel darüber nach, und suche nach Wegen.
    Vielleicht interessiert dich der Beitrag, den ich vor einigen Tagen geschrieben habe:
    http://felixbaumann.net/2014/09/29/blasse-wasser-speicherstadt/

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