Über Spielertypen

Wer ist mein Lieblingsfußballspieler aller Zeiten? Tja, da kann es eigentlich nur Einen geben: Zinedine Zidane. Warum er? Das lässt sich eigentlich ganz einfach begründen. Zizou war ein Typ, den es im Fußball merkwürdigerweise recht selten gibt. Er war ein hochkarätiger Individualist, der seine individuelle Stärke in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. „Er dient dem Spiel“, habe ich zuletzt in der 11 Freunde gelesen – und das trifft den Nagel auf den Kopf. Welcher Spieler konnte bitteschön im Sprint springen, die Hacken nach hinten schlagen und so eine Flanke annehmen, den Ball zum Rasen führen und dann noch mit höchster Sicherheit von dannen dribbeln? Und das nicht, um dann von der Außenbahn nach Innen zu ziehen und aufs Tor zu hauen. Sondern um den Ball im richtigen Moment zu einem besser stehenden Mitspieler in den Strafraum zu stecken, der dann nur noch vollenden muss. Das ist Mannschaftssport!

Und er hat einen Erben: Franck Ribéry. Dann mögen jetzt Einige lachen, aber ich will versuchen das zu erklären. Ribery hat nicht die technische Brillianz und Filigranität eines Zidane. Aber er ist ein starker Techniker, der viel von Zidane gelernt hat. Man merkt, dass er sein Vorbild ist. Und dazu braucht man nicht mal ein analytisches Auge. Ribéry hat einwenig von seiner Torgefahr verloren, sammelt dafür aber Assist um Assist. Er wirbelt auf den Außen wie ein Verrückter, um im richtigen Moment die/den Stürmer zu bedienen. Ein großartiger Indivisualist auf seiner Position – ein Teamplayer, wenn es darauf ankommt. Das war nicht immer so. Wie jeder individuell starke Spieler will auch Ribéry im Rampenlicht stehen, aber er hat im Laufe der Zeit gelernt, dass dazu nicht immer ein Tor im Alleingang nötig ist.

Um ein solches mannschaftsdienliches Spiel jedoch auch spielen zu können, muss er die Möglichkeit haben, seine individuelle Klasse ausleben zu können. Ein Fakt, den z.B.  Louis van Gaal als Bayern-Trainer nie verstanden hat. Ein Typ wie Ribéry braucht Freiheit, um sich ins Spiel einzubinden. Van Gaal setzt aber eher auf den Typ Arjen Robben, der in 90 Minuten Ballgeschiebe zwei brilliante Momente hat, übers halbe Feld dribbelt, um dann von rechts Außen nach Innen zu ziehen und die Murmel sehenswert in den Winkel zu kloppen. So gewinnt man 2:0 – durch einen Mann. Aber das ist eigentlich nicht Fußball. Ich halte Arjen Robben für einen außergewöhnlich starken Spieler, aber er ist kein Charakter. Vielleicht wird er ja noch einer…

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6 Antworten to “Über Spielertypen”

  1. killer Says:

    ich verstehe nicht, was die welt an zidane gefressen hat. auch der broich ging ja so steil auf den ab. ich fand zidanes bewegungen immer alles andere als geschmeidig. eher staksig und klobig. nur ist er trotzdem immer durchgekommen, klar wegen seiner großartigen technik, aber eleganz sieht für mich dennoch anders aus.

    ich muss sagen, der spieler, der mich am meisten beeindruckt hat, weil er auf dem platz wirklich geniale dinge angestellt hat, dinge, die sich lange kein spieler getraut hat und die er mit einer unglaublichen souveränität aus dem ärmel geschüttelt hat, pässe, tricks, dribblings und tore, das war ronaldinho zu seiner glanzzeit bei barcelona 2004-2006.

    der makel, der ihm anhaftet ist leider der, dass er irgendwann aufgehört hat, das abzurufen, was er kann. schade drum. damit hat er auch den titel lieblingsfußballer bei mir verspielt.

    • Clarknova Says:

      wie elegant zidane bei seinen aktionen aussah war und ist mir herzlich egal, denn sie waren meist effektiv und immer sinnvoll. zidane war kein zauberer des egos wegen, sondern des spiels wegen. kann sein, dass das manchmal staksig aussah. aber er wäre nie auf die idee gekommen, wie bspw. ein ronaldinho (den ich auch außergewöhnlich finde) seine technische und trickserische stärke dafür zu nutze riskante alleingänge zu starten, die dann doch nur im sande verlaufen. das ist der unterschied.

  2. killer Says:

    ich habe letztens überlegt, welche spieler bei mir so eine art heldenstatus überhaupt genießen. es sind wirklich sehr wenige. steven gerrard gehört in jedem fall dazu. zweikampfstärke, ballkontrolle, einen hammerschuss. mehr leidenschaft und einsatzwille habe ich seither nicht gesehen.

  3. killer Says:

    du vergleichst hier die schussstärke eines steven gerrard mit ballack, lampard und schweinsteiger… 😉

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