Der Essay

Natürlich können findige Literaturwissenschaftler versuchen den Essay als Gattung, Textsorte oder Genre zu definieren. Alles kein Problem, können sie ja machen, aber mal ehrlich, weit werden sie dabei nicht kommen. Und auch ich werde jetzt sicher nicht versuchen den Essay als solchen zu definieren. Ich schreibe viel lieber einen Essay darüber, was der Essay mir bedeutet. Metaessay sozusagen.

Vor einigen Jahren hat mir ein Schriftsteller dazu verholfen nicht allzu verkopft an das leere Word-Dokument heranzugehen. Einfach aufhören immerfort Geschichten erzählen zu wollen. „Setz dich einfach hin und fang an zu tippen. Essay ist Freiheit!“ Es geht dabei nicht um richtig oder falsch, Wahrheit oder Fiktion. Der Essay ist die adäquateste Form seinem Drang zum Schreiben Ausdruck zu verleihen. Man setzt sich hin und lässt die Worte fließen. Dabei kann dann natürlich die größte Scheiße rauskommen, aber der ein oder andere gute Satz wird schon vorbeischwimmen.

Die guten Sätze kann man dann immer noch rauskopieren, copy and paste, und aufheben. Nicht wegschmeißen! Vielleicht kann man das nochmal gebrauchen. Selfsampling statt Fremdsampling, Frau Hegemann. Nana, nicht fies werden. Mixen, samplen, Intertextualisieren – ist alles erlaubt, fetzt auch. Aber mit fremden Federn schmücken, das lassen wir lieber. Juckt früher oder später fürchterlich.

Der Essay ist kein Text, er ist eine Methode, ein Werkzeug. Éciture automatique um an die innersten Gedanken zu kommen, Un- und Unterbewusstes (das ist nicht dasselbe!) freizulegen. An dieser Stelle möchte ich André Breton grüßen. Eine dicke Kuss von der Autor dieser Zeilen!

Naja, aber irgendwie sind Essays schon auch Texte. Reflektierende, akademische, feuilletonistische und manchmal eben auch erzählende. Und wenn mir da einer widersprechen will ruf ich Hans Magnus Enzensberger an, der beschützt mich. Ach Quatsch… soll’n se ruhig widersprechen. Ich definier hier nüscht.

Okay, kleiner Einschub (Widerspruchsalarm!): Der Essay ist eine ästhetische Plauderei (muss nicht zwingend geistreich sein), ein Dialog in mono (Copyright!!!) welcher als solcher einzig dem guten Stil verpflichtet ist. Ach du scheiße, guter Stil… na das kann ich mir abschminken, bei dem Gelaber hier. Aber immerhin bin ich’s mal losgeworden. (Ist der Hausfrauenapostroph hier erlaubt? Ich sag mal ja.) Muss ja auch kein druckreifer Essay rauskommen, ist ja nur ein Blog. Das ist ja das schöne am Internet: man geht rein, lässt allen Druck fallen, drückt auf einen Knopf und geht wieder. Wie sehr wurde die Toilettenmetapher in Bezug auf das Internet eigentlich schon strapaziert?

Auch wenn das mein Blog ist und ich hier machen kann was ich will, hör ich jetzt lieber auf. Wenn mir noch was einfällt, schreib ich einfach einen neuen Eintrag. Einfach so. Zack. Ich wollte nur mal betonen, dass jede Form von Text am Ende Essay und damit auch sowas wie Literatur sein kann. Na gut, vielleicht nicht jede… Aber wenn sich junge Literaturstudenten in renommierten Akademien an einen Tisch setzen, sich angrunzen, das Literatur nennen und es August Stramm (du fehlst.) in die Schuhe schieben, also da weiß ich ja nicht… Ich glaube ja, elitär wie ich manchmal bin, da haben die was nicht verstanden.

Wollte nur sagen „Clark Nova lebt noch! Demnächst vielleicht mal wieder Kunst!“ nicht immer nur Fußball. So.

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Eine Antwort to “Der Essay”

  1. young, rich & innocent Says:

    jau! danke für den letzten absatz.

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