20. Wave-Gotik-Treffen – Eine kurze Bilanz

Bands gesehen:

Henke spielt Goethes Erben – eine fantastische Reise in die Vergangenheit meiner Gruftie-Jugendtage. Das Konzert war überraschend gut. Hervorragend eigentlich. (1. Highlight)

Jo Quail – kannte ich vorher nicht. Eine sympathische Dame macht Instrumentalmusik mit einem E-Cello nach dem Matt Howden-Prinzip (Sieben). Mit einer Loopstation wird live Tonspur für Tonspur aufgenommen, sodass am Ende ein kompletter Song steht. Mit nur einem Instrument aufgenommen. Klingt aber, als spiele eine ganze Band. Super.

Sieben – kann mich nicht enttäuschen. Der Hauptgrund für mich aufs WGT zu gehen. Matt Howden mit Stimme und Violine steckt für mich jedes pompöse Orchester locker in die Tasche. Ein Profi, ein Könner, einer der handvoll Künstler auf dem WGT die musikalische Qualität ersten Ranges zu bieten haben. Mit Worten nicht hoch genug zu loben. (2. Highlight)

Deine Lakaien – gehen immer, enttäuschen selten. Zum 20. WGT- und 25. Bandjubiläum gab es ein Set mit einigen alten Perlen und natürlich neuen Stücken. Für Ernst Horn gilt das Gleiche wie für Matt Howden. Alexander Veljanovs Stimme ist neben Peter Heppner vielleicht das beste, was es in Deutschland zu hören gibt. Schönes Konzert.

Empyrium – kannte ich nur vom Namen her, wurde mir aber sehr empfohlen. Die Band gab es von 1994 bis 2002, jetzt wieder seit 2010 (sagt Wikipedia). Auf dem WGT gab es die Live-Premiere. Eine ordentliche Mischung aus Metal und Dark Folk. Hat sich gelohnt, auch wenn ich keinen weiteren Bezug zu dieser Band habe.

Ef – mag ich auf Platte sehr. Waren live aber einfach nur viel, viel, viel zu laut, zu anstrengend, die Musiker zu unsympathisch. Schade. Aber irre, dass es zum WGT einen Post-Rock-Block gab.

Spiritual Front – lieferten mit ihren zweiten Album „Rotten Roma Casino“ die Enttäuschung 2010 ab. Musikalisch folgte dem steilsten Aufstieg in der Szene seit Jahren der tiefe Fall. Live können sie zwar noch überzeugen, aber dann muss alles passen. Ich habe vom Schlagzeug nur Becken, von den Gitarren nur übersteuertes Geschrammel und einen viel zu lauten Gesang gehört. Daraufhin ergriffen wir nach den ersten Liedern die Flucht und fragten uns ernsthaft wer auf die bescheuerte Idee kam Konzerte im Felsenkeller stattfinden zu lassen.

16 Pad Noise Terrorist – FUCK YEAH!

Killing Joke – ist eine Band für die ich zehn Jahre zu jung bin. War aber ganz cool so… Alt-Rock… im Sinne von Old-Rock… nicht Alternative-Rock.

Fields of the Nephilim – stellen kein Risiko dar. Der alte Mann mit dem Hut voller Staub kommt, singt und geht. Und alles ist wie immer. Eine der größten Szenelegenden bieten noch immer grundsoliden Gothic-Rock, den man gut hören kann. Man kann es aber auch bleiben lassen. Gleiches gilt für die Konzerte.

In the Nursery – war okay, aber irgendwie nicht mehr. Zu viele Synths, zu wenige Trommeln und die Sängerin passt einfach nicht in diese Band/in diese Musik.

Lustmord – gilt gemeinhin als Erfinder des Dark Ambient. Ein Mann, ein Macbook, sphärisch-zappendüstere Klangcollagen und ein ansprechendes Videodesign im Hintergrund. Live nicht spektakulär anzusehen, aber das ist Dark Ambient ja nie. Die Musik ist großartig.

Chris & Cosey – waren für mich die Überraschung des WGT und ein mehr als würdiger Festivalabschluss. Da haben bzw. hatten Kirlian Camera also ihre Inspiration her. Und so müssten sie vielleicht auch klingen um heute noch relevant zu sein. Experimenteller Elektro-Pop-Rock trifft auf Industrialversatzstücke der ersten Stunde. (3. Highlight)

Bands verpasst:

18 Summers – waren neben Sieben der zweite Hauptgrund zum Festival zu gehen. Das erste Konzert seit 2003 glaube ich. Naja und bei einem Festival mit 278 Bands in vier Tagen habe ich natürlich das Glück, dass sich die einzigen beiden die ich wirklich sehen will überschneiden. Shit happens.

C.3.3. – hat irgendwas mit Test Dept. zu tun. Keine Ahnung. Hat zeitlich nicht gepasst.

Marita Schreck – wollte ich schon immer mal sehen. Aber Abhängen im Agra/Heidnisches Dorf war dann doch eher meiner Stimmung entsprechend.

N.U. Unruh (Einstürzende Neubauten) – Keine Ahnung, warum ich da nicht war. Lag wahrscheinlich einfach nur an der Faulheit nach Empyrium vom Volkspalast in den Anker zu fahren. Für WGT-Verhältnisse ist der ja am Arsch der Welt.

Rome – spielten nach Spiritual Front. Wollte ich eigentlich unbedingt sehen. Aber nicht in einem Schuppen mit derart schlechtem Sound. Das hat vor allem eine Band die Neoklassik spielt nicht verdient. Spätere Berichte gaben mir Recht. Als Rome spielten setzte eine Exodus aus dem Felsenkeller ein. Vorausschauend wie ich bin, war ich da schon längst auf dem Berg Sinaii.

Dornenreich – Ja, Schade. Aber ich glaube unplugged gefallen die mir eh besser.

Fundstücke/Beobachtungen:

Spiritual Fronts „Rotten Roma Casino“ (Limited Edition: CD + DVD) wird im Agra für 9,50€ verramscht. Die Platte ist noch kein Jahr alt.

Gefälschte Eintrittsbändchen werden von Jahr zu Jahr dilletantischer gefälscht. Siehe Germanistinnenwerk.

Fetish-Outfits auf der Agra nehmen ab.

Cyber-Goth nimmt ab.

Steampunk kommt.

Klassisch-viktorianische Outfits überdauern alles.

Den Ausstellerschwund in der Agra-Markthalle versucht man durch breitere Gänge zu kaschieren. Netter Versuch, aber Senkung der Standmieten würden dem jämmerlichen Anblick wohl eher entgegenwirken.

Nicht-Lustig.de hat einen Stand in der Agra-Markthalle.

Die LVB denkt endlich mit.

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Eine Antwort to “20. Wave-Gotik-Treffen – Eine kurze Bilanz”

  1. anniefee Says:

    danke. interessant.
    ich kann leider nur, wie bei jedem Leipzigbeitrag, säuseln: „dereinst werde ich das hoffentlich auch mal in live erleben dürfen“.

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