Archive for Juni 2010

Bild #2

26. Juni 2010

Für M.

In einer postapokalyptischen Trümmerlandschaft steht ein kleiner Junge in kurzen Hosen und gestreiftem T-Shirt. Seine ehemals weißen Socken sind verdreckt; in den Händen hält er ein Gewehr an dessen Lauf sich ein Bajonette befindet. Damit sticht er eine Reihe kleiner Löcher in den sandigen Boden.

Neben ihm kniet ein kleines Mädchen. Es trägt ein leicht zerschlissenes, rotes Kleid, Kniestrümpfe und Sandalen. Ihre Haare sind zu zwei Zöpfen geflochen, von denen der eine sich aufzulösen beginnt. Beharrlich steckt das Mädchen einzelne Blumen in die ausgestochenen Löcher. Die Blumen sehen aus wie schwarze Gerbera in deren Blütenmitte sich winzige Totenköpfchen befinden.

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Hurricane 2010

22. Juni 2010

So, ich bin aus Scheeßel zurück. Das Hurricane Festival 2010 ist Geschichte. Hier meine Randnotizen zu den gesehenen Künstlern:

Freitag:

Madsen gaben auf sympathisch-lockere-deutsch-poppig-rockige Indie(?)-Art Hits zum Besten, die außer mir wohl jeder kennt. Immerhin ein Song des Sets war mir bekannt: „Nachtbaden“. Schönes Lied, guter Auftritt, hat mich aber nicht so dermaßen umgehauen. Ist halt Madsen – okay.

Dropkick Murphys hab ich in diesem Jahr endlich zum ersten Mal live gesehen. Der Auftritt erinnerte mich stellenweise an Die Toten Hosen, nur eben mit Dudelsack, Akkordeon, Querflöte und was man eben noch so alles braucht, um Irish-Pub-Party-und-Schlägerei-Mucke zu machen. Fein!

Beatsteaks sind zurück und waren live, wie die Beatsteaks eben live sind. Es war solide und gut wie ich es in Erinnerung hatte. Ich fand es schön die Hits mal wieder zu hören aber meine Müdigkeit sorgte dafür, dass der Funke nicht übersprang.

Mr. Oizo hat mir meine letzte Kraft abverlangt. Im völlig überfüllten White Stage-Zelt (erstmals vierte Bühne!) gabs Techno vom Feinsten. Allerdings hab ich es nicht lange da drinnen ausgehalten. Geile Musik aber einfach viel zu voll. Und es drängten immer mehr Leute ins Zelt, was den Security schwer zu schaffen machte. Als der Ausnahmezustand am nächsten Tag reflektiert wurde entschied man hart aber vernünftig: die White Stage und alle darin angekündigten Auftritte (u.a. Boys Noize) wurden gestrichen.

Samstag:

Florence + The Machine waren das erste Note 1-Konzert auf diesem Festival. Die Frau strahlt einfach eine unglaubliche Präsenz aus, die mit der wunderbar schrägen, teilweise verträumten Musik super korrespondiert. Ein großartiger Auftritt um sich in Musik zu verlieren und an einem Nachmittag dahinzugleiten oder begeistert rumzuhüpfen. 45 Minuten waren definitiv zu wenig.

Skunk Anansie sind ebenfalls zurück auf den Bühnen der Welt. Die Rocklegende der späten 90er hat immer noch erstaunlich viele Menschen angezogen. Die Stimmung war dementsprechend großartig und bis auf „Secretly“ alle Hits und ein bisschen neuer Kram vertreten. Ein etwas fader Beigeschmack kam jedoch auf. Sängerin Skin wirkte irgendwie zu künstlich-aufgesetzt und manchmal erschien mir der Sound der vier Briten etwas anachronistisch. Naja, sind halt nicht mehr die Jüngsten – was man auch am Publikum sah, dessen Altersschnitt ich etwas gedrückt haben dürfte.

The XX strahlten für mich die stärkste Gravitation Richtung Scheeßel aus. Ich hab es tatsächlich geschafft in die vorderste Absperrung zu gelangen und konnte so hautnah meine größte Neuentdeckung in diesem Jahr genießen. Es war unglaublich faszinierend zu sehen, wie man mit solch programmatischem Minimalismus eine derart geballte Atmosphäre erzeugen kann. Als ob die Zurückhaltung von Musikern und Musik sich bis zur Implosion steigern, die eine große Energie freisetzt. Einfach unglaublich faszinierend.

Massive Attack gehören zu den Legenden, die man einmal im Leben live erlebt haben möchte, auch wenn sie bis Nachts um 2 in der Saukälte spielen. Überaus beeindruckende(r) Show bzw. Sound haben meine Füße jedoch nicht ausreichend gewärmt, sodass ich eine großartige Liveband nach der Hälfte des Sets im Stich lassen musste. Schade.

Sonntag:

Dendemann ist weit, weit über seinen Zenit hinaus. Sehen wollte ich in spaßenshalber trotzdem mal. Naja, auf Platte und vor allem mit Eins Zwo um Längen besser, als live im Assi-Atzen-Outfit ohne einfallsreiche Improvisation und was sich noch so alles für nen Rapper gehört. Sorry Dende, von dir erwarte ich nicht mehr viel.

Faithless gehören ebenfalls längst in die Legendenschublade, aber dort sollten sie nicht bleiben. Mit über 50 Jahren spielt Maxi Jazz immernoch jeden dance-house-electronica Mitt-Zwanziger an die Wand. Bei Hymnen wie „God is a DJ“ und natürlich „Insomnia“ habe ich in meinen mittlerweile bitter nötig gewordenen Gummistiefeln gekocht. An den Füßen etwas ekelig hatte ich ab den Knien aufwärts doch so etwas wie ein Bewusstseins erweiterndes Erlebnis. Ganz großes Kino!

The Prodigy beschlossen für mich das Hurricane mit einer Enttäuschung. Es kann eben nicht sein, dass alle großen Electro-Legenden (Ich bin mir des inflationären Gebrauchs des Wortes „Legende“ bewusst, aber wer kennt auf die Schnelle ein passendes Synonym?) auch live überzeugen. Der Sound war grottig und vor allem viel, viel, viel zu leise!! Keith Flint auf der Bühne zu sehen macht zwar Spaß, aber das reißt Maxim Reality wieder rein. Der Typ geht auf der Bühne gar nicht und nervt permanent mit seinem „fucking hier“ und „fucking da“. Ich fühlte mich an Disturbed aus dem letzten Jahr erinnert – bäh!
Immerhin ein Gutes hatte der Auftritt: Das Set hat mir doch mal wieder vor Augen geführt, was für Kracher The Prodigy im Laufe der Zeit produziert haben. Großartige Sounds, die ich in Zukunft aber lieber wieder aus der Konserve hören möchte.

Verpasst/verpennt/nach kurzer Zeit wieder verlassen/gestreift/vorgenommen zu sehen und dann unmotiviert fallen gelassen: FM Belfast (verdammte Überschneidung!), LCD Soundsystem, Deichkind (euer Sound ist fett aber euer Publikum ist einfach nur Panne), Deftones, Porcupine Tree, Element of Crime, Timid Tiger, Moneybrother

Kader meiner all-time-favourite-Fußballspieler

14. Juni 2010

Tor:

Oliver Kahn (D) – *1969
Edwin van der Sar (NL) – *1970
Fabien Barthez (F) – *1971

Abwehr:

Bixente Lizarazu (F) – *1969
Philipp Lahm (D) – *1983
Lothar Matthäus (D) – *1961
Fabio Cannavaro (ITA) – *1973
Thomas Helmer (D) – *1965
Willy Sagnol (F) – *1977

Mittelfeld:

Luís Figo (P) – *1972
Franck Ribéry (F) – *1983
Zinédine Zidane (F) – *1972
Mehmet Scholl (D) – *1970
Thomas Häßler (D) – *1966
Bernd Schneider (D) – *1973
Bastian Schweinsteiger (D) – *1984
Arjen Robben (NL) – *1984

Angriff:

Jürgen Klinsmann (D) – *1964
Carsten Jancker (D) – *1974
Alexander Zickler (D) – *1974
Romário (BRA) – *1966
Wayne Rooney (ENG) – *1985
Giovane Elber (BRA) – *1972

Nachrücker: Robin van Persie, Mark van Bommel, Edgar Davids, Clarence Seedorf, Wesley Sneijder (alle NL), Steve McManaman, Paul Scholes, Peter Crouch (alle ENG), Thierry Henry, David Trezéguet, Lilian Thuram, Laurent Blanc (alle F), Diego Milito (ARG), Markus Babbel, Rudi Völler, Ulf Kirsten, Stefan Kuntz, Christian Ziege (alle D), Lucio, Roberto Carlos (alle BRA)

Shame on us

1. Juni 2010

Im Nieselregen durch die graue City laufen und eine trübe dreinblickende Menge beim shoppen beobachten. Wenn ich nicht mit dem Fahrrad unterwegs bin, kann ich dem Wetter wieder die Ästhetik abgewinnen, für die ich es eigentlich so liebe. Wer obendrein, wie ich, einen Hang zu Melancholie, Skepsis und Konsumkritik hat, sollte folgenden Song (am besten über Kopfhörer) genießen. Klick! Da der Download kostenlos und legal ist, am besten auf dem MP3-Player speichern und in besagter Szenerie wirken lassen.

„shame on us
doomed from the start
may god have mercy
on our dirty little hearts
shame on us
for all we have done
and all we ever were
just zeros and ones“

(Nine Inch Nails – Zero-Sum)


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