Anonymous bedroht Künstler

Mit dem re-bloggen von Volker Strübings Abrechnung zu den Urheberrechtsansichten der Piratenpartei hatte ich sicher schon mal angedeutet, dass ich das Urheberrecht nicht für eine ausgemachte Höllenerfindung inkl. Freiheitsberaubung halte. Es gibt einige Gründe, wegen derer ich das Urheberrecht genauso wichtig und erhaltenswert finde wie dessen „Verwerter“. Der wichtigste Grund, auch das wurde von Strübing sehr richtig herausgestellt, ist, dass die Abschaffung der „Verwerter“-Instanz zwangsläufig dazu führen muss, dass Künstler zu Selbstvermarktern werden müssen, was ihrer künstlerischen Arbeit sicher nicht förderlich ist.

Dass die Ansichten zur Abschaffung oder Reformierung des Urheberrechts im Sinne der Piraten und anderer Netzaktivisten nicht nur realitätsfremd ist, sondern auch in hohem Maße gefährlich für Künstler und kulturelles Leben sein können, bewiesen jetzt Mitglieder von „Anonymous“. Die Gruppe scheint in ihrer (Nicht-)Organisation nicht nur wie ein Franchise-Terrornetzwerk aufgebaut zu sein, sondern sich allmählich auch Methoden zu bedienen, die mit der Wahrung der Rechtsordnung nicht mehr zu vereinen sind. Laut einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen, haben Hacker von Anonymous nun Daten (Adressen, Telefon- und Faxnummern etc.) vieler Unterzeichner des Appells „Wir sind die Urheber!“ im Netz veröffentlicht. Damit sollen offensichtlich andere Künstler eingeschüchtert werden sich dem Appell anzuschließen. Anoynmous spricht laut FAZ sogar von Verfolgung und Abhörung einiger Unterzeichner.

Nun ist es wahrscheinlich so, dass diese Aktion nicht von 100% der sich zu Anonymous zugehörig Fühlenden gutgeheißen wird. Allerdings finde ich diese Entwicklung schon erschreckend, denn hier bedienen sich selbsternannte Freiheitsaktivisten Methoden, die man sonst v.a. aus totalitären Regimen kennt. Ich frage mich, wie Anonymus die Wahrung der (Kunst-)Freiheit definiert, wenn dazu Künstler bedroht, eingeschüchtert und verfolgt werden. Das lässt mich an dunkle Kapitel in der Geschichte (nicht nur Deutschlands!) denken.

Einige Anonymous-Mitglieder haben mit dieser Aktion nicht nur einen gefährlichen Schritt gemacht, sondern auch ihre eigene Verlogenheit und Doppelmoral unter Beweis gestellt. Denn Datensensibel ist man offensichtlich nur, wenn es um die eigenen Daten geht.

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