Architekturen der Apokalypse (Teil VII)

4.3 Patera als göttlicher Baumeister und absoluter Herrscher

Wenn nun im Folgenden die Figur Pateras und seine Bedeutung für das Handlungsgeschehen analysiert werden soll, muss zunächst darauf hingewiesen werden, dass der Aspekt fehlender Allmacht aus dem vorherigen Kapitel relativiert werden muss. Dieser Umstand ergibt sich notwendigerweise aus dem Gestaltungsprinzip des Romans, das auf einem Zusammen- und Entgegenwirken von Dualitäten beruht. Das Motto Der Demiurg ist ein Zwitter (286), das den Roman beschließt, kann daher nicht nur als Fazit, sondern auch als roter Faden, der sich durch den Text zieht, gelten.

Im Vergleich der Städtekonstruktionen bei Kubin und Johannes wurde gesagt, dass Patera keine göttliche Allmacht besitzt. Diese These lässt sich jedoch nur im Hinblick auf das Ende des Traumreiches und im Vergleich zur Offenbarung eindeutig belegen. Im biblischen Text gibt es niemals Zweifel an der Allmacht Gottes, die die Vision des neuen Jerusalems schließlich wahr werden lässt. Die Allmacht Pateras über das Traumreich wird bei Kubin hingegen durch einen Endkampf gebrochen und seine Schöpfung zerstört. Bis zu diesem Ereignis erscheint Patera jedoch durchaus als ein überirdisches, gar göttliches Wesen.

Bereits aus dem Namen Pateras und seiner Verwendung im Roman lassen sich zwei Hinweise auf eine göttliche Qualität ableiten. Patera ähnelt dem lateinischen pater für Vater in auffälliger Weise. Zudem nennt Patera sich selbst Herr des Traumreiches, eine Bezeichnung, die die Traummenschen und vor allem der Protagonist stets synonym zu seinem Namen gebrauchen. Bekanntlich werden auch im Christentum die Bezeichnungen Herr und Vater synonym für die Nennung des allmächtigen Gottes verwendet; und ähnlich dem christlichen Glauben muss man auch Patera als absoluten Herrn anerkennen. So ist es auffällig, dass bei Erscheinen des Boten Gautsch der Herr zunächst mit seinem vollständigen bürgerlichen Namen Claus Patera vorgestellt wird. Das ist der Name, unter dem der Zeichner seinen ehemaligen Schulkameraden kennen lernte. Erst als der zunächst skeptische Zeichner von der Idee des Traumreiches überzeugt ist und beschließt der Einladung dorthin zu folgen, entfällt der bürgerliche Vorname und wird im weiteren Text nicht mehr genannt. Mit dem Glauben an die Idee des Traumreichs wird Claus Patera zu Patera dem Herrn, wird der Schulfreund von einst zur überhöhten kultischen Gestalt. Dieser Eindruck wird verstärkt als der Zeichner neben der Einladung ein Foto Pateras überreicht bekommt. Er beschreibt dieses als „ein auffallend charakteristisches Brustbild eines jungen Mannes. Braune Locken umringelten ein Antlitz merkwürdig antiker Prägung; groß, überhell, gerade aus dem Bilde heraus starrten mich die Augen an: − das war unstreitig Claus Patera!“ (14)

Es lässt sich aus dieser Beschreibung leicht eine Analogie zu den langläufigen Vorstellungen vom Aussehen Jesu Christi herstellen, der in der Regel in als junger Mann mit langen braunen Locken und charakterstarkem Gesicht dargestellt wird. Besonders auffällig ist jedoch, dass eine eindeutige Identifikation durch die Augen Pateras bzw. dessen Blick möglich ist. So verhält es sich auch in der Offenbarung, in der Johannes Jesu Augen „wie eine Feuerflamme“ (Apk 1, 14a) wahrnimmt. Diese besondere Eigenschaft wird zudem in Apk 19, 12 zum entscheidenden Merkmal der Wiedererkennung Christi, der als Reiter auf einem weißen Pferd erscheint.

Doch Pateras Äußeres hat nicht auf alle Betrachter den gleichen Effekt. Die Frau des Zeichners ist bis zu ihrem Tode ihm gegenüber abgeneigt. Sie empfindet seinen Anblick als „furchtbar“ (28) und spricht ihm intuitiv ein dämonisches Wesen zu. Als sie Patera eines Tages schließlich in den Straßen Perles begegnet, löst allein sein Anblick einen so gewaltigen Schrecken in ihr aus, dass sie daraufhin zunächst von Angstzuständen geplagt wird und in der Folge einer sich verschlimmernden Nervenerkrankung schließlich stirbt. Ob es sich bei der Begegnung um ein wahres Erlebnis oder nur um eine Halluzination gehandelt hat, bleibt unklar. Die Frau des Zeichners betont: „diese Augen kann es nicht zweimal geben. […] Es lag ein blinder Glanz darin!“ (94f.) Sein Gesicht hingegen war nicht das charakteristische, vom Zeichner beschriebene, sondern einer Wachsmaske gleich. Dem Antlitz Pateras war somit jegliche Individualität und Wärme genommen.

In der unterschiedlichen Wahrnehmung von Pateras Äußerem wird die Zwittrigkeit seines Wesens ein weiteres Mal impliziert. Nicht nur, dass sich mit ihm sowohl irdische als auch göttliche Eigenschaften verbinden lassen; sein Wesen kann nicht eindeutig als gut oder böse, göttlich oder teuflisch definiert werden. Die Unbestimmtheit seiner moralischen Qualitäten lässt sich jedoch nicht allein an seiner äußeren Erscheinung und deren Wirkung auf andere ablesen. Vielmehr sind es die Maßstäbe, nach denen Patera sein Reich erschafft und der Stil, mit welchem er es regiert, die auf seinen Charakter schließen lassen.

Wie bereits mehrfach erwähnt, lehnt Patera den Fortschritt strikt ab. Diese scharfe Ablehnung charakterisiert ihn bereits früh im Text als Dogmatiker des Metaphysischen. Wissenschaftlichkeit ist nicht erwünscht. Entgegen dem „Normalleben“ ist das Leben in der „Traumwelt“ daher ein „durchgeistigtes Leben“ (12), das von der empirisch erfahrbaren Wirklichkeit abgekoppelt ist. Anders als Wissenschaftler, die mit ihren Forschungen versuchen die Welt vollends zu erklären, glauben die Traummenschen an die Unergründlichkeit der „Weltbasis“ (12). Dieses Denken entspricht der christlichen Vorstellung, dass sich dem Menschen das wahre Wesen aller Dinge erst durch die Gegenwart Gottes offenbart, also in dem Moment, in dem jeder vor seinen Schöpfer tritt. So kann die bereits in Kapitel 4.2 erwähnte Abschaffung der irdischen Werte auch als Bekenntnis zu einem überhöhten Ideal gewertet werden.

Ähnlich wie Jesus bzw. Gottvater in der Offenbarung teilt sich Patera zunächst jedoch nur durch Boten mit. Dass diese Analogie von Kubin bewusst intendiert zu sein scheint, zeigt sich im formelhaften Sprechen Gautschs. Dieser sagt, er komme „im Namen eines höheren Auftraggebers“ (17), um den Zeichner einzuladen, nicht aber zu überzeugen. Als sich der Zeichner schließlich für die Möglichkeit, ein Bewohner Perles zu werden, bei Gautsch bedanken will, lehnt dieser den Dank da. „Dank schulden Sie mir darum nicht, es ist ein Höherer, für den ich handle.“ (27) Diese Stelle weist eine auffällige Parallele zu Apk 19, 10 und 22, 9 auf. An beiden Stellen fällt Johannes einem Engel zu Füßen und will ihm für die göttliche Offenbarung danken. Beide Male wird dieser Dank jedoch zurückgewiesen mit der Begründung „Tu es nicht! Denn ich bin dein Mitknecht und der Mitknecht deiner Brüder.“ Dank gebührt in beiden Fällen also allein dem Herrn, der die absolute Macht über sein Reich hat und dessen Bewohner persönlich erwählt.

„Wenn du willst, so komme!“ (17) schließt Patera seine Einladung und hat „diese fünf Worte in festeren Zügen hingesetzt“ (18). Es scheint zunächst so, als habe der Zeichner die Freiheit zu entscheiden, doch die Bestimmtheit der Handschrift und der Imperativ nach dem Komma dominieren die Botschaft. Genau wie beim Heraufbeschwören der vier apokalyptischen Reiter (Apk 6, 1-8) und der Anrufung Gottes durch die wiedervereinte Gemeinde (Apk 22, 17) handelt es sich hier um ein biblisches „Komm!“, das keinen Widerspruch zulässt.118 So betont auch Gautsch: „[Ich] wußte, daß Sie kommen würden!“ (27)

Die Anziehungskraft Pateras scheint im Hinblick auf diese Formulierung außer Frage zu stehen. Seinem Zwitterwesen entsprechend gibt der Text jedoch auch Hinweise darauf, dass Patera ein Verführer ist. Abermals ist es die Kraft seiner Augen, die hierbei eine Rolle spielt. Der Zeichner betont: „In diesen Augen konnte man sich verfangen, es war etwas Katzenhaftes darin.“ (18) Dieser verführerische Anblick entfaltet sich im Zeichner zu einer wahren Verliebtheit, die er bereits auf der Reise ins Traumreich spürt. Er fühlt sich sogar „schon ganz als Traummensch und fabuliert[] darauf los“ (29), wie viel besser die Zukunft nun werden wird. Dabei ist keinesfalls außer Acht zu lassen, dass eigentlich erst ein gewaltiger Scheck über die Summe von 100.000 Mark den Zeichner vollends von der Übersiedelung in Pateras Reich überzeugte. So ist es auch wenig verwunderlich, dass der Zeichner zugibt sich neben dem Bild Pateras auch ein wenig in den Scheck verliebt zu haben. Die materiellen Sorgen scheinen nun ein Ende zu haben. Dass der Scheck im Traumreich jedoch so gut wie wertlos sein wird, ahnt der Protagonist an dieser Stelle noch nicht. Er kann daher als nichts weiter als ein verführerisches Lockmittel nach Art der Hure Babylons angesehen werden. Denn ebenso wie vom Reichtum der Hure kann man sich vom Vermögen Pateras „keine auch nur halbwegs richtige Vorstellung“ (22) machen. Auch die Dimensionen des Reichtums und der Allmacht Gottes bleiben nach christlichem Verständnis dem Menschen unergründlich. Somit zeigt sich auch hinsichtlich dieses Aspekts, dass Patera Dualitäten in sich vereint. Er ist Gott und Götze, Heilsbringer und Verführer.

Auch im Umgang mit seinem Volk, wenn davon überhaupt die Rede sein kann, zeigt sich Patera als bipolares Phänomen. Wie bereits erwähnt, lebt Patera zurückgezogen in einem „monströs[en]“ (59) und „unheimlichen“ (62) Palast, der wie ein schwerer Kubus über der Stadt thront. Es wurde darauf hingewiesen, dass hier entgegen der Vorstellung vom neuen Jerusalem die Herrschaft eines einzelnen Menschen über andere aufrechterhalten wird. Hinzu kommt, dass Patera, „der unsichtbare Rechner“ (67), für sein Volk unnahbar zu sein scheint. Der Zeichner unternimmt im Verlauf der Handlung mehrere Versuche seinem ehemaligen Schulfreund und jetzigem Herrn persönlich zu begegnen. Doch seine Bemühungen scheitern zunächst.

Trotz dieser Zurückgezogenheit bekommt der Herr abermals sehr edle, geradezu göttliche Charakterzüge zugesprochen. So heißt es im Text wörtlich, dass die erwähnten Diebe und Mörder „Gnade vor den Augen des Herrn“ (60) fanden und somit im Traumreich ein neues Leben beginnen konnten. Hier wird Patera formelhaft eine der zentralen Eigenschaften Jesu Christi zuerkannt, nämlich Barmherzigkeit, die nach christlichem Verständnis das Fundament allen Miteinanders sein soll. Folglich lautet der Schlussvers der Bibel: „Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!“ (Apk 22, 21)

Auch im Zuge der als sehr chaotisch erscheinenden Geldwirtschaft des Traumreiches, die dem Alltag Perles einen Anstrich von Unbeständigkeit verleiht, heißt es: „Aber ging auch alles noch so sehr drunter und drüber, man fühlte eine starke Hand.“ (66) Die Geldwirtschaft der Traumstadt wird im nächsten Kapitel noch zu betrachten sein. An dieser Stelle ist lediglich entscheidend, dass Pateras Allmacht als tröstende und starke Hand angesehen wird, die über turbulente Zeiten hinweghilft. Folglich sollte es auch nicht heißen Es, sondern: „[Er] war das große Schicksal, das über uns allen wachte.“ (66) Diese Allmacht, die auch eine Allwacht ist, hat gemäß Pateras Zwittrigkeit eine Schattenseite. So heißt es im Text weiter: „Jene schrankenlose Macht, voll furchtbarer Neugier, ein Auge, das in jede Ritze drang, war überall gegenwärtig; nichts entging ihm.“ (66)

Auf metaphysischer Ebene mag der Gedanke an einen Gott, der immer über jeden einzelnen wacht, tröstlich sein. Eine irdische Regierung, die hingegen einen Überwachungsstaat entstehen lässt, ist schlichtweg ein Horrorszenario. Schrankenlose Macht, furchtbare Neugier und ein Eindringen in jede Ritze des Privatlebens sind die Begriffe, mit denen der Zeichner die Allgegenwart Pateras im Alltag schildert. Sie lassen den Leser des 21. Jahrhunderts aufhorchen und an totalitäre Regime oder auch George Orwells Roman 1984 (1948/49) denken. Pateras Augen sind an dieser Stelle zu einem Auge zusammengefasst. Es symbolisiert den einen allumfassenden Blick. Es ist die Vorwegnahme von Orwells Kameraauge und gleichzeitig auch das allsehende Auge Gottes (Abb. 4).

Obwohl Patera als absoluter Herr im Traumreich unumstritten ist, verfügt Perle, über „öde[] Verwaltungsbauten“ (57) und verstaubte Archive, die eine Scheinbürokratie beherbergen. „Die Existenz des Beamtendstandes gehorcht keiner administrativen oder politischen, sondern einer ästhetischen Notwendigkeit: Sie ist ein Schauspiel[.]“119 Dieses Schauspiel versucht die Illusion aufrechtzuerhalten, dass die Bürger Perles nach demokratischer Manier Anliegen vorbringen können, um die sich von Regierungsseite gekümmert werden soll. Diese Anliegen werden jedoch geradezu methodisch im Keim erstickt, da sie stets „wegen nebensächlichster Formfehler zurückgesandt“ (71) werden.120 Auf die Illusion der aktiven Mitgestaltung Perles fallen jedoch nur Neuankömmlinge herein.121 Der routinierte Traummensch weiß indes: „Die wahre Regierung [liegt] woanders.“ (72)

Als der Zeichner es eines Tages doch schafft den Palast zu betreten und bei Patera direkt um Hilfe für seine kranke Frau zu bitten, gestaltet sich diese Begegnung überaus unheimlich und rätselhaft. So bewundert der Zeichner zunächst „die wunderbare, regelmäßige Schönheit“ (123) von Pateras Kopf und vergleicht ihn, wie schon bei der Betrachtung des Fotos, mit einem griechischen Gott. Wie ein lebender Mensch wirkt er dabei aber nicht. Dieser Eindruck wird von der Erscheinung seiner Augen bekräftigt. „Starr und unverwandt mußte ich diesen fürchterlichen Blicken folgen. Das waren überhaupt keine Augen, das ähnelte zwei blanken, hellen Metallscheiben, die glänzten wie kleine Monde. Ausdruckslos und ohne Leben waren sie auf mich gerichtet.“ (123) In einem hypnotischen Akt versichert Patera dem Zeichner, dass er immer bei ihm war und der Frau helfen wird. „[W]ie eine Medusenmaske hing das Haupt über mir. Gebannt, war ich keiner Bewegung fähig, ich dachte nur: ‚Das ist der Herr, das ist der Herr!’“ (124) So übermächtig Patera in dieser Szene zunächst erscheinen mag, so zeigt sich doch, dass seine Macht über die Traummenschen auf eine Hypnose, eine Willensaneignung zurückzuführen ist. Die mysteriöse Begegnung zwischen Patera und dem Zeichner, liefert dem Leser wie auch dem Erzähler bedeutende Hinweise zum Verständnis des Textes bzw. der „Funktionsweise“ des Traumreiches.

Die Widersprüche hinsichtlich seines Äußeren und seiner Äußerungen lassen an der göttlichen Allmacht Pateras zweifeln. Vielmehr zeigt sich, dass die unbegreifliche Macht, die aus seinen Augen hervorgeht, der Hypnosetrick eines Verführers zu sein scheint. Die erneute maskenhafte Schilderung seines Gesichtes, das starr und ohne menschlichen Ausdruck ist, unterstützt diesen Eindruck und lässt an einen Götzen denken. Das ausweichende Antworten auf die Frage, ob er als Herr und Meister auch glücklich sei, lässt bezogen auf den Roman auf einen Menschen schließen, der unverhofft zu großer Macht gekommen ist, diese jedoch nicht eindeutig kontrollieren kann. Es ist also festzustellen, dass Patera eine überaus zwielichtige Gestalt ist. Mit seinem Traumreich hat er einerseits einen Rückzugsort aus der Moderne geschaffen, der von 65.000 Menschen dankend angenommen wurde. Andererseits offenbart sich dieser Rückzugsort bei genauerer Betrachtung als Überwachungsstaat. Die göttliche Kraft, die Patera zu besitzen scheint, lässt sich auf eine Massenhypnose zurückführen, die im folgenden Kapitel noch einmal kurz betrachtet werden wird. Die vermeintlich gute Tat Pateras, also die „Rettung“ überreizter Seelen aus ihrer gegenwärtigen Bedrängung durch die moderne Welt, bekommt damit den negativen Anstrich eines Verführers. Die Absichten seiner totalitären Kontrolle bleiben dabei jedoch ebenso verborgen wie die Quelle seiner hypnotischen Kraft.122

118 Jacques Derrida spricht in seiner Arbeit Von einem neuerdings erhobenen apokalyptischen Ton in der Philosophie [1983, deutsch 1985] genau diesem „Komm!“ eine immanent apokalyptische Qualität zu.
119 Torra-Mattenklott 1998, S. 170.
120 In der Forschungsliteratur wird bezogen auf den bürokratischen Apparat vielfach auf den Einfluss Kubins auf die Romane Der Proceß (1914/15) und besonders Das Schloß (1922) von Franz Kafka hingewiesen. Kubin und Kafka standen nachweislich in Kontakt miteinander und sind sich mindestens einmal persönlich begegnet. Interessant zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch, dass neben einer undurchsichtigen Bürokratie und einem verstaubten Archiv auch ein vermenschlichter Affe namens Giovanni in Die andere Seite auftritt, ähnlich dem Rotpeter in Kafkas Ein Bericht für eine Akademie (1917).
121 Dass eine aktive Mitgestaltung des Traumreiches auch auf materieller Ebene scheitert, zeigt sich in derUnbebaubarkeit der Tomassicfelder. „[Alle] Bauversuche erwiesen sich als trügerische Spekulationen. Nicht einmal unter Dach, wurden die Bauten Ruinen.“ (59).
122 Hinsichtlich der hypnotischen Kraft Pateras liefert der Text eine mögliche Deutung, die mit der Begegnung des Volks der Blauäugigen zusammenhängt. Diese Begegnung wird zu einer Art Initialerlebnis für die Gründung des Traumreiches. Der ursprüngliche Lebensraum des Volkes, der innerhalb der großen Mauer liegt, bleibt unberührt. Dem Volk der Blauäugigen wird im Text eine heilige Qualität impliziert. Die Beschreibung ihres Äußeren erinnert an buddhistische Mönche (vgl. 147). Zudem gehören sie zu den wenigen Überlebenden des Untergangs des Traumreiches, was auf den Status eines auserwählten Volkes schließen lässt.

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