Archive for März 2013

Cimetière de Montmartre

22. März 2013

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der Alte auf dem Cimetière de Montmartre war früher in der Modebranche. heute füttert er die Katzen die um die Gräber schleichen. er macht ihnen Komplimente für ihr Outfit und bewundert ma belle caméra. c’est Kodak? très bien! seine Familie stammt aus Köln. auf dem Foto sind seine Haare unsichtbar. die Haut gespenstisch weiß. für das Futter gebe ich ihm etwas Geld. bald darauf hat er es verloren. zum Beweis dreht er seine Manteltasche nach außen. klein wie ein Katzenmagen. darin ein münzgroßes Loch.

Alles, wie es sein soll?

20. März 2013

Sieh dir das Tier im selbstgebauten Käfig an
Bist du sicher, auf welcher Seite du stehst?
Sieh ihm besser nicht zu tief in die Augen
Bist du sicher, auf welcher Seite des Spiegels du stehst?
Sieh dir die Sicherheit deines selbstgebauten Lebens an
Alles, wie es sein soll
Fühl die Falschheit in deinem Herzen
Und ist das alles
Genau wie es sein soll?

Was wäre, wenn alles um dich herum
Nicht so ist, wie es scheint?
Was wäre, wenn die Welt, die du zu kennen glaubst
Ein ausgefeilter Traum wäre?
Und wenn du dein Spiegelbild siehst
Siehst du dann all das, was du sein wolltest?
Was wäre, wenn du durch all die Risse hindurchsehen könntest
Hättest du Angst, dich selbst zu sehen?

Was wäre, wenn die ganze Welt in deinem Kopf
Deine eigene Erfindung wäre?
Deine Götter und Dämonen, all die Lebenden und Toten
Und du dazwischen, ganz allein
Du kannst in dieser Illusion leben
Du kannst wählen, was du glaubst
Du suchst immer weiter, und siehst den Wald
Vor lauter Bäumen nicht

Was wäre, wenn alles um dich herum
Nicht so ist, wie es scheint?
Was wäre, wenn die Welt, die du zu kennen glaubst
Ein ausgefeilter Traum wäre?
Und wenn du dein Spiegelbild siehst
Siehst du dann all das, was du sein wolltest?
Was wäre, wenn du durch all die Risse hindurchsehen könntest
Hättest du Angst, dich selbst zu sehen?

(frei übersetzt nach Right Where It Belongs [Trent Reznor/NIN])

19. März 2013

The Daily Frown

connwitzer-verlagsbuchhandlung

Am 23. März ist Indiebookday. The Daily Frown glüht schon mal vor und empfiehlt die besten Buchhandlungen mit unabhängigen Verlagen im Sortiment. Heute: Die Connewitzer Verlagsbuchhandlung in Leipzig.

Kaum ein Leipziger, der diese großartige Buchhandlung mit Dependance in der Südvorstadt nicht kennt: Trotzdem kann die Connewitzer Verlagsbuchhandlung nicht oft genug empfohlen werden, tritt doch in der Leipziger Innenstadt auch die Konkurrenz – siehe Lehmann’s und Hugendubel – breit in Erscheinung. Bei Peter Hinke kann man aber sicher sein, dass die besonderen Bücher immer einen Platz haben. Neben breitem Vollsortiment nebst Literaturzeitschriften und einem Büchersofa im ersten Stock, das man gesehen haben muss, lohnen hier ganz besonders die Produktionen aus dem eigenen Verlag der genaueren Betrachtung: Ob es die gesammelten Werke der sächsischen Dichterin Lene Voigt oder junge Lyrik aus dem Deutschen Literaturinstitut ist, die Bücher sind liebevoll gemacht und damit auch eine Augenweide. Im Peterssteinweg kann man dann noch einmal…

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Werbung für’s Historische

18. März 2013

Auf ihrem Blog Germanistinnenwerk“ schreibt die fabulöse Anne seit einiger Zeit auch über stadtgeschichtliche Dinge – Leipzig betreffend. Ich finde, das kann man sich ruhig mal angucken und durchlesen. Vor allem, wenn man in der Messe-, Helden-, Buch- und Neu-Berlin-Stadt lebt.

 

Skizze zur Kunst Raymond Roussels und Marcel Duchamps

13. März 2013

Die Größe der Kunst der Klassischen Moderne (ca. 1890 – 1930) besteht zu einem nicht unerheblichen Teil darin, dass Künstler sich als Wissenschaftler des Metaphysischen, des Geistes, also als Geisteswissenschaftler fern aller akademischen Zwänge verstanden haben. Das heißt in etwa so viel, als dass Künstler sich laienhafte naturwissenschaftliche Kenntnisse aneigneten und diese auf ihre Kunst inhaltlich, vor allem aber methodisch anwendeten.[1] Denkt man allein an die Kunst Marcel Duchamps, der sein Werk als Gegenkunst, als versuchten Ausbruch aus der Kunst via (para-)wissenschaftlichem Experiment verstand, wird deutlich, welchen Einfluss der außerkünstlerische Kontext „Wissenschaft“ zu dieser Zeit hat.

Wenn die Kunst des 21. Jahrhunderts behauptet dem Kontext „Wissenschaft“ offen gegenüber zu stehen, muss diese Behauptung stark bezweifelt werden. Zwar lag ein Schwerpunkt der letztjährigen dOCUMENTA 13 genau auf diesem Aspekt der ästhetischen Nutzbarkeit von Wissenschaft, doch zeigte gerade diese Schau (allein schon via TV und Internet), dass die Kunst der Gegenwart Wissenschaft nur noch abbilden, nicht aber anwenden kann. In ihrer Ästhetik dreht sich die Kunst der Gegenwart in aller Beliebigkeit um sich selbst; bildet Wiedergekäutes ab, rekombiniert Ikonisches ohne eigenen Mehrwert und verteidigt sich peinlich mit dem Dogma der ironischen Brechung. Nachzuempfinden auch auf den regelmäßigen Rundgängen der Leipziger Baumwollspinnerei und der Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Die ironische Brechung kannten auch Raymond Roussel und Marcel Duchamp schon, schufen daraus aber Kunstwerke, deren revolutionäre Kraft von den Zeitgenossen erkannt werden musste und erkannt wurde. Revolutionäre Kraft in der Gegenwartskunst besteht hingegen zumeist nur noch in Form des Kasperltheaters eines Jonathan Meese. Zwar gibt dieses Produkt des Kunstmarktes der Kunst zurück, was sie verdient, nämlich verarscht zu werden. Leider hat es den Anschein, und der wird von Aktion zu Aktion zur Gewissheit, dass Meese seine Verballhornung der Kunstwelt mittlerweile selbst glaubt. Somit wäre Meese nicht nur ein Opfer seiner eigenen Kunstdiktatur, sondern zugleich der Beweis dafür, dass eine ins Maßlose getriebene Ironisierung zu Beliebigkeit, Lüge, letztlich zu einem Kollaps führt.

Diese Art Kollaps kannte die Klassische Moderne, trotz eines Weltkrieges, nicht. Aus Zertrümmerung schöpfte sie. Die zertrümmerte Sprache wurde neue Literatur (Roussel)[2]. Die zertrümmerte Kunst, wurde Gegenkunst (Duchamp)[3].


[1] Dieser Umstand ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass vor allem im Bereich der Psychologie und Psychoanalyse durch u.a. Sigmund Freud, sowie auf dem Gebiet der klassischen Physik, hin zur Quantenphysik bahnbrechende Neuerungen und Erkenntnisse zu Tage gefördert wurden, welche die Lebenswirklichkeit der Menschen in ihren Grundfesten erschütterte. Man denke allein an die Relativität von Zeit und Raum!

[2] Roussel ist dabei in höchstem Maße anzurechnen, dass er nicht in den Hofmannsthalschen Jammer über die Arbitrarität des Moderpilzes „Wort“ einstimmte, die Beliebigkeit der Zeichen nicht als Krise, sondern als Chance verstand; nämlich die Chance gleichlautende Wörter mit unterschiedlichen Bedeutungen (Homonyme) zu kombinieren und zur syntaktischen Fortschreibung seiner Werke zu nutzen. So schuf er aus dem Zufall einen mechanischen, ja mathematischen (da dem Prinzip der Synonyme nicht unähnlichen [s. Michel Foucault – Raymond Roussel, Ffm., 1989, S. 47f.]) Vorgang, der mit der Fließbandproduktion in den Ford-Werken in Detroit (Michigan) um 1910 vergleichbar ist.

[3] Von Duchamps Junggesellenmaschine, dem „Großen Glas“ ganz zu schwiegen und von Franz Kafkas Folterapparat aus der „Strafkolonie“ gar nicht erst anzufangen, der ebenfalls als Junggesellenmaschine, wenn auch mit autoerotischer und/oder religiöser Befriedigungsfunktion eines extremen Masochismus, verstanden werden kann. Eine Idee, die mindestens noch einmal wiederaufgegriffen wurde, nämlich in dem preisgekrönten Musikvideo „Happieness in slavery“ (Regie: Jon Reiss – NSFW, FSK 18!) der Band Nine Inch Nails. Es stellt sich an dieser Stelle auch die Frage, inwieweit Jonathan Messe in seiner öffentlich inszenierten Beziehung zu seiner Mutter, als Junggesellenmaschine verstanden werden kann.

Literaturempfehlungen:

Michel Foucault – Raymond Roussel (über den stationären Buchhandel noch erhältlich!)

Raymod Roussel – Locus Solus

Octavio Paz – Nackte Erscheinung. Das Werk von Marcel Duchamp

Janis Mink – Duchamp. Kunst als Gegenkunst (sehr gute Einführung!)

Herbert Molderings – Duchamp: Parawissenschaft, das Ephemere und der Skeptizismus (das beste, mir bekannte Buch zum tieferen Werkverständnis Duchamps – auch für Laien)

Herbert Molderings – Kunst als Experiment

12. März 2013

They are back!

8. März 2013

Wo ich schon mal bei den Inchties und ihrem ausstehenden Comeback war… Ich hatte ganz vergessen das Comeback der für mich wesentlich wichtigeren, mittlerweile vielleicht sogar wichtigsten Band des Planeten feierlich weiter zu verkünden und zu zelebrieren.

Trent Reznor & Co. are back!!! First Tourdates in 2o13:

26.6. Naeba, Japan

28.6. Ansan, South Korea

18.8. Hockenheim, Germany

Touring all over the world and destroying a city near you in 2o13/2o14!

NIN: Discipline – Live at Rehearsals, July 2008 [HD] from Nine Inch Nails on Vimeo.

Ich freu mich wie bekloppt!

109 Lieblingslieder – Teil 46

4. März 2013

103. The Inchtabokatables – You chained me up

2002, 11 jahre nach ihrer Gründung, verabschiedete sich eine der außergewöhnlichsten Indie-Punk-Rock-Folk-Bands, die es in diesem Land gegeben hat: The Inchtabokatables. Eine Band, bestehend aus fünf Musikern mit kleidsamen Namen wie B. Broiler, B. Deutung, Herr Jeh, Kokolorus Mitnichten (aka. Dr. Tinitus Banani) und Moeh. Darunter kein einziger Gitarrist! Ja, richtig – Punk Rock ohne Gitarren! Nur Bass, Schlagzeug, Gesang – Cello und Violinen. Eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Indie-Rock-Segment. Bis heute.

Bis heute… Naja, vor 12 Jahren kündigte die Band eine Pause an, vor 11 Jahren trat sie in Kraft. Sie sollte 11 Jahre dauern – also bis 2o13. Keiner weiß so richtig, ob die Inchties sich tatsächlich nochmal aufrappeln und die Bühnen der Republik rocken, oder ob sie die große Ausnahme im Reuniontrend bleiben werden. ich weiß aber, dass ich nicht annähernd der Einzige bin, für den ein Comeback in diesem Jahr die Erfüllung eines Jugendwunsches wäre. Kommt verdammt nochmal zurück ihr Schweine!, möchte man der Band freundlich zurufen!

Auf der immer noch aktiven Homepage der Band prangt aber weiterhin der Button: The Inchties haben fertig!

2o13 werden die 11 unendlich langen Jahre vorbei sein. Das war 2002 der schwache Trost. Ich tröste mich noch immer mit dem großartigen Livealbum von damals. Die Band hat bisher kein Statement abgegeben.

The Centrifuge Brain Project (2012) by Till Nowak

1. März 2013

Science!

Weitere Informationen zum Projekt: hier.

Weitere Arbeiten von Till Nowak: hier.


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