Frage an meine Blog-Leser: „Wie haltet ihr es mit der Lyrik?“

Lyrikzeitung & Poetry News

Oberflächlich betrachtet geht es der Poesie gar nicht so schlecht. Die kleinen Lyrikverlage – kookbooks in Berlin, der Wiesbadener Lux Verlag, der Poetenladen in Leipzig – vermehren sich wie Hasenkolonien.

mehr in der Art in einem offenbar unter die Oberfläche blickenden Text von Joachim Sartorius im Tagesspiegel, wie gleich darauf:

Aber bei näherem Hinsehen fällt auf, dass die Poesie in ihrem eigenen Saft kocht. Es gibt keine Zuwächse in der Leserschaft. Die großen Literaturpreise, insbesondere der Deutsche Buchpreis in Frankfurt und die Leipziger Preise grenzen die Poesie aus. Damit ist einfach kein Absatz zu machen. Befragen wir die literarischen Verlage, Suhrkamp oder Hanser, so erfahren wir deprimierende Zahlen. Ein Literaturnobelpreisträger wie der karibische Dichter Derek Walcott kommt nie über 2000 verkaufte Exemplare hinaus; der bedeutendste lebende nordamerikanische Lyriker, John Ashbery, hat auch über viele Jahre hin bei uns nie mehr als 800, maximal 900 Exemplare verkauft.

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7 Antworten to “”

  1. anthepa Says:

    Ja, das fällt schon auf, das Kochen im eigenen Sud. Und ich finde, es schreckt auch ein bisschen ab, zu wissen, dass Manuskripte nur von den Freunden der kleinen Verlage genommen werden, dass da Netzwerke im Gange sind…

    Aber ich sah auch verstärkte Außenbemühungen: Lesungen, das Lyrikfest etc. – manche Verlage versuchen doch noch, die Poesie der „breiten Masse“ zugänglich zu machen. hochroth zum Beispiel mit ihrem Stand im Dussmann-Kaufhaus

    • Clarknova Says:

      ach hochroth ist einfach großartig. – zum eigenen sud: ich denke auch, dass das ganze von außen verdammt elitär aussieht, obwohl es ja gerade die elite (sartorius) ist, von der man nicht angepisst werden will. ein teufelskreis.

  2. knüller Says:

    ich halte lyrik mindestens so weit weg von mir, dass das bild scharf wird.

  3. knolli Says:

    manchmal erscheint es mir wie ein dichterwald

  4. anne Says:

    von dem essay mag man halten, was man will. aber dass der großteil der lyrikszene eine elitäre bande und am liebsten unter seinesgleichen ist, steht fest. manche würden das eine inzestuöse szene nennen, in leipzig zumindest träfe dieser terminus zu.

    in den vergangenen jahren war ich hier auf vielen lyrikveranstaltungen, und man sieht immer wieder die gleichen leute, sowohl auf der bühne als auch beim publikum. einmal nahm ich eine freundin und eine bekannte mit auf eine lyriklesung zur buchmesse – beides alles andere als ‚bildungsferne‘ menschen, aber dieser abend hat in seiner attitüde den beiden dann doch schnell vermittelt, hier irgendwie ‚falsch‘ zu sein. und das fand ich nachvollziehbar und schade, an ihrer position hätte ich mich sicher genauso gefühlt. und so fühle ich mich auch hier und da noch, denn zu dieser szene gehöre ich ja auch nicht.

    die lokalen lyriker gruppieren sich ja fats ausschließlich aus leuten, die am DLL sind oder waren oder zumindest dessen dunstkreis angehören. die lyrik der studenten und absolventen ist – wie die prosa – oft ein wenig … redundant? austauschbar? irgendwie sowas.
    ich sehe am liebsten die ‚groß gewordene‘ ehemalige lokalgröße ulrike almut sandig (schon wegen ihrer tollen lyrikstimme), oder auch den DLL-Prof michael lentz (weil seine sachen soviel anders sind als die seiner studenten). habe aber auch schon tolles, neues, junges bei lesungen gesichtet, beispielsweise in der lyrikbuchhandlung dieses jahr auf der buchmesse (hochroth verlag, poetenlanden, etc.)

    meine lyrikrezeption findet übrigens vorwiegend direkt auf den lesungen statt, privat lese ich es nur ab und an mal, bevorzuge da eher erzählende texte.

  5. mag Says:

    Ob die Anzahl verkaufter Lyrikbände und Zeitschriften heutzutage noch zuverlässig Auskunft geben kann über Ansehen oder Verbreitung der Poesie, das erscheint mir sehr zweifelhaft. Wie viele lesen Gedichte nur noch im Netz? Auf der Straße? Oder hören Gedichte nur noch, bei Lesungen beispielsweise? …

    Viel eher geben die Verkaufszahlen bestimmter Verlage und Zeitschriften darüber Auskunft, welche Poesie ein Nischendasein führt – und das ist, wohlgemerkt, keine Frage der “Qualität”, sondern wohl eher eine Frage der Vermittlung. — Und an diesem Punkt spielt wohl auch das rein, was Anne schreibt, und weiter oben auch Anthepa… dass von außen schnell der Eindruck entsteht, da wolle eine fest definierte Gruppe sich abschotten. Allerdings weiß ich weder ganz genau, wie dieser Eindruck zustande kommt, noch kann ich ihn bestätigen. Am Ende sind es viele unterschiedliche Menschen, die aus den unterschiedlichsten Erwägungen Gedichte schreiben. Schade, dass es häufig anders wirkt.

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