Archive for September 2014

I never said that I was brave – Leonard Cohen zum 80. Geburtstag

21. September 2014

Mit So long, Marianne endete 1972 das Konzert in Jerusalem, das zugleich das letzte einer ausgedehnten Europa-Tournee war. Das heißt, eigentlich brach Cohen das Konzert nach dem Song ab, weil er und Teile der Band weinend im backstage saßen. Das Publikum wartete geduldig, hatte jede Zeile mitgesungen und jedes Wort gefeiert. Es war der emotionale Höhepunkt einer anstrengenden Tour, die an diesem Punkt enden musste. Cohen ist überwältigt, nervlich am Boden, die Stimmung „like in a morgue“.

Es sind diese Momente am Ende der Tourdokumentation „Bird on a Wire„, die all das zuvor in Interviews Gesagte glaubhaft machen. Über Kreativität kann Cohen nichts sagen, die Lieder schrieb er nicht um berühmt zu werden, sie Nacht für Nacht zu wiederholen quält ihn.

Aber man will sie immer wieder hören, weil sie etwas besitzen, dass man eigentlich nur als Wahrhaftigkeit bezeichnen kann. Sie zeichnet sich aus durch eine Klarheit der Worte, die zugleich Tiefe erzeugt, was nicht nur in der Musik, sondern auch in der Dichtung sehr selten geworden ist. Cohens Texte sind voll von poetischen Bildern ohne Selbstzweck, sie dienen immer dem Song. Und sie sind ganz nah dran an einem Ich, das in hohem Maße zur Identifikation taugt. Cohen ist mutig, weil er so ehrlich ist, bereit zuzugeben, dass er verletzlich ist, sterblich. Seine Songs sind frei von Attitüde und Knalleffekten.

Der Schriftsteller und Musiker Leonard Cohen ist für mich einer der größten Dichter nach 1945. Er zeigt mir, dass man mit persönlicher, gefühlvoller Dichtung, die sich nicht davor scheut „Ich“ zu sagen, noch immer eine größere Wirkung erzielen kann, als mit kühl-distanzierter, analytischer, scheinbar alles überblickender Lyrik. Eine Wirkung, die durch die Reflexion eines möglichen Publikums sogar den Dichter selbst überwältigen kann.

Leonard Cohen, geboren am 21. September 1934 in Montréal, wird heute 80 Jahre alt. Ich wünsche ihm, dass noch viele Jahre folgen werden.

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LEA – Lesebühne Erfurter Autoren am 17. September 2014

12. September 2014

Am Mittwoch, 17. September 2014 lese ich Lyrik und Prosa bei der LEA – Lesebühne Erfurter Autoren. Das Ganze findet ab 20 Uhr im Café Duckdich (Engelsburg) in Erfurt statt.

Alle Infos von offizieller Seite gibt es hier:

https://www.facebook.com/events/614788685300949/?fref=ts

und hier:

http://www.eburg.de/events/2014/09/17/lea-lesebuehne-erfurter-autoren-36/#content

Literaturklub am 8. September 2014

4. September 2014

Am Montag lese ich mit Ulrike Anna Bleier in Köln!

literaturklubkoeln

Der Literaturklub startet am 8. September in die neue Spielzeit. Die ersten Gäste sind dann Ulrike Anna Bleier (Köln) und Mario Osterland (Erfurt). Sie lesen Lyrik und Prosa zwischen Mallorca, Paris und Köln. Adrian Kasnitz führt durch den Abend.

Ulrike Anna Bleier ist freie Journalistin und Moderatorin und lehrt an der Uni Köln. Sie hat zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht und war Finalistin beim MDR-Kirzgeschichtenwettbewerb. Unter ihrem Pseudonym Greta von der Donau ist sie regelmäßig in der Sendung Sex und andere traurige Sachen im Internetradio 674.fm zu hören. In der 12-Farben-Reihe von rhein wörtlich ist jetzt der Band Miriam erschienen.

Mario Osterland, geb. 1986 in Mühlhausen/Thüringen, studierte Germanistik, Komparatistik und Kunstgeschichte in Leipzig. Er lebt als Schriftsteller, Journalist und Blogger in Erfurt. Zweimal war er Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. In der parasitenpresse ist kürzlich In Paris, ein Band mit Prosagedichten, erschienen.

  • Termin: 8. September 2014, 20 Uhr
  • Ort: Theater ‚Die Wohngemeinschaft‘…

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