Archive for Juni 2012

Krise als Chance: Raus aus dem Euro! Umverteilung neu denken! Vollbeschäftigung jetzt!

29. Juni 2012

Schnipselfriedhof

Ich hoffe, die folgenden Vorschläge werden nicht wieder als Satire missverstanden, nur weil ich sie mit Katzenfotos verziert habe. Die Katzenbilder dienen einzig der Auflockerung und Popularisierung meiner staubtrockenen theoretischen Ausführungen.

Raus aus dem Euro!

Das wird doch nichts mehr. Wir müssen zurück zur guten, alten, stabilen Mark. Also zur Ostmark, meine ich selbstverständlich. Die D-Mark war nie wirklich stabil, in der BRD herrschte Inflation, alles wurde immer teurer, bis auf die Sachen, die niemand wirklich brauchte. Von der DDR-Mark konnte man sich zwar praktisch nichts kaufen, das aber zu stabilen Preisen! Als Umrechnungskurs schlage ich 4:1 vor, also 4 Euro gegen eine Mark, ausgehend von den ungefähren Preisen für Brötchen, die haben im Osten immer 5 Pfennige gekostet. Sicher wäre es generell sinnvoll, analog zum früheren und zur Zeit wieder häufig geforderten Goldstandard den Brötchenstandard einzuführen. Die Bundesbank (bzw. Bundesbäckerei) würde sich also bereit erklären jederzeit beliebige Geldmengen gegen…

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Alles so einfach wie Breivik?

28. Juni 2012

Letztens habe ich mir seit langer, langer Zeit mal wieder Terry Gilliams Meisterwerk „12 Monkeys“ angesehen. Ein großartiger Film, der in seiner Themenfülle auch die Frage nach den Maßstäben des Wahnsinns stellt. Und diese Frage stellt sich in Norwegen und ganz Europa ja seit Anders Breivik am 22. Juli 2011 77 Menschen erschossen hat. Wir alle kennen Breiviks Rechtfertigung, er habe aus Notwehr gehandelt, um sein Land gegen den Islam und den Kulturmarxismus zu verteidigen. In der FAZ forderte Georg Paul Hefty Breivik als geisteskrank dauerhaft in einer Psychiatrie einzuweisen. „Wenn das, was er getan hat, nicht verrückt ist, dann gibt sich die zivilisierte Welt auf“, so Hefty.

Ich will jetzt nicht mit Phrasen und Plattitüden kommen, aber: Natürlich ist es ein Wahnsinn, dass einer daher gelaufen kommt und 77 Menschen, darunter zum größten Teil Kinder und Jugendliche erschießt. Beweist aber allein die Tat Breiviks Wahnsinn im Sinne einer Geisteskrankheit? Ich habe da so meine Zweifel. Aus der Distanz meiner Beobachtungen, das heißt vor allem nach Lektüre deutscher Zeitungen und unzähligen gesehenen und gehörten Radio- und Fernseh-Beiträgen, komme ich eher zu dem Schluss, dass sich Breivik zu jeder Zeit vollends bewusst war was er tat. Anders Breivik lebt in Opposition zur europäischen Gesellschaft, die sich als frei, demokratisch und weltoffen versteht. Seine Tat versteht er als gezielten Schlag gegen die, von ihm verhasste, sozialdemokratische Regierung, die für ihn Sinnbild dieser Gesellschaft ist. Und wo trifft man seine Feinde besser, als an ihren Schwachstellen, den Kindern?

Breiviks Tat ist eine Wahnsinnstat, in dem Sinne, dass es eine unmoralische, abscheuliche, in jeden Maße verachtens- und verurteilenswerte Tat ist. Ich weigere mich aber dagegen Breivik als Geisteskranken zu begreifen. Das ist zu einfach. Wenn eine europäische Justiz nicht weiter weiß, als einen solchen Mann für verrückt zu erklären, weil sie sich nicht vorstellen kann, dass man aus Hass gegen die demokratische Freiheit Europas zu solchen Taten fähig ist, macht mir das Angst. Dann fühle ich mich nicht nur von der Judikative, sondern zwangsläufig auch von der Exekutive als Europäer nicht mehr angemessen beschützt. Feinde des demokratischen Europas, wie wir es kennen, gibt es nämlich einige. Der NSU, der sich über Jahre in Deutschland organisieren konnte ist ein Beispiel. „Man habe so etwas nicht für möglich gehalten.“ Na, schönen Dank auch.

Was will ich damit eigentlich sagen? Es gibt in unserer Welt Menschen in Institutionen, die die Spielregeln dieser Welt aufstellen und dafür sorgen, das diese auch eingehalten werden. Zudem gibt es einen breiten gesellschaftlichen Tenor darüber was „normal“ ist. Soweit sogut. Ich kann es aber nicht verstehen, warum die Grenzen des gesellschaftlichen Miteinanders auch gleichzeitig die Grenzen des Vorstellbaren sein sollen. Wir alle, oder die meisten von uns, haben irgendwann mal stillschweigend beschlossen, dass wir in der besten aller möglichen Welten (zusammen)leben. Dass jedoch die Möglichkeit nicht mehr in Betracht zu kommen scheint, dass das nicht jeder so sieht, finde ich sehr gefährlich. Dann nämlich, wenn radikal Andersdenkende das bestehende politische und gesellschaftliche System mit Gewalt ändern wollen. Meist kommen sie damit nicht weit, aber der Schaden, den sie auf ihrem Stück des Weges anrichten ist nicht selten immens. Der Deckmantel des Wahnsinns ist dagegen keine Präventivmaßnahme.

Breivik ist kein Irrer, sondern ein kühl handelnder Terrorist. Ein unauffälliger Musterknabe aus der Mitte der Gesellschaft. Jemand, der durchaus im Seminar neben dir sitzen und homophobe Kommentare abgeben könnte. Nach dem Seminar verlassen dann alle den Raum und denken: „Der ist nicht ganz dicht, oder?“

In „12 Monkeys“ sagt die Psychologin Kathryn Railly: „Psychologie hat längst schon den Status einer Religion erhalten. Wir bestimmen darüber was wahr ist und was nicht.“ Ich frage mich, wer im demokratischen Europa des 21. Jahrhunderts, in seiner Gesetzgebung und Rechtssprechung bestimmt, was möglich ist und was nicht.

89. Fußballparty mit Lyrik

26. Juni 2012

Um die Fußballeuphorie auf meinem Blog wieder etwas zu bremsen…

Lyrikzeitung & Poetry News

Die schwarz-rot-goldene Fußballparty hat in Neuwied einen herben Dämpfer bekommen. Während des EM-Spiels Deutschland gegen Griechenland sollen sich Mitarbeiter des Sicherheitspersonals, die die Besucher auf das Gelände der VR-Bank-Fanmeile ließen, rassistisch gegenüber mehreren jungen, dunkelhäutigen Personen geäußert haben. …

„Wir hatten in unserer Gruppe erneut einen farbigen Jugendlichen dabei, und diesmal ereignete sich ein unglaublicher Eklat. Die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma bestanden darauf, dass er, um letztlich eingelassen zu werden, zwei deutsche Gedichte aufsagen müsse.“ / Rhein-Zeitung

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Sommermärchen?

25. Juni 2012

So, ich habe nun meinen persönlichen Sommerhit 2012 gekürt:

Fußballprophetie. Die Korrekturen und Zwischenfazite

24. Juni 2012

Ich glaube es ist Zeit ein kleines Zwischenfazit zur EM und meiner Prognosen zu ziehen.

Zunächst einmal ist festzustellen, dass bisher jede Mannschaft hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben ist. Allerdings ist zu sehen, dass die Deutschen sich von Spiel zu Spiel ins Turnier gesteigert haben und so meine Skepsis zu einem Gutteil zerschmettert haben. ABER: ich höre schon wieder zu viele Pressestimmen, die das Finale für eine ausgemachte Sache halten. Und auch Marco Reus meint: „Der Titel geht nur über uns.“ VORSICHT Freunde! Ich kann es nicht verstehen woher,  gerade im Hinblick auf die letzten Turniere, diese Sicherheit kommt. (Auch wegen des verlorenen CL-Finales bin ich da ein gebranntes Kind.)

Generell muss ich aber sagen, dass ich die qualitative Breite des deutschen Kaders unterschätzt habe. Mein Sorgenkind Schweinsteiger macht mir immer noch Sorgen – aber wer kann es ihm verdenken? Der Knöchel schmerzt, die Wade zwickt, Basti läuft einfach nicht rund und reibt sich in den Spielen auf, so gut es eben geht. Dafür übernimmt Khedira jetzt die Leader-Rolle im Mittelfeld. Ich hoffe nur, dass Schweinsteiger sich nicht allzu sehr qäult, denn die Sommerpause wird, wie immer, kurz.

Philipp Lahm. Spiel das Turnier, das ich von ihm erwartet habe. Selten überragend, dafür immer stabil und nur gegen Nani (Portugal) zeitweise in Bedrängnis. Und schließlich: Er hat endlich wieder getroffen!! Ein Tor, auf das ich zwei Jahre gewartet habe. Der Rechtsfuß, der über Links kommt und ihn reindrischt. Eine Sternstunde für mich als Lahm-Bayern-Deutschland-Außenverteidiger-Fan.

Boateng – überraschend solide, oder? Hummels – auf dem Sprung zur Weltklasse!? Badstuber – absolute Stütze. Neuer – tiefenentspannt. Özil – hat in der Vorrunde nicht gezeigt, was er kann. War gegen Griechenland aber klasse, auch weil er seine Rolle etwas anders definiert hat. Statt sich mit Zauberkünsten im Strafraum zu zeigen, rieb er sich eine Reihe weiter hinten auf und stabilisierte so den Spielaufbau. Nicht schlecht. Müller – wird von den Mitspielern zu wenig in Szene gesetzt. Schade. Podolski – hm. Schürrle – bemüht, okay, wird. Reus – auch. Klose – erst recht.

Spanien geht mir langsam aber sicher auf die Nerven. Das soll der schönste/beste Fußball der Welt sein? Mittlerweile finde ich ihre Spielweise genauso destruktiv wie die der Griechen oder des FC Chelsea. Das ist doch wirklich nichts weiter als Ballgeschiebe auf hohem Niveau. Standfußball, der erst sehenswert wird, wenn sie über Iniesta und Xavi in den Strafraum oder gar zum Abschluss kommen. Die Spritzigkeit nach vorn ist fast komplett verschwunden. Selbstgefälligkeit macht sich breit. – Und wenn Matthias Sammer meckert, dass Chelsea gegen Barca Anti-Fußball spielte… Was machen denn Barca und Spanien. Schieben, schieben, schieben und so den Gegner entnerven. Und leider auch den Zuschauer. Sollte es wirklich zum (Traum-?)Finale Deutschland – Spanien kommen, wird das für einige Zeit das letzte Spiel der Iberer sein, dass ich mir freiwillig ansehe.

Frankreich hat mich nicht eingentlich enttäuscht, aber überrascht. Was war das für ein Einbruch gegen die Schweden? Und was sollte der Krach danach? Ich verstehe die Equipe einfach nicht. Seit Laurent Blanc sie trainiert, ging es doch steil bergauf. Und dann werfen sie das alles innerhalb weniger Tage weg. Einzig Franck Ribéry (und ich schreibe das nicht, weil ich Bayern-Fan bin, sondern, weil das ein Blinder gesehen hat) reibt sich auf dem Platz auf und will, will, will das Spiel gewinnen. – Was ich im Vorfeld der EM für Lahm befürchtet habe (Leader ohne Team), ist Ribéry widerfahren. Schade. Und eigentlich doch ein stückweit enttäuschend.

England wird floppen. Neuer Trainer, Stress im Vorfeld, keine Richtung zu erkennen. – Naja, das war DER Irrtum im Vorfeld. Für mich das eigentliche Überraschungseam der EM. Auf einmal klappt eine Abwehrorganisation. Auf einmal kann Rooney kompensiert werden. Auf einmal sind sie im Viertelfinale gegen Italien. Italien, die man immer auf der Rechnung haben sollte. Bin gespannt wie das ausgeht. Ich habe kein Vorgefühl, aber irgendwas tief in mir sagt mir, dass ich lieber England als Halbfinalgegner haben möchte.

Jaha! „Wir“, also die Jungs der deutschen Nationalmannschaft, müssen erstmal noch ein Halbfinale spielen!

Was bleibt? Die Chancen auf den Titel steigen, das EM-Fieber hat mich doch noch gepackt. Löw weiß einfach was er tut. Spanien nervt und in diesem Jahr wären sie fällig. (Egal wer.) Egal wie – am liebsten indem man ihnen ihr Spiel einfach kaputttritt. Einfach so. Und sie schlagen. Egal wie – am liebsten mit „hässlichem“ Kampffußball. Aber mit schöner Artistik wäre auch okay. 😉

Stolz

15. Juni 2012

Fußball kann so schön sein, so stolz, so aufrichtig. Was es bedeuten kann mit Herz und Seele an einer Mannschaft zu hängen und für sie einzustehen auch wenn alles, aber auch alles gegen sie läuft, zeigten gestern die irischen Fans beim Stand von 0:4 gegen Spanien. DAS sind die Fans, die Fußball in Stadien bereichern. THANK YOU IRELAND!

Das Lied heißt übrigens „The Fields of Athenry„. Wer es nicht kennt sollte das schleunigst ändern.

Zwei Artikel zu dem bisher ergreifendsten Moment der Europameisterschaft in der FAZ und der 11 Freunde.

Czech this out

15. Juni 2012

Praha (Staré Město), Mai 2o12

Über jeden Zweifel erhaben

14. Juni 2012

In der Saison 2008/09 erzielte er für den VfB Stuttgart 24 Tore. 17 davon allein in der Rückrunde. Er spielte mit geflügelten Schuhen. Nur Edin Dzeko (26 Tore) und Grafite (28 Tore) vom Meister VfL Wolfsburg trafen häufiger. Sein Wechsel zum deutschen Rekordmeister wurde der Königstransfer der Bundesliga-Geschichte. 35 Millionen Euro wurden von München nach Stuttgart überwiesen. Der Erwartungsdruck für die kommende Saison war gigantisch. Nicht nur für ihn, sondern auch für den anderen Neuen. Den Trainer: Louis van Gaal. Aber alles cool. Er hat ja den z. Zt. besten deutschen Stürmer in seinen Reihen, oder etwa nicht? „Er ist nicht mein Transfer.“ Na, schönen Dank auch. Wer lehnt denn bitteschön ein 35-Mio.-Euro-Geschenk ab? Einen jungen, talentierten Stürmer, der in 121 Ligaspielen 63 Tore schießt. Ein Mann, der seine eigene Meinung für unumstößlich hält. „Er ist nicht mein Transfer. Das ist alles.“ Die Quittung hat er bekommen, der Tulpengeneral.

Die Saison 2009/10 läuft schlecht für den Stürmer. Sein Verein holt das Double und erreicht das Champions League-Finale. Bester Torschütze des Kaders: ein Mittelfeldspieler, ein Holländer noch dazu. In der Nationalmannschaft: 3 Tore in 10 Spielen. Er ist zweite oder dritte Wahl, gilt als Chancentod, hat keine Jokerqualitäten.

Die Saison 2010/11 startet ähnlich beschissen. Der Erfolgstrainer hat ohne ihn Erfolg. Van Gaal hat kein Vertrauen in seinen dritten Stürmer, den er meist nur 15 Minuten spielen lässt und dann nicht trifft. Doch die anderen sind nicht besser. Die dominanten Bayern der Vorsaison sind nach sechs Spieltagen zwölfter der Bundesliga. Wie konnte das passieren? Was stimmt in diesem Team nicht? Wo sind die Alternativen?

16.10.2010 – 8. Spieltag der Bundesliga – 15:30 – Allianz Arena – FC Bayern München gg. Hannover 96: ER steht in der Startelf, spielt 90 Minuten durch, erzielt drei Tore. Endstand 3:0. Eine Gala, wie sie die Fans noch ein paar Mal erleben sollen. Die Wiedergeburt des Mario Gomez. Sein Trainer wird gefragt, ob Gomez in der nächsten Woche wieder von Beginn an spielen dürfe. Die lapidare Antwort: „Einen Stürmer, der dreimal trifft, wechsle ich nicht.“ Die letzte richtige Entscheidung des Feierbiestes. Der FC Bayern schleppt sich in die CL-Quali. Gomez wird Torschützenkönig mit 28 Treffern in 32 Spielen. Sechs Tore mehr als der zweitbeste Bundesligastürmer Cissé vom SC Freiburg.

Insgesamt erzielt Mario Gomez in der Saison 2010/11 39 Tore in 45 Pflichtspielen. Darunter sind fünf Hattricks in der Bundesliga. Nur Gert Müller (wer sonst?) schaffte mit sechs Dreierpacks in einer Saison mehr! In der CL wird er zusammen mit Samuel Eto’o zweitbester Torschütze (8 Spiele/8 Tore). Die Quoten für die vergangene Saison 2011/12 sind ähnlich. Ich erspare euch jetzt die Details. Nur zwei Sachen:

  1. Am 13.03.2012 erzielt Gomez im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Basel vier Tore in einem Spiel. Dies gelingt ihm als erster deutscher Spieler überhaupt. (Endstand 7:0)
  2. In den Jahren 2011 und 2012 erzielte Gomez in 13 Länderspielen 11 Tore. Soviel wie kein anderer Nationalspieler.

06.09.2012 – EM-Auftakt für die Deutsche Nationalmannschaft. 72. Spielminute. Es läuft beschissen. Der vor Leichtigkeit strotzende Angriffsfußball, der die Deutschen in der Welt beliebt gemacht hat, blieb in der Kabine. Was ist hier los? Kein Tempo, kein Spielwitz, keine Kombinationen, unnötige Ballverluste. Da flankt Sami Khedira eine Flanke, die so dämlich abgefälscht wird, dass sie eigentlich unbrauchbar werden müsste. Aber Gomez kommt irgendwie dran und köpft den Ball in die Maschen. Wie er das gemacht hat? Keine Ahnung. Auf jeden Fall mit Klasse. – Deutschland gewinnt das Spiel, dass sie durchaus auch hätten verlieren können (und zwar nicht mal unberechtigt!) mit 1:0. Der Mittelstürmer hat seine Pflicht getan, eine Pleite vermieden und… wird gescholten. Von Fußballgott Mehmet Scholl und anderen.

Geht’s noch?

Gestern dann die Antwort. Deutschland spielt im zweiten Gruppenspiel der Gruppe B gegen die Niederlande. DIE Niederlande. Erzrivale auf dem Feld seit Fußball auf das kontinentale Festland getragen wurde. Nach 38. Minuten steht es 2:0 für Deutschland. Doppelpack Mario Gomez. Beide Tore technisch höchst anspruchsvoll. Über jeden Zweifel erhaben. Endstand 2:1. DANKE!!!

P.S.: Das Gegentor war nicht seine Schuld.

P.P.S.: Das Foto stammt von Steindy.

Was zum…?

10. Juni 2012

Fußballprophetie

7. Juni 2012

Mit dem Abpfiff des diesjährigen CL-Finales ging mir ein Gedanke blitzschnell durch den Kopf: Und Europameister werden sie auch nicht!

Seit fast 20 Jahren sehe ich Fußball. Es wäre vermessen zu behaupten schon alles gesehen zu haben.  Ich will auch nicht von Sachverstand reden. Das ist mir alles zu rational. Rationalität und Fußball scheinen ja ohnehin nicht wirklich gut zueinander zu passen. (Was ich manchmal sehr schade finde.) Reden, oder besser, schreiben will ich über Gefühle.

Vor dem CL-Finale 2010 ahnte in es den ganzen Tag: Das wird nichts heute. Was ich noch mehr hasse, als Recht zu haben und es nicht zu bekommen ist – Recht zu behalten, wo ich es lieber nicht hätte. Als am 7. Juli 2010 Spanien eine Ecke gegen Deutschland reinbrachte schloss ich kurz die Augen und dachte „Aufpassen!“. Als ich die Augen wieder öffnete umflatterten Puyols Locken den Ball. Das war die 73. Minute und ich wusste – das Spiel ist vorbei. Bei Drogbas Ausgleich in der 88. Minute am 19. Mai 2012 wusste ich, was ich tief in mir nicht wahr haben wollte. Ein Unheil, dass sich bereits nach 45 Minuten den Weg gebahnt hat. (Ein Kumpel vor dem Spiel: „Schießen die Bayern in der ersten Hälfte kein Tor, wird es eng.“ Ich nickte stumm. Mein Vater nach 45 Minuten am Telefon: „Die vergebenen Chancen – das rächt sich!“ Ich nickte stumm und sagte: „Qutasch, die schaffen das.“ Ohne Ausrufezeichen.)

Ich äußere meine Ahnungen eigentlich nur selten, um bei ihrem Nichteintreffen nicht als Schwarzmaler dazustehen. Ich äußere sie meist nur gegenüber meiner Freundin und sie gruselt sich dann manchmal. Ich liege nicht immer richtig – aber oft. Wie mein Vater.

Schweinsteiger ist gebrochen. Lahm hat Willen aber kein Team. Ribéry hat Feuer. Robben wird sich (wieder) übernehmen.

Ich will niemanden das Turnier madig machen – ich hoffe ich werde des Unrechts gestraft. Es wäre keine Strafe. Sicher werde ich falsch liegen, allein weil ich meine Gedanken öffentlich geäußert habe. Nach dem 19. Mai, nach den Testspielen gegen die Schweiz und Israel (die nur spielerisch irrelavant waren!) glaube ich, dass die EM das zu bieten hat:

  • der Schweinsteiger des Turniers wird diesmal Lahm: seine Körpersprache auf und neben dem Feld ist seit Wochen beispiellos. Er ist wieder da, hat sich nach dem CL-Finale (er war der beste Bayer auf dem Feld) am schnellsten wieder aufgerichtet. Er ist ein würdiger Kapitän – hat er ein Team?
  • Deutschland wird ein ordentliches Turnier spielen: aber ich habe kein endgültiges Vertrauen mehr in unser Team. Die großen Leistungsträger wissen was auf dem Spiel steht. Ob sie dem Druck stand halten? Die nachwachsenden Zauberkinder sind allesamt gut – aber noch nicht reif.
  • Frankreich wird alle überraschen: die equipe tricolore ist mein Geheimfavorit der EM 2012. Bei vergangenen Welt- und Europameisterschaften haben sie entweder gar nichts gerissen oder das Finale erreicht (und manchmal auch gewonnen). Wer sie nach der WM 2010 abschreibt pokert hoch. Spielen sie eine souveräne Vorrunde, traue ich ihnen sogar den Titel zu.
  • Spanien ist nicht satt: die Spieler von Real und Barca wollen immer gewinnen. Die jungen der anderen Clubs sind hungrig und gut integriert.
  • England wird floppen
  • die Niederlande haben ähnliche Probleme wie wir: Offensiv eine Macht, Defensiv einfach schwach

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