Das Aufschreiben und Mitschreiben

1. Juni 2018

Anfang des Jahres gab es in der Salzburger Literaturzeitschrift Mosaik ein kleines Portrait über mich und meine Arbeitsweise des Notierens. Man kann das hier bzw. hier nachlesen.

Wie es der Zufall wollte schrieb die Berliner Literaturzeitschrift Metamorphosen (Verbrecher Verlag) kurz darauf einen Call for Paper zum Thema Journal aus. Ich habe meine Notizen aus dem Jahr 2017 gesichtet und das Journal Die Hähne auf Hydra daraus kompiliert. Auszüge daraus sind nun in der 21. Ausgabe des Magazins erschienen. Der Text beginnt mit dem Satz „Es ist zu wenig Gelb in der Welt.“

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

 

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„Jeder weiß“ – Philip Roth 1933 – 2018

23. Mai 2018

Mit „Jeder weiß“ ruft man das Klischee an und beginnt mit der Banalisierung der Erfahrung, und das eigentlich Unerträgliche sind die Feierlichkeit und das Gefühl der Autorität, mit der die Leute das Klischee aussprechen. Wir wissen nur, dass auf individuelle Weise niemand irgend etwas weiß.

— Der menschliche Makel

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Es gab eine Zeit, in der mir seine Bücher die Welt bedeuteten. Anfang 2005, ich stand kurz vor’m Abi, habe ich angefangen Philip Roth zu lesen. Mit Der menschliche Makel ging es los, das mich sofort umgehauen hat. In kurzer Folge habe ich in den kommenden Monaten und Jahren einen Roth nach dem anderen aufgesogen und viel über Literatur und das Erzählen gelernt. Nach Jedermann habe ich dann einen Schnitt gemacht, weil es mir seltsam erschien als junger Mann mehr und mehr in den Erfahrungsraum eines alternden Mannes gezogen zu werden, der zunehmend von Krankheit und Tod bestimmt wird. Ich hab das annähernd gefühlt, so intensiv war das Roth-Lesen für mich.

Ich hab dann pausiert. Hier und da einen „schmalen“ Roth gelesen und im Studium eine Hausarbeit über Die Brust geschrieben, die meine Dozentin nicht gefiel.

Dreizehn Jahre ist das jetzt her, als ich Der menschliche Makel gelesen habe. Und mir bleibt vor allem diese Stelle unvergesslich, diese bedrückende Situation in der Coleman Silk mit diesen einschneidenden Worten „jeder weiß…“ konfrontiert wird. Dreizehn Jahre und das Taschenbuch riecht mittlerweile schon leicht nach Antiquariat. Nicht nach dem Alter, aber dem Altern.

Gestern ist Philip Roth dem Alter erlegen, das er in einem Interview einmal als Massaker bezeichnet hat. Das ist traurig. Das ist ein Verlust. Das ist nicht zu ändern. Exit Ghost.

#teamköhlmeier

9. Mai 2018

Avalanche

2. Mai 2018

This was a trial where the ‘crime’ was journalism, and the only ‘evidence’ was journalistic activities

27. April 2018

Joint Statement on the Cumhuriyet trial: 30 media freedom and freedom of expression organisations call on the institutions of the Council of Europe and its member states to remind Turkey of its international obligation to respect and protect human rights.

While three Cumhuriyet staff were acquitted, all the remaining journalists and executives were handed sentences of between 2 years, 6 months and 8 years, 1 month. Time already served in pretrial detention will likely be taken into consideration, however all will still have jail terms to serve, and those with the harshest sentences would still have to serve approximately 5 years. Travel bans have been placed on all defendants, barring the three that were acquitted, in a further attempt to silence them in the international arena.

[…]

The guilty verdicts against the Cumhuriyet journalists and executives must be overturned and the persecution of all other journalists and others facing criminal charges merely for doing their job and peacefully exercising their right to freedom of expression must be stopped. The authorities must immediately lift the state of emergency and return to the rule of law. The independence of the Turkish courts must be reinstated, enabling it to act as a check on the government, and hold it accountable for the serious human rights violations it has committed and continues to commit.

[…]

Furthermore, we call on the institutions of the Council of Europe and its member states to remind Turkey of its international obligation to respect and protect human rights, in particular the right to freedom of expression and the right to a fair trial, and to give appropriate priority to these issues in their relations with Turkey, both in bilateral and multilateral forums. In addition, the Council of Europe’s member states should provide adequate support to the ECtHR.

[…]

Die komplette Erklärung hier lesen.

#freethemall

#teamwinkler

27. April 2018

„Klagenfurt hat am Dienstag mit einem Festakt im Wappensaal das 500-jährige Bestehen der Stadt gefeiert. In seiner Rede sorgte Autor Josef Winkler für einen Eklat, er griff Jörg Haider an, daraufhin verließ der dritte Landtagspräsident Josef Lobnig (FPÖ) den Festakt.“

woraufhin

„Wegen Josef Winklers Attacken auf die FPÖ bei seiner Rede im Rahmen des Festaktes zu 500 Jahre Klagenfurt am Dienstag wird die FPÖ Anzeige wegen Verhetzung erstatten. Winkler griff neben der Partei auch den verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider scharf an.“

Kauft, lest, empfehlt, verbreitet Bücher von Josef Winkler.

Image

Rolf

27. April 2018

Jan Nolte, Jg. 1988, „war Autor, Blaue Narzisse, neurechtes, islamfeindliches Jugendmagazin aus Chemnitz“ (zit. nach taz). Er ist der smarte Ex-Soldat in der AfD-Fraktion, der sich gestern gegen die Verlängerung und den Ausbau des Mali-Einsatzes der Bundeswehr ausgesprochen hat. Begründet hat er das u.a. mit der Gefährlichkeit des Einsatzes und den „diffusen Missionszielen“. (Obacht: Link für zur Rede Noltes im Bundestag am 26.4.2018 – hochgeladen auf einen AfD-nahen Kanal.) Im weiteren Verlauf der Rede nimmt Nolte auch das Wort „Doppelmoral“ in den Mund.

Jan Nolte (Mitglied des Verteidigungsausschusses des Bundestages) redet von Sicherheit und Doppelmoral und beschäftigt gleichzeitig einen mutmaßlichen Komplizen des terrorverdächtigen Oberleutnant Franco A.

Ein Ex-Soldat ist Mitglied einer Partei, die gegen Kriegsflüchtlinge hetzt und von importiertem Terror spricht und beschäftigt gleichzeitig einen mutmaßlichen Terrorkomplizen. Und diese Partei hat dennoch 13% Zustimmung in der Bevölkerung (Stand 27.4.2018 – Forschungsgruppe Wahlen).

Im Übrigen war Nolte eines der wenigen „westdeutschen“ AfD-Mitglieder, die Bernd Höcke für seine Mahnmals-Rede öffentlich in Schutz genommen haben. Jene Rede, die vielen AfDler zu weit ging und ein Parteiausschlussverfahren gegen Höcke nach sich zog. (Dazu übrigens mal eine aktuelle Meldung.)

Jan Noltes Profil auf abgeordnetenwatch.de

Fiktion

23. April 2018

„Fantasie ist die herzliche Erwärmung dessen was vorhanden ist. Das ist Fantasie. Und nicht das storytelling und all dieser Scheißdreck. Das was vorhanden ist wird plötzlich zeichenhaft, aber in einer Art von sanftem Hochofen.“

Peter Handke

Ich segle rauf nach Boston

20. April 2018

Ich bin ein Seemann, Liebste mein

Und verlor mein schönes Bein

Als ich ins Rigg geklettert bin

Verlor ich meine Stelze

 

Ich segle rauf nach Boston

Ich segle rauf nach Boston

Ich segle rauf nach Boston

Ich stech‘ in See – und versuch‘ das Ding zu finden

 

(nach Woody Guthrie)

Ein Song, den mittlerweile jeder kennt. Was aber die Wenigsten wissen – er stammt nur zur Hälfte von den Murphys. Sänger und Bassist Ken Casey fand den Text auf einem kleinen Zettel im Archiv, das den Nachlass des berühmten Folkmusikers Woody Guthrie bewahrt. Die ganze Story dazu kann man hier nachlesen.

In der kleinen Nachdichtung wollte ich den Anfangsreim bewahren, weswegen die Bezeichnung „sailor peg“ entfallen musste und ich eine Geliebte einschrieb. Auch das Klettern in die Toppsegel ist nicht so einfach wiederzugeben, wenn man einen gewissen Rhythmus bewahren will. So zeigt eine kleine Acht-Zeilen-Übung zwischendurch, dass literarisches Übersetzen doch Einiges verlangt und ich mich daher lieber mit dem Begriff „Nachdichtung“ von der Treue zum Original befreie.

In aufsteigender Tiefe

20. April 2018

Peter Neumanns Rede zur Verleihung des Harald-Gerlach-Stipendiums – lesen lohnt!

In guter Nachbarschaft - Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

Am Dienstag bekam Peter Neumann das Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach verliehen. Er nutzte die Gelegenheit, um im Kultur: Haus Dacheröden in Erfurt eine Dankesrede zu halten, die Einblick in seine aktuelle Arbeit gibt und Stellung zur aktuellen Provinzialisierung des Geistes bezieht.

[…] Ich würde heute, auch vor dem Hintergrund der politischen Diskursverschiebungen der letzten Jahre – einer in diesem Ausmaß nie für möglich gehaltenen Provinzialisierung des Geistes –, von magmatischen Landschaften sprechen: Areale, irgendwo zwischen dem Phlegma, dass alles so bleiben möge, wie es immer war, und dem besinnungslosen Taumel, die Trägheit nach eigenen Maßstäben zu verteidigen. Ränder, die auf einmal zu Zentren werden, Zentren der Abwehr, der selbsternannten Hüter einer immer schon vorherbestimmten – wer bestimmte sie, wann? – Identität: Leitkultur, ick hör dir trapsen. Gruppen, die wutentbrannt, Nase schnaufend, durch die Straßen ziehen und den Normalzustand proklamieren. Denn was da gerade passiert, gehört neutralisiert, unschädlich gemacht, eingemeindet, oder…

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