Archive for Mai 2012

Ballast der Republik

30. Mai 2012

Seit ca. zwei Wochen ist das neue Hosen-Album da und alles ist wie immer. Zumindest so, wie bei den letzten Alben. Es gibt zwei bis drei richtig gute Stücke, viel Mittelmaß und die ein oder andere Peinlichkeit. Aber letztere halten sich diesmal doch arg in Grenzen. Das war nicht immer so. Was auch nicht immer so war: die thematische Eintönigkeit. Ich habe auch nach mehrmaligem Hören das Gefühl, dass es in den meisten Songs um das Gleiche geht. Man soll sich aus der momentanen Situation befreien, das dann kräftig mit allen Freunden feiern, den Moment tüchtigst genießen und die Erinnerung daran wird ewig sein. Finde ich zwar ganz gut, ist mir aber zu wenig.

Top-Songs:

  • Tage wie dieser (typischer Hosen-Song, der sich in die Single-Liste von „Was zählt“ und „Ich bin die Sehnsucht in dir“ einreiht)
  • Europa (erinnert mich an das „Container-Lied“, kurz, mid-Tempo, pointierter Text)
  • Oberhausen (hat was unglaublich Altes, also Hosen-Altes, so wie „Niemals einer Meinung“ oder „Wahre Liebe“)

Flop-Songs:

  • Schade, wie kann das passieren (ein Fußball-Lied über’s verlieren, man hofft, dass es beim nächsten Mal besser wird)
  • Das ist der Moment (das Abziehbild von „Tage wie dieser“, aber überflüssig, schal und einfach einfallslos)
  • Zwei Drittel Liebe (kläglicher Versuch einen „neuen Sound“ zu probieren, ähnlich wie „Disco“ auf dem letzten Album)

Only Dreaming (via What Is Memory?)

29. Mai 2012

Murmeltiertag.

20. Mai 2012

Sprachlosigkeit. Leere. Schmerz am Ende des Tunnels. Murmeltiertag.

Was gestern Abend passiert ist kann man als Fußballfan nur schwer in Worte fassen. Als Bayernfan gar nicht. Im Vorfeld dieses Champions-League-Finales wollte ich einiges über Fußball bloggen. Über mich und mein Fan-Dasein. Über meine Mannschaft: seit fast 20 Jahren der FC Bayern. Alles Schall und Rauch.

Vielleicht werde ich das alles in den nächsten Tagen in Angriff nehmen. Aufarbeiten. Das Finale gestern und die 20 Jahre davor. Schau mer mal.

Heute nur so viel: Ich weiß, dass ich für den folgenden Absatz 100€ pro Zeichen ins imaginäre Phrasenschwein des deutschen Fußballs zahlen müsste, ABER: Ein Spiel ist gewonnen, wenn man nach Beendigung der Partie durch den Schiedsrichter mindestens ein Tor mehr als der Gegner erzielt hat. So einfach ist das. So brutal. Der Spielverlauf interessiert dann nicht mehr. Die Philosophie vom „schönen Spiel“ ist Pappe! Ihren Predigern (u.a. Joachim Löw) gibt der „Erfolg“ recht. Aber Erfolg ist ein fragiles Gebäude.

Ich mache den Spielen keinen Vorwurf. Schweinsteiger nicht und Olic nicht und auch Arjen Robben nicht. Obwohl es für Robben an der Zeit ist mindestens so tief in sich zu gehen wie das Schweinsteiger und Lahm seit geraumer Zeit tun. Aber okay – er ist wie er ist. Morgen ist wieder ein Tag und bald wieder ein Spiel. Aber wahrscheinlich nie mehr so eins wie gestern. Es tut weh. Murmeltiertag.

Auch wenn’s heute noch schwer fällt: Mia san mia.

Da Vinci in München

17. Mai 2012

Das ist doch Leonardos Panzerwagen! Renaissance im Barock-Garten?

München (Hofgarten), März 2012

Zum Vergleich:

Okay, das Ding, das ich in Mücnhen entdeckt habe ist wohl eher die Ufo-Version eines Renaissance-Panzers (oder ein schöner Frostschutz für die Brunnenanlage). Aber Leonardo war eben schon ein Genie.

Got Pilsener Urquell?

15. Mai 2012

Praha (Karlův most), Mai 2012

Anonymous bedroht Künstler

14. Mai 2012

Mit dem re-bloggen von Volker Strübings Abrechnung zu den Urheberrechtsansichten der Piratenpartei hatte ich sicher schon mal angedeutet, dass ich das Urheberrecht nicht für eine ausgemachte Höllenerfindung inkl. Freiheitsberaubung halte. Es gibt einige Gründe, wegen derer ich das Urheberrecht genauso wichtig und erhaltenswert finde wie dessen „Verwerter“. Der wichtigste Grund, auch das wurde von Strübing sehr richtig herausgestellt, ist, dass die Abschaffung der „Verwerter“-Instanz zwangsläufig dazu führen muss, dass Künstler zu Selbstvermarktern werden müssen, was ihrer künstlerischen Arbeit sicher nicht förderlich ist.

Dass die Ansichten zur Abschaffung oder Reformierung des Urheberrechts im Sinne der Piraten und anderer Netzaktivisten nicht nur realitätsfremd ist, sondern auch in hohem Maße gefährlich für Künstler und kulturelles Leben sein können, bewiesen jetzt Mitglieder von „Anonymous“. Die Gruppe scheint in ihrer (Nicht-)Organisation nicht nur wie ein Franchise-Terrornetzwerk aufgebaut zu sein, sondern sich allmählich auch Methoden zu bedienen, die mit der Wahrung der Rechtsordnung nicht mehr zu vereinen sind. Laut einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen, haben Hacker von Anonymous nun Daten (Adressen, Telefon- und Faxnummern etc.) vieler Unterzeichner des Appells „Wir sind die Urheber!“ im Netz veröffentlicht. Damit sollen offensichtlich andere Künstler eingeschüchtert werden sich dem Appell anzuschließen. Anoynmous spricht laut FAZ sogar von Verfolgung und Abhörung einiger Unterzeichner.

Nun ist es wahrscheinlich so, dass diese Aktion nicht von 100% der sich zu Anonymous zugehörig Fühlenden gutgeheißen wird. Allerdings finde ich diese Entwicklung schon erschreckend, denn hier bedienen sich selbsternannte Freiheitsaktivisten Methoden, die man sonst v.a. aus totalitären Regimen kennt. Ich frage mich, wie Anonymus die Wahrung der (Kunst-)Freiheit definiert, wenn dazu Künstler bedroht, eingeschüchtert und verfolgt werden. Das lässt mich an dunkle Kapitel in der Geschichte (nicht nur Deutschlands!) denken.

Einige Anonymous-Mitglieder haben mit dieser Aktion nicht nur einen gefährlichen Schritt gemacht, sondern auch ihre eigene Verlogenheit und Doppelmoral unter Beweis gestellt. Denn Datensensibel ist man offensichtlich nur, wenn es um die eigenen Daten geht.

No, the emperor!

11. Mai 2012

Praha (Staroměstské náměsti, Staré Město), Mai 2012

L.O.V.E. Waldtraut

9. Mai 2012

München, März 2012.

Geradezu süchtig nach Stille

7. Mai 2012

Vergangenes Wochenende waren wir in Prag. Abschalten vom Abschalten sozusagen. Verdrängung der Prokrastination. Für mich war es der zweite Aufenthalt in der einstmals „goldenen Stadt“, die mir eigentlich wie das gelobte Land erscheinen müsste. Nicht allein, weil das Bier der Tschechen so verdammt gut und immer noch relativ preisgünstig ist, sondern wegen der Nähe zu Kafkas Lebensstätten. So ist ein Pragaufenthalt für mich in erster Linie immer eine Pilgerreise, nach der ich mich immer auch ein wenig schlecht fühle. Denn eigentlich ist das Aufsuchen der ehemaligen Wohnhäuser, des Geburtshauses (nur das Portal ist erhalten), des Gymnasiums (Hinterhaus des Palais Kinský), der Geschäfte Hermann Kafkas und der Cafés (Café Louvre!) nichts weiter als eine intellektuelle Form von stalking. Oder Voyeurismus, oder pure Verzweiflung.

Ein Wochenende in Prag also. Eine Pilgerreise und der Versuch abzuschalten, zu sich zu kommen. Vielleicht (ganz vielleicht!) Inspiration zu finden. Doch was ist Prag an einem sonnigen Wochenende? Und: Hätte ich es nicht besser wissen müssen? Zugegeben, meine Erwartungen waren diesmal nicht ganz so hoch, wie es hier klingt. Prag ist nicht mehr golden. Machen wir uns nichts vor. Die verträumte Altstadt, ein Traum für Romantiker. Tourismus ist nicht romantisch. Die Stadt aber immer noch klein und eng – und voll, voll, voll und laut, laut, laut.

Am ersten Tag: Flucht auf den Laurenziberg. Für uns beide völlig neu, in der jeder Hinsicht. Meine geradezu verheerende Sucht nach überwältigender Stille zumindest zu einem Großteil befriedigt. Touristen und Prager, die den fast andächtig über der Stadt thronenden Berg fast andächtig beschreiten. Auf dem Weg zum Hradshin bietet sich dem Spazierenden ein phänomenaler Blick über die Stadt. Ein Hauch vom Gold vergangener Tage umweht uns. Die Strafe für dieses Pathos sind die segway-Touristen, die sogleich um die Ecken der ersten Häuser der Burgstadt donnern. Sorry, sorry. Sorry for this. Sorry for that.

Ich vergleiche mich nicht mit Kafka. Nicht im Leben. Erst recht nicht im Schreiben.

Ich habe einmal einen kleinen Text über den großen Lärm geschrieben, der Kafka in nahezu allen seinen Wohnstätten verfolgte. Ich kenne das zu gut, aber das ist jetzt vorbei. Zum Teil. Kafka flüchtete auf die Burg, Alchimistengasse. Haus Nr. 22. Hier konnte er nachts schreiben. Seine Süchte befriedigen. Die nach Ruhe, Abgeschiedenheit, Produktivität, Intimität. Heute ist das Häuschen, wie die gesamte Gasse, Herzstück der größten Touristenbörse der Stadt. Zu holprig zwar für segways, für meinen Geschmack nicht holprig genug.

Jaroslav Rudiš ist ein Prager Schriftsteller. 2oo7 schrieb er ein Buch, das jetzt endlich auf Deutsch (von Eva Profousová) vorliegt. Fünf Jahre zu spät, in seiner Aktualität wahrscheinlich passender denn je. „Die Stille in Prag“ wird mein nächster, privat zu lesender Roman sein. Muss es sein. In einer ganz stillen Ecke. Für mich allein.

Ganz still wollte ich es in Prag haben. Das war ein dummer Wunsch. Mindestens so dumm wie die Vorurteile und Klischees, die man bestimmten Nationen zuschreibt. Doch was ist, wenn sich diese bestätigen? Darf man das dann sagen, dass die Briten tatsächlich die besoffensten und lautesten unter den Touristen sind? Ja, aber was spielt das eigentlich für eine Rolle? Meine größte Dummheit an diesem Wochenende war ohnehin eine andere.

Ganz still wollte ich es in Prag haben. Und pilgern wollte ich, stalken. Also nichts wie raus aus dem Auge des Orkans und ab die Metro zum Nový židovský hřbitov (Praha-Žižkov oder doch schon Strašnice?). Kafka liegt hier begraben. Fand seine letzte Ruhestätte, wie man sagt. Aber das Grab wurde nach 1924 noch zweimal aufgerissen. Jetzt teilt er sich sogar diesen letzten Ort mit Vater und Mutter. Intimität nicht mal im Tod. Ich wage nicht dieses abscheuliche Wort zu denken, diese peinliche Hilfskonstruktion der Literaturwissenschaftler. Diese triviale Hülse: kafkaesk.

Friedhöfe sind Orte der Stille und des Gedenkens. Ich will still sein und ihm gedenken. Ihm und der goldenen Stadt. Franz Kafka war Jude. Samstag ist ‏שבת‎, Schabbes, der jüdische Ruhetag. Tag der Einkehr, an dem wir Gojim draußen bleiben müssen. Wie um alles in der Welt konnte ich das vergessen? Keine Ahnung, wann ich mich zuletzt so über mich selbst geärgert habe.

Die Rückkehr in lauten Zügen lässt mich den Montag am Schreibtisch herbeisehnen. Hier sitze ich vor dir, klackernde Tastatur.

3. Mai 2012

Postkultur

Ich schreibe so langsam, dass die Welt sich manchmal zwischen zwei Sätzen oder noch bevor ich mich für eine von zwei Wendungen entscheiden kann, eine ganze Runde um sich selber dreht.

Kommen und Gehen, so symmetrisch sie scheinen, haben nichts miteinander gemein. Eine Reihe von Bäumen links verspricht Schatten, so dass ich den kürzeren Weg verlasse und in die Nebenstraße einbiege. Sie ist wie ein Tunnel nach Hause. Sonnenlichtflecken auf dem Gehsteig steigern das Gefühl für mein Entkommen.

Daraus ist nicht zu schließen, dass in kurzen Spurts zu lesen wäre oder im Versuch die Schichten von Mühe und Zögern wiederherzustellen. Schreiben und Lesen, wenngleich sie sich einen Text teilen, haben keine weitere Beziehung zueinander – weil geboren zu sein über das Sterben nichts aussagt.

Sonne befleckt den Tisch, hartnäckig.

***

Mein zweiter linker unterer Backenzahn war nie auch nur im Ansatz für mich brauchbar. Er entspringt meinem Zahnfleisch, ragt…

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