Archive for Mai 2013

Ist Karriere in der Wissenschaft ein Glücksspiel?

28. Mai 2013

Differentia

Autopoiet hat einen Artikel über die Jagd nach Reputation in der Wissenschaft gepostet. Der Artikel bezieht sich vor allem darauf, dass seit neuerer Zeit Wissenschaftler an den Universitäten nicht mehr bereit sind, ihre Texte Verlagen zur Publikation zu überlassen.

Was aber bewegt Forscher, dieses lange Zeit wenig hinter­fragte Verfahren plötzlich auszusetzen oder sich sogar mit Hilfe eines öffentlichen Boykott-Aufrufs dagegen zur Wehr zu setzen?

Möglicherweise geht es bei diesem Boykott um etwas ganz anderes. Der Selbstauskunft der Wissenschaftler nach, könnte es um eine Emanzipation gehen. Die Karrierebedingungen von Wissenschaftlern sind inzwischen durch zwei Merkmale charakterisiert: 1. Reputationsgewinne werden zunehmend nur noch minimal messbar, was damit zusammenhängt, dass die Intransparenz der Beförderungskriterien auch aufgrund einer immer dichter werdenden Konkurrenz zunimmt. Das führt dazu, dass 2. eine Karriere eigentlich nur noch Zufallscharakter hat.
Karriereplanungen dürften nur die Ausnahme sein, nämlich dann, wenn sich in Einzelfällen sehr stabile Gunsterwartungen ereignen. Doch das dürfte…

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109 Lieblingslieder – Teil 49

24. Mai 2013

106. Northern Lite – What you want

Ach ja, Northern Lite… Es gibt kaum cooler Säcke auf der Bühne als die vier Erfurter. Und kaum einen Frontmann, der sich mit so wenigen Gesten so feiern lässt wie Andreas Kubat. Aber hey: Sie können es sich leisten. Und was man sich leisten kann, das kann man sich leisten.

http://www.tape.tv/vid/7634

Ich hab Northern Lite mehrfach live gesehen. Darunter zweimal auf dem WGT. Man glaubt gar nicht, wie Grufties manchmal auf Elektro-Pop abgehen. (Hab ich in diesem Jahr erst wieder bei Kosheen gesehen. – War geil!) Und nun stelle man sich vor, wie der Sänger mit Jackett, Sonnenbrille und Kippe zu diesem Song einfach nur still auf der Bühe steht, seinen Text singt und sich feiern lässt. Großes Kino.

109 Lieblingslieder – Teil 48

8. Mai 2013

105. Timescratch – Jimmy The Turtle

Es wird höchste Zeit für Timescratch aus Leipzig, dessen Game-Boy-Mucke mich vor ein paar Jahren sehr angefixt hatte. Ob „Jimmy The Turtle“ wirklich zu einem meiner absoluten Lieblingslieder zählt, bezweifle ich heute. Aber der Tune ist einfach fett (wie man als Hip-Hopper um die Jahrtausendwende gesagt hätte).

Außerdem kamen mit den Suchbegriffen „timescratch download“, „timescratch gratis download“, „timescratch ep“ etc. schon 148 Besucher auf dieses Blog.

109 Lieblingslieder – Teil 47

6. Mai 2013

104. Kosheen – Catch

Einer meiner all-time-Elektro-Dauerbenner. Der Song ging 2001 steil durch die Decke. Danach wurde es etwas ruhiger um die Band aus Bristol (UK) und in diesem Jahr spielen Kosheen – für mich völlig überraschend – auf dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. Ich freu mich drauf.

Wie ich Fan des FC Bayern wurde

2. Mai 2013

Unabhängig von den jeweiligen Farben finde ich es immer interessant zu erfahren, wie Fußballfans zu ihren Vereinen kamen. Manchmal ist es ja ziemlich banal, wenn man z. B. als Kind die Trikots einer bestimmten Mannschaft schön fand. Manchmal liegt es auf der Hand, wenn einen die Spielweise eines bestimmten Spielers oder einer Mannschaft begeisterte. Überregionales Fandasein von Bundesligaclubs ist dadurch völlig normal geworden.

Geht es allerdings um den FC Bayern München, sieht die Sache etwas anders aus. Kommt man als Bayern-Fan aus München und Umgebung, fällt ein gewisser Erklärungsdruck weg. Die Bayern-Fans aus dem restlichen Bundesgebiet und über die Grenzen Deutschlands hinweg werden hingegen misstrauisch beäugt und in 99% der Fälle als „Erfolgsfans“ vorverurteilt. (Passierte mir im Leipziger Nachtbus erst vor Kurzem wieder, als ich meinen Kopf mit einer Bayern-Mütze gegen die Kälte schützte. Macht mir aber nix aus.)

Da ich hin und wieder über (Fußball-)Blogs stolpere, auf denen Fans erzählen wie sie zu ihrem Verein kamen und ich das gern lese, habe ich mich dazu entschlossen kurz zu beschreiben, wie ich Fan des deutschen Rekordmeisters wurde.

Es begab sich aber zu der Zeit, als ich acht Jahre jung war und die Fußballweltmeisterschaft in den USA stattfand. Ich hatte mich bis dahin nicht für Fußball interessiert und mein Vater erklärte mir den Unterschied von Vereins- und Nationalmannschaften. „In der Nationalmannschaft“, so mein Vater, „spielen die besten Spieler eines Landes zusammen.“ „Bei welcher Mannschaft spielen denn die besten deutschen Spieler?“, wollte ich wissen. Die Antwort könnt ihr euch sicher denken. Dabei befanden sich im deutschen WM-Kader mit dem jungen, gerade erst vom Karlsruher SC verpflichteten Oliver Kahn als drittem Torhüter, Lothar Matthäus und Thomas Helmer nur drei Bayern-Spieler. Aus heutiger Sicht verwundert das, weil die Bayern 1994 Deutscher Meister wurden. Dennoch hatte Berti Vogts auf Olaf Thon oder Bruno Labbadia verzichtet.

Das Schwärmen meines Vaters für den FC Bayern hinterfragte ich natürlich nicht. Erst mit Beginn der Bundesliga-Saison 1994/95 wurde mir das Fandasein wirklich klar. Mein Vater erzählte mir, wie er und mein Opa in den 1970ern die Bayernspiele im Westfernsehen verfolgten. Er schwärmte von Breitner, Beckenbauer und Hoeneß, von den Duellen mit Borussia Mönchengladbach und den drei Europapokalsiegen in Folge. Von da an war mir klar, dass ich zusammen mit meinem Vater und meinem Opa zu den Bayern halte.

Die Saison 1994/95 stellte sich aber als eine denkbar schlechte Spielzeit heraus, um seinem Sohn zu beweisen, dass der FC Bayern München der beste Verein Deutschlands ist. Borussia Dortmund wurde knapp von dem SV Werder Bremen Meister. Die Bayern belegten einen mittelmäßigen sechsten Platz in der Tabelle. Ich wurde über alle Maßen enttäuscht, versprach ich mir doch die ganze Saison über eine Siegerehrung mit einem glänzenden Pokal und einem jubelnden Lothar Matthäus, der mein erster Lieblingsspieler war.

Irgendwie war es naheliegend in dieser Zeit Dortmund-Fan zu werden. Sie spielten einen absolut dominanten Fußball, verteidigten in der Saison 1995/96 den Meistertitel und gewannen 1997 die Champions League (im Münchner Olympiastadion! Dem Theater der Träume meiner Kindheit). In meiner Schule hielt so gut wie jeder zu Dortmund. Die Bayernfans waren die absolute Minderheit. Meine rote Mütze flog regelmäßig in den Dreck. In dieser Zeit muss mein Vater ganze Arbeit geleistet haben. Ich lernte früh, dass Verlieren im Fußball dazugehört. Als „Erfolgsfan“ fühlte ich mich in dieser Zeit nicht und auch später nie.

Aber der Erfolg kam. 1996 gewann der FC Bayern den UEFA-Pokal (die heutige Europa League). Dass Franz Beckenbauer den Wettbewerb „Cup der Verlierer“ nannte, wusste ich nicht und ich hätte es auch nicht verstanden. Nach zwei Endspielen (damals gab es auch im Finale noch ein Hin- und Rückspiel) gegen Girondins Bordeaux (mit Zinedine Zidane und Bixente Lizarazu) stemmte Matthäus den Pokal in die Luft. Den ersten, den ich bewusst mitbekam. Für mich war der Titel das Größte. (Wahrscheinlich mag ich deshalb die Europa League bis heute und bedauere ihren Bedeutungsverlust im europäischen Fußball.)

Natürlich konnte ich in den folgenden Jahren noch oft sehen, wie die Bayern Pokale in die Höhe stemmten. Sich darüber zu freuen, macht einen jedoch nicht automatisch zum Erfolgsfan. Das Vorurteil, dass Bayernfans immer nur auf der Gewinnerseite stehen wollen, ist, für einen wirklichen Anhänger des Klubs, blanker Hohn. Kein anderer deutscher Verein hat eine derartige Fallhöhe erreicht wie der FC Bayern. Keine Niederlage schmerzt so sehr wie ein verlorenes Champions League-Finale; sei es in der Nachspielzeit oder im Elfmeterschießen. Nichts ist beschämender als in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den TSV Vestenbergsgreuth auszuscheiden. Aber genau das kann immer wieder passieren, weil jeder Gegner gerade gegen die Bayern alles gibt.

So jedenfalls wurde ich Fan des FC Bayern München. Ich hab Höhen und Tiefen miterlebt. War 1999 am Boden zerstört, 2001 im Rausch, 2012 klinisch tot. Wer mit ganzem Herzen an seinem Verein hängt, macht das alles mit. Eine rationale Erklärung gibt es dafür nicht. Aber es reicht schon aus, für sein Fandasein nicht vorschnell verurteilt zu werden.

Evasive

1. Mai 2013

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